Fire Island (Filmkritik)

Jedes Jahr treffen sich Noah und seine Freunde zur größten Gay-Party des Jahres auf Fire Island. Wie jedes Jahr hoffen sie auf Spaß, Sex und vielleicht mehr. Doch dies ist für die bunte Truppe nicht so einfach, denn sie entsprechen allesamt nicht den toxischen schwulen Schönheitsidealen, die nach dem Motto: no fats, no fem, no Asians ausgerichtet ist. Dennoch lassen sie sich ihre Laune nicht verderben  und checken, wie jedes Jahr, bei ihrer Freundin Erin ein, die ihnen offenbart, dass sie das Haus verkaufen muss. Und so soll dies ihr letzter gemeinsamer Urlaub auf der Insel werden. Also setzt Noah alles dran, dass dieser Abschluss unvergesslich bleibt und sein bester Freund Howie auch mal den Sex bekommt, den er verdient…

Kritik:

Regisseur Andrew Ahn bringt etwas Farbe in die Filmwelt, indem er die Geschichte, die lose an Jane Austens Stolz und Vorurteil erinnert, aus Sicht eines asiatischen Protagonisten und seiner Freunde erzählt. Dabei zeigt er so einige Klischees und Missstände in der Gay-Community auf, die vor allem People of Color zu schaffen machen. Leider sind dies Tatsachen, über die wir gern hinwegschauen, wenn es uns nicht direkt betrifft.

Doch Noahs illustre Truppe lässt sich dadurch den Spaß nicht verderben. Die Charaktere sind gut durchdacht und unterscheiden sich charakterlich voneinander, sodass niemand auf die Idee kommen kann, alle in eine Schublade zu stecken. Wie im wirklichen Leben ist so ziemlich alles vertreten, vom schüchternen Bücherwurm zum schrillen Partyluder. Und ja, manche Klischees sind gar nicht so weit hergeholt. Und wie in Austens Roman legen manche Charaktere ihre Vorurteile ab und sehen über ihren Stolz hinweg um der Geschichte einen guten Ausgang zu verleihen.

Ahn konzentriert die Geschichte auf Noah, Joel Kim Booster, der es nicht mehr mit ansehen kann, dass sein bester Freund Howie, Bowen Yang, nie jemanden abbekommt. So macht er es zu seiner Mission Howie ein Date zu verschaffen, und verzichtet selbst auf lockende Gelegenheiten. Denn die beiden verbindet mehr als Freundschaft, sie sind Familie. Wenn dich deine richtige Familie für das was du bist verstößt, suchst du dir selbst eine in der Community. So auch unsere fünf Freunde und ihre lesbische Hausmutter. Die Chemie in der Gruppe stimmt, und wir spüren, dass sie schon so einiges miteinander erlebt haben.

Als dann der Plan in die Tat umgesetzt wird und ein passender Kandidat für Howie gefunden ist, verleiht Ahn auch ihm und seinen Freunden Raum zur Entfaltung. So erleben wir wie die jeweils besten Freunde des potentiellen Paars stets ein wachsames Auge auf den Anderen haben, denn niemand möchte, dass Gefühle verletzt werden. Dafür sorgen schon diverse Klischeearschlöcher aus der weißen Oberschicht, die entweder mit ihrem Vermögen prahlen oder sich um Gefühle anderer nicht scheren, denn Hauptsache sie haben Spaß. Somit verleiht Ahn dieser anfangs oberflächlich wirkenden Komödie etwas Tiefgang.

Fire Island ist eine Barriereninsel vor Long Island in New York. Seit den 70ern ist sie Treffpunkt der schwulen Partygemeinschaft. Die Locations wurden gut gestaltet und wirken sehr authentisch. Besonderen Kontrast bieten die beiden Häuser. Erins eher einfaches Haus strahlt freundliche Wärme aus, hingegen die pompöse Villa der Reichen eher kühl wirkt.

Die musikalische Unterlegung ist gut gewählt und passt stets zu den gezeigten Szenen. Die Handlung wird flüssig erzählt und witzige Momente lockern das Ganze dann noch auf. Ahn scheut sich auch nicht Leute beim Sex zu filmen, natürlich nur aus der Ferne.

Fazit:

Fire Island ist eine gelungene Komödie mit sehr sympathischen Charakteren. Ahn hält der Gay-Community einen Spiegel vor und wir hoffen, dass sich die Einstellung bald verbessern wird.

Bewertung: 4 von 5.

Anschauen könnt ihr den Film auf Disney+

IMDB

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