The Painted Bird (Filmkritik)

Während des Zweiten Weltkriegs wird der Junge Joska von seinen jüdischen Eltern zur Tante aufs Land geschickt, um in Sicherheit zu sein. Die alte Frau kümmert sich liebevoll um den Kleinen, ihren Hof und die wenigen Tiere. Als sie eines Tages unerwartet stirbt, zieht Joska in die Welt hinaus um Hilfe zu finden. Doch begegnet er nur Gewalt und menschliche Abgründe…

Kritik:

Václav Marhoul zeigt uns in seiner Literaturverfilmung menschliche Abgründe, wie sie ein Junge, stellvertretend für alle in den Kriegswirren umherirrenden Kinder, erleben muss. Wir sehen zwar nicht direkt die Gräuel des Krieges, doch begegnen wir mit dem jungen Joska der vom Krieg und Armut gebeutelten Landbevölkerung.

Marhoul unterteilt den Film analog der Vorlage in mehrere Kapitel. Jedes Kapitel stellt eine weitere Station auf der Reise des Jungen dar. In jedem Kapitel begegnet ihm Gewalt und Niedertracht. Der Junge, gespielt von Petr Koltár spricht kaum, er beobachtet und leidet. Der junge Schauspieler überzeugt voll und ganz in der Rolle. Selten, aber doch trifft er auf gute Menschen. Doch meist zeigen die Menschen ihr Schlechtestes.

Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet. Und obwohl wir manche nicht lange sehen, bieten sie eine gefühlte Hintergrundgeschichte. Sie sagen nicht viel, eher sprechen ihre Taten für sich. Die meisten sind überaus nachvollziehbar, doch zeigen sie dabei auch ihre Abgründe und lassen uns mit dem Jungen mitleiden. Viel Gewalt richtet sich gegen ihn, doch tun sich die Menschen untereinander auch selten Gutes. Die Darsteller, darunter ein paar sehr bekannte Persönlichkeiten, wie Udo Kier und Harvey Keitel, überzeugen mit ihrer Mimik und Gestik. Marhoul fängt sie mit der Kamera gut ein.

Gedreht wurde mit 35mm und in schwarz/weiß. Die Kameraarbeit ist hervorragend und beschert uns teilweise atemberaubende Ästhetik. Manche Bilder erscheinen wunderschön um kurz darauf in abgrundtiefer Hässlichkeit zu schockieren. Die Sets sind authentisch gestaltet und tragen gut zur dreckigen Atmosphäre bei. Die Bildsprache in Kombination mit der gelungenen Musik ist hervorragend.

Und so erlebt auch unser Protagonist immer wieder schöne Momente, die allerdings nie von anhaltender Dauer sind. Die Gesellschaft vermittelt ihm ungeschönt seinen Stellenwert als Waise, misshandelt und missbraucht ihn. Er macht eine Entwicklung durch, legt das Kindliche ab und verliert sich in einer abscheulichen Welt.

Fazit:

Die fast drei Stunden vergehen wie der Flug des angemalten Vogels. Doch die schockierenden Bilder lassen uns noch lange an das Schicksal des jungen Protagonisten und der verlorenen Gesellschaft denken.

Bewertung: 4 von 5.

IMDB

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