Wo ist das Haus meines Freundes? (Filmkritik)

Die Freunde Ahmed und Nematzadeh besuchen eine Volksschule irgendwo im ländlichen Iran. Versehentlich steckt Ahmend das Hausaufgabenheft seines Freundes ein. Da der Junge schon so oft vom Lehrer ermahnt wurde, fürchtet Ahmed, dass sein Freund von der Schule fliegen wird. Also beschließt er, seinem Freund das Heft zu bringen. Doch er weiß nur, dass der Junge in der Region Poschte wohnt. Aber diese ist groß und so entwickelt sich der kleine Ausflug zur Odyssee…

Kritik:

Zu Beginn seiner Karriere arbeitete der 2016 verstorbene Autor und Regisseur Abbas Kiarostami in einem Institut für die geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. So drehte er Anfangs Lehrfilme für die iranische Regierung und widmete seine frühen Werke Geschichten rund um Kinder.

© 1987 Kanoon

Er lässt auch hier seinen Lehrauftrag nicht außer Acht und lässt die Erwachsenen über die notwendige Kinderziehung referieren. Die Kinder selbst hätten viel zu sagen, doch sie werden nicht mal angehört. Was den Kindern in ihrer kleinen Welt als wichtig erscheint, interessiert die Erwachsenen nicht. Bei seiner Suche trifft der Junge auf die verschiedensten Persönlichkeiten, die uns einen Einblick in die ländliche, iranische Kultur geben, aber dem Jungen nicht helfen. Im Gegenteil, sie behindern ihn bei seiner Suche.

Und so ist der kleine Ahmed mehr oder weniger auf sich alleine gestellt, denn auch die anderen Kinder sind nur wenig hilfreich. Sie sind doch brav und bleiben zuhause bei ihren Hausaufgaben. Es geht um die Suche nach der Suche selbst. Dass Ahmed nicht weiß, wo sein bester Schulfreund wohnt, könnte einerseits an der großen Region liegen, andererseits am Wunsch der Regierung, dass Kinder nach der Schule brav zuhause ihre Aufgaben erledigen und nicht die Mitschüler zum Spielen besuchen.

Somit sticht unser kleiner Held heraus, denn er lehnt sich still und mit Bedacht gegen dieses System auf. Ihm ist wichtig, dass sein Freund in der Schule bleiben kann, und so setzt er alles daran, um ihm das Heft zu bringen. Auch wenn er dadurch seine familiären Pflichten, wie Brot kaufen vernachlässigt. Der kleine Hauptdarsteller macht seine Sache recht gut und spielt authentisch. Auch die anderen Darsteller überzeugen in ihren Nebenrollen.

Kiarostami gewährt uns einen Blick auf den Iran, wie wir ihn nicht kennen. Denn zum einen ist er nicht das Top Urlaubsland, zum anderen schaffen es iranische Filme nicht ins westliche Mainstream Fernsehen. Doch abseits davon hat sich der Regisseur seinen Namen gemacht. So findet man seine Werke auf Arthaus Kanälen und ausgewählten Filmsammlungen.

© 1987 Kanoon

Kiarostami zeigt und das generationsübergreifende Familienleben, die spärlich ausgestatteten Häuser. Die Ortschaften mit ihren verwinkelten Gassen und renovierungsbedürftigen Gebäuden. Und genau so angestaubt sind Erziehungsmethoden und die Schule selbst. Mädchen sehen wir in dieser Schule und generell im Film nicht. Auch Musik gibt es spärlich. Symbolisch versucht im Film der Vater mit einem alten Radio einen Sender rein zu bekommen, doch gibt er erfolglos auf.

Fazit:

Wo ist das Haus meines Freundes? ist ein interessanter Film über Freundschaft und Pflichtbewusstsein, sowie die kleine Rebellion gegen vorgelebte Werte.

Bewertung: 4 von 5.

Wir bedanken uns bei Entertainment Kombinat für die freundliche Unterstützung.

Den Film könnt ihr auf LaCinetek ausleihen oder kaufen.

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