Petrov’s Flu (Filmkritik)

Als Petrov krank von der Arbeit nachhause fahren will, wird er von Igor aus dem Bus geholt und auf den ein oder anderen Wodka in einem Leichenwagen eingeladen. Er lässt seine Erlebnisse als Inspiration in seine Comics einfließen. Währenddessen vergnügt sich seine Exfrau in der Bibliothek, in der sie arbeitet, als sie auf das Ende des Literaturzirkels wartet, der immer wieder in der Bücherei abgehalten wird. Dabei kämpft sie mit der Unterdrückung ihrer Mordgedanken, denn diese Leute zehren an ihren Nerven. Es dauert nicht lange, bis sie auch an der Grippe erkrankt und auch der gemeinsame Sohn bleibt nicht verschont…

Kritik:

Regisseur Kirill Serebrennikov, der schon öfter dem Putin-Regime kulturell einen Spiegel vorhielt, sodass seine Arbeiten meist als systemkritisch verboten wurden, adaptierte den Roman von Alexey Salnikov gleichzeitig fürs Kino und fürs Theater.

Er porträtiert die postsowjetische Gesellschaft anhand einer Familie und ihrem Umfeld. Er vergleicht die Gesellschaft mit einer ansteckenden Krankheit, die ihre Opfer verschlingt und in einen Strudel von Gewalt nach unten zieht. Der Film ist reich an Symbolik, die diverse Themen aufzeigen und baut sich wie eine Symphonie auf. Dabei ist es oft schwer zwischen Fieberwahn und Wirklichkeit zu unterscheiden.

Die Charaktere sind dabei gut ausgearbeitet und fügen sich gut in die Geschichte ein, und auch hier verschwimmt Wahn und Realität. So wird Petrov von Igor zum Saufen gedrängt, und Petrova fragt sich ob dieser Igor überhaupt existiert oder ihr Exmann ganz allein dem Wodka frönt. Auch schlägt sich Petrov gelegentlich den Kopf an einem zu tief hängenden Lustern, was den Anschein macht, dem Protagonisten fällt die Decke auf den Kopf, er fühlt sich in seinem tristen Leben eingeengt und entfaltet sich in seinen Comics, die allerdings nicht besonders gut sind.

Rückblenden zeigen uns eine einfachere, aber nicht wesentlich bessere Vergangenheit. Sie bringen uns auch die Nebencharaktere ein Wenig näher. Dabei ändert der Regisseur auch gleich das Bild auf schwarz/weiß oder legt einen verdreckten Filter drüber, während er bei manchen Erinnerungen die Perspektive auf das Geschehen ändert.

Das gedankliche Ausleben der Gewalt setzt Serebrennikov gekonnt und grafisch in Szene, wobei er so manchen WTF Moment für uns bereit hält. Die Sets werden sehr stimmungsvoll präsentiert. Von einfachen Wohnungen über versiffte Orte führt uns Serebrennikov zu russischen Plattenbauten und altmodischen öffentlichen Gebäuden. Die Szenerie ist stets mit passender Musik unterlegt, die gut zur Atmosphäre des Films beiträgt.

Fazit:

Serebrennikov präsentiert uns mit der Romanverfilmung eine interessante Gesellschaftsstudie, die abseits des Mainstreams begeistert.

Bewertung: 3.5 von 5.

Wir bedanken uns bei Entertainment Kombinat für die freundliche Unterstützung.

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