Stillstehen (Filmkritik)

Julie hat für sich beschlossen, absolut nichts zu machen. Sie hat keine Freunde, arbeitet nicht, studiert nicht und lebt in den Tag hinein. Geerbt hatte sie genug, also lässt sie es sich gut gehen. Gelegentlich weist Julie, die rund um die Uhr gelbe Latexputzhandschuhe trägt, sich selbst in die psychiatrische Anstalt ein, nachdem sie zum Beispiel ein Auto angezündet oder ein Lama entführt hatte.

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse in ihrem Leben. Julies Geld ist aufgebraucht und ihr Arzt kündigt seine Pension an und stellt ihr gleich die neue Betreuerin Agnes vor. Die naive, junge Frau versucht im Job alles richtig zu machen, und kommt dabei Julie näher als sie eigentlich will. Julie einfaches Leben steht auf der Kipper. Um weiter stillstehen zu können, muss sie sich bewegen….

Kritik:

Autorin und Regisseurin Elisa Mishto erzählt uns eine interessante Geschichte die vor allem von ihren gut ausgearbeiteten Charakteren lebt. Dabei stimmt vor allem die Chemie zwischen den beiden Frauen, obwohl beide unterschiedlicher nicht sein könnten.

Julie, gespielt von Natalia Belitski, ist psychisch krank, andauernd in Behandlung und tut eigentlich alles um nicht gesund zu werden. Sie lebt in den Tag hinein. Wie sie selbst sagt, möchte sie keine arbeitende Ameise im System sein. Sie möchte stillstehen, und doch entwickelt sie sich über den Film hindurch weiter. Vertrauen hat sie nur ihrem Arzt gegenüber. Alle anderen Betreuer hat sie bisher zur Weißglut getrieben. Abgesehen von Agnes.

Agnes, Luisa-Céline Gaffron, ist eine junge Pflegerin, die sich bemüht alles richtig zu machen, und doch läuft so ziemlich Alles schief. Weder Job noch Familie bekommt sie auf die Reihe und dann soll sie auch noch Julie betreuen, die sie fortan in ihren Bann zieht.

Die beiden Hauptdarstellerinnen harmonieren sehr gut miteinander und überzeugen in ihren Rollen. Sie stellen ihre Charaktere gut vor und lassen uns an ihrer Entwicklung teilhaben. Aber auch die kleinen Nebenrollen sind gut gewählt und vor allem passend geschrieben. Sie fügen sich gut in die Geschichte ein und es wird ihnen auch etwas Zeit gewährt.

Die Sets sind gut ausgestattet und vermitteln Authentizität. Vor allem die Musik ist gut gewählt und passt stets zu den gezeigten Bildern. Obwohl der Film eher langsam ist, entstehen keine Längen, jeder Szene für sich ist interessant und zeigt uns mehr von der Psyche unserer Protagonistin.

Fazit

Stillstehen ist eine überaus interessante und gelungene Charakterstudie, die mit verrückten und doch liebenswerten Charakteren punkten kann.

Bewertung: 3.5 von 5.

Wir bedanken uns bei Entertainment Kombinat für die freundliche Unterstützung.

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