Yesterday (Filmkritik)

Der erfolglose Hobbymusiker Jack Malik möchte nach einem Gig in einem fast leeren Zelt auf einem Rockfestival seine ohnehin nicht in die Gänge gekommene Karriere an den Nagel hängen und wieder als Musiklehrer arbeiten. Das würde ihm auch mehr Spaß machen als der Teilzeitjob im Lager eines Supermarktes. Auch wenn seine beste Freundin/Managerin Ellie strikt dagegen ist, steht sein Entschluss fest. Dies war sein letzter Auftritt. Während er mit dem Fahrrad nachhause fährt, fällt weltweit der Strom aus und Jack wird von einem Bus angefahren.

Als er aus dem Krankenhaus entlassen wird und sich wieder mit seinen Freunden trifft entdeckt er etwas Unglaubliches: Niemand kennt die Beatles. Nachdem er sich zuerst von seinen Freunden verarscht vorkommt und dann Google befragt, beschließt er, nochmal als Musiker durchzustarten und bittet Ellie um Hilfe. Es dauert nicht lange, bis Ed Sheeran auf Jack aufmerksam wird und vor seiner Haustür steht. Er bucht ihn als Vorgruppe für seine Tournee und Jack überzeugt mit seinen Beatles Songs aus Sheerans Managerin, die ihm zu Weltruhm verhilft. Doch Ruhm ist nicht Alles und Jack plagen Gewissensbisse, und dann wäre da noch Ellie, die sich doch etwas mehr erwartet hätte als Freundschaft…

Kritik:

Danny Boyle bringt uns 2019 einen weiteren Musikfilm und auch ein richtig gutes Feel-Good Movie. Er beweist, dass er neben Horror, kontroversen Sozialstudien, Oskar reifen Dramen auch bei Komödien punkten kann. Und nachdem wir heuer schon mit Queen und Elton John mitsingen durften, stehen hier die Beatles im musikalischen Vordergrund. Dennoch gelingt es Boyle sich auch auf die Hintergründe und seine Charaktere zu konzentrieren.

Diese sind überaus durchdacht ausgearbeitet und harmonieren perfekt miteinander. So rückt Boyle erfreulicherweise auch seine Nebenrollen nach vorne und lässt sie ausreichend an der Geschichte teilhaben. Alle Charaktere tragen den Film auf ihre teils liebenswerte und auch skurrile Art. Und jeder sorgt für den ein oder anderen Lacher. Da bleibt auch nicht Ed Sheeran verschont, der sich hier gleich selbst spielt und ein bissl mitsingen darf. Markant ist die Rolle der Managerin Carol, welche die Härte und Absurdität des internationalem Musikbusiness verkörpert. Grenzgenial stellt uns Sophia Di Martino die überaus direkte und geldgeile Powerfrau vor und gewährt uns einen kritischen Einblick in die Industrie.

Von der ganz anderen Sorte ist Jacks alte Freundin und ehemalige Managerin Ellie, die die gefühlvolle Seite des Films verkörpert. Und zum Glück lässt Danny Boyle seinen Film nicht zu einer Heteroschnulze verkommen, wo das Schmalz aus der Leinwand läuft. Nein, er behält seine kritisch-witzige Gangart auch bei der Liebesgeschichte bei und das bringt ihm weitere Pluspunkte ein. Nichtsdestotrotz ist Ellie auch ein Grund für Jacks schlechtes Gewissen in punkto vertanene Chancen und aufgezwungene Entscheidungen.

Bei Himesh Patel, welcher zuvor nur in ein paar Serien mitgewirkt hatte, gelang Boyle ein echter Glücksgriff. Abgesehen davon, dass der Bursche alle Lieder selbst singt und auch noch die Instrumente dazu spielt, überzeugt er auch schauspielerisch. Er verleiht seiner Rolle die nötige Dramaturgie und spielt somit den hin und her gerissenen Jack recht gut. Na hoffentlich sehen wir bald mehr von ihm.

Aber auch bei dem ganzen Drumherum legt Boyle Wert auf Klasse. So besuchen wir im Film einige historische Orte, die für die Beatles relevant waren. Doch nachdem es die Gruppe, und auch einige andere Dinge die ich hier nicht verraten möchte, nie gegeben hat, sind diese Orte nicht so in Schuss wie es Jack erwartet hätte. Der Humor trifft stets durch sarkastische Kommentare oder Situationskomik. Die Bilder sind gut eingefangen und die Kameraarbeit weiß in einigen Szenen mit einem Anflug von epochalen Ausmaßen zu überzeugen. Und von der  musikalischen Seite her wird der Film nicht nur Beatles Fans gefallen. Es wurden einige der bekanntesten und erfolgreichsten Werke ausgewählt, die dann auch stets zur Geschichte passen. Die Beatles selbst haben bei dem Film angeblich nicht mitgewirkt. Naja, die Pension sei ihnen vergönnt.

Fazit:

Yesterday ist eine lockere Komödie mit sympathischen, wie auch skurrilen Charakteren und ein weiteres musikalisches Highlight des heurigen Kinojahres.

5/5

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