Potato dreams of America (Filmkritik)

Vladivostok, 1985 die Perestroika ist noch in Planung und die Situation im Land wird für Elena und ihren Sohn, die sich auf den Fortschritt, Farbfernsehen und Toilettenpapier freuen, immer schwieriger. Die konservative Bevölkerung nimmt die Neuerungen nur träge an und beharrt auf ihre eingefahrenen Werte und Homophobie. So flüchten sich beide in ihre Fantasie, angetrieben von amerikanischen Filmen.

Doch irgendwann reicht das nicht mehr und Elena möchte mit ihrem schwulen Sohn in die USA auswandern, noch bevor Potato 18 wird, und zum Militärdienst eingezogen wird. Also heiratet sie einen Amerikaner, der sie aus einem Katalog bestellt hatte. Potato blüht in den USA auf, findet Freunde und kann endlich er selbst sein…

Kritik:

Autor und Regisseur Wes Hurley reflektiert seine eigene Geschichte in seinem zweiten abendfüllenden Film, wobei er einen seiner frühren Kurzfilme weiter ausbaut. Dabei wirft er einen kritischen, aber auch sehr humoristischen Blick auf die russische Gesellschaft, die sich seit seiner Kindheit kaum geändert hat.

So freuen sich sie Menschen einerseits über die Öffnung und Fortschritt, wie Toilettenpapier und amerikanische Filme, doch bei Homosexualität sind sie eingefahren konservativ. Und wer als Mann kein notgeiler Macho ist, wird von der Gesellschaft ausgeschlossen. Traurigerweise ist Elenas bibeltreuer, amerikanischer Mann nicht viel besser eingestellt. Es wird schnell klar, warum er sich eine Frau aus einem Katalog bestellen muss. Doch Hurley verleiht auch seiner Rolle Tiefe und eine interessante, gar tragische Hintergrundgeschichte.

Doch Hurley nimmts meist mit Humor und so gelingt es ihm ernste Themen mit einem Schmunzeln zu erzählen. Situationskomik und teils skurrile Charaktere tragen ihren Teil dazu bei. Ja, auch Jesus manifestiert sich und zieht in die kleine russische Wohnung. Die Chemie zwischen Elena und ihrer sie ständig kritisierenden Mutter ist prickelnd und sorgt für gute Unterhaltung in der ersten Hälfte.

Die Charaktere sind allesamt sehr gut ausgearbeitet, haben Geschichte und Tiefgang. Vor allem entwickeln sie sich über den Film hinweg weiter. Die Darsteller machen ihre Sache recht gut und sorgen für lockeres Tempo. Mit humoristischer Leichtigkeit spielen sie die verschiedensten Situationen. Potato wird in den USA erwachsen, bzw. macht Hurley einen Zeitsprung, da es ja auch eine Zeit dauert bis Katalogfrauen auswandern können.

Auch die Kulissen sind Hurley gelungen. So sehen die russischen Wohnungen einfach und spartanisch aus, was sie in unserer Vorstellung ein Wenig authentischer wirken lässt. In den USA begegnen wir dann technologischen Fortschritt, na zumindest fällt nicht jede Nacht der Strom aus. Die Musik ist gut gewählt und untermalt die lockere Atmosphäre.

Fazit:

Eine sehr gelungene Biographie, die ernste Themen mit der nötigen Prise Humor angeht.

4

Wir bedanken uns bei Pro-Fun Media für die freundliche Unterstützung.

Hier könnt ihr die DVD kaufen.

IMDB

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