Not Knowing (Filmkritik)

Der 17jährige Umut ist leidenschaftlicher Wasserballspieler und freut sich auf das Sommercamp in Ungarn, wozu er aber noch die Unterschrift seiner Eltern benötigt. Doch die sind viel mehr mit ihren Eheproblemen beschäftigt. Als Umuts Mitspieler das Gerücht verbreiten, der sanftmütige Junge sei schwul, und er es nicht dementiert, wird die Stimmung im Team zusehends angeschlagener. Doch seine gestressten Eltern sind mit ihren eigenen Problemen beschäftigt und drängen Umut zu einem Sportstipendium für eine Uni in den USA. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse…

Kritik:

Autorin und Regisseurin Leyla Yilmaz hält der konservativen, testosterongesteuerten Gesellschaft einen Spiegel vor und erzählt die Geschichte eines Teenagers, der durch Gerüchte in eine furchtbare Situation gerät. Sie lässt ihren Film in ihrem Heimatland spielen, wo schon zum fünften Mal in Folge die Pride verboten wurde.

Im Mannschaftssport gilt schwul zu ein leider immer noch als Tabu. Und das leider überall auf der Welt. Umuts Teammitglieder fühlen sich unwohl und bedrängen ihn. Einer pauscht den anderen auf und der Gruppenzwang reißt schließlich alle mit, die behaupten Umut lüge sie an, wenn er nicht zugibt dass er schwul ist. Yilmaz lässt uns selbst auch im Unklaren, denn dies ist nicht wichtig. Wie es immer wieder vorkommt, wird ein Mensch anhand von Gerüchten in eine Schublade gesteckt.

Umut, gut gespielt von Emir Ozden, zeigt Reife und beantwortet die Frage nicht, denn es würde an der Situation nichts ändern. Gibt er es zu, verachten sie ihn weil er schwul ist, streitet er es ab, nennen sie ihn einen Lügner. Also sagt er nichts, was die Stimmung noch mehr anfeuert. Sogar sein bester Freund Tunç drängt ihn um eine Antwort. Yilmaz stellt das komplette Team als aufgestachelte Horde dar. Kein einziger Spieler stellt sich auf Umuts Seite. Nicht mal der Trainer kann die Situation beruhigen.

Yilmaz gibt uns einen guten Einblick in Umuts Familie. Die beruflich erfolgreichen Eltern haben sich auseinander gelebt, denken an Scheidung und wollen doch das Beste für ihren Sohn in dem sie ihn zu schulischen Leistungen anspornen. Es wird nicht über seine Gefühle geredet, sie sind mit sich selbst beschäftigt.

Auch die Nebencharaktere passen gut in die Geschichte. Die Darsteller machen ihre Sache recht gut und können in ihren Rollen überzeugen. Natürlich bemerkt man einen Unterschied zwischen den erfahrenen älteren Darstellern zu den Jungen. Doch gelingt es Ozden mit seiner Mimik die Gefühlswelt des Mobbingopfers darzustellen.

Yilmaz verzichtet ganz auf Musik, sie lässt die Bilder sprechen, die durch gute Kameraarbeit manchmal sehr schön eingefangen wurden. Die Stimmung wird zusehends bedrückender, und die Stille im Hintergrund trägt zur passenden Atmosphäre bei. Die Sets sind üppig und gut ausgestattet, es kommen viele Drehorte mitsamt Nebencharakteren zum Einsatz, wodurch ein großräumiges, realitätsnahes Bild entsteht.

Fazit:

Eine sehr gelungene Gesellschaftsstudie mit einer alltäglichen, aber gut umgesetzten Geschichte und gut ausgearbeiteten Charakteren.

Bewertung: 3.5 von 5.

Wir bedanken uns bei Pro-Fun Media für die freundliche Unterstützung.

Hier könnt ihr die DVD kaufen.

IMDB

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