Wolfzeit (Filmkritik)

Als Anne und ihre Familie, mit genügend Vorräten um die drohende Krise durchzusitzen, in ihrem Ferienhaus ankommen, treffen sie dort eine geflüchtete Familie, die sich in das Haus eingenistet hat. Die Eindringlinge erschießen Annes Mann und jagen sie mit ihren beiden Kindern weg. Ihrer Vorräte und des Autos beraubt, von Nachbarn und Freunden abgewiesen, streifen sie fortan durch die Gegend auf der Suche nach Nahrung und Unterkunft. Dabei treffen sie einen Jungen, der sie zu einem nahen Bahnhof führt. Ein Zug soll kommen und sie alle mitnehmen…

Kritik:

Michael Haneke ergründet in seinem Endzeitdrama abermals menschliche Abgründe. Die Ausgangssituation ist eine nicht näher beschriebene Krise. Wir erfahren nicht viel über das was passiert ist. Nahrung geht zur Neige, das Wasser dürfte kontaminiert sein. Haneke überlässt es unserer Fantasie und zeigt wie seine Protagonisten mit der Krise umgehen.

In all dem Chaos ist sich zunächst jeder der Nächste. Das muss die Familie schon zu Beginn des Films feststellen und ist auch recht realitätsnah. Alle kämpfen um ihr eigenes Überleben, gesetzliche und ethische Normen scheinen in den Hintergrund zu rücken und sorgen bei den Menschen, die die Familie im Verlauf des Films trifft für Konflikte. Die Stimmung ist bedrückend und heizt sich immer mehr auf. Wer noch was zu tauschen hat, kann frisches Wasser bekommen, wer nicht, geht leer aus. Die Verzweiflung wird immer größer. Die Menschen warten auf einen Zug, der Hoffnung verspricht, doch niemand weiß wann und ob er überhaupt kommt. Sie bereiten dessen Ankunft vor, und vegetieren vor sich hin.

Haneke hat seine Charaktere gut gewählt und das Ensemble abwechslungsreich zusammengestellt. Die Darsteller machen ihre Sache recht gut. Sie bleiben in ihren Rollen. Charakterentwicklung passiert eher schleppend. Haneke bremst die Szenerie oft ziemlich runter, wie die Protagonisten in ihrer Situation scheint auch der Film auf der Stelle zu treten. Sie klammern sich an eine kleine Hoffnung.

Die Szenerie versprüht postapokalyptische Atmosphäre. Es scheint keinen Strom zu geben, so spielt der halbe Film in fast kompletter Dunkelheit ab. Dabei sorgt of nur ein kleines Feuerzeug für Licht. Spannung gibt’s nicht viel. Haneke konzentriert sich mehr auf das menschliche Drama und die verzweifelten Abgründe. Er verzichtet den ganzen Film über auf Musik.

Fazit:

Ein nachdenklicher Endzeitfilm, der die Psyche der Menschen beleuchtet und so dieses Thema wesentlich besser aufarbeitet als die meisten Genrevertreter.

Bewertung: 4 von 5.

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