Komm und sieh (Filmkritik)

1943: Kinder graben am Strand von Weißrussland Gewehren gefallener Soldaten. Im Kriegsspiel tollen sie herum, doch der Hintergrund der Suche ist weit ernster. Sie wollen sich der Partisanenarmee anschließen. So macht sich auch der junge Fjora trotz Flehen seiner Mutter auf dem Weg zur Armee.

Doch schon im Lager holt ihn die Realität aus seinen Kindheitsheldentumträumen. Und als ihn der Kommandant dann gar nicht zum Einsatz mitnehmen will, macht sich Fjora frustriert auf den Heimweg. Dabei schließt sich die jugendliche Freundin des Kommandanten, Glasha ihm an. Mit Glück entkommen sie einem deutschen Bombenangriff auf das Partisanenlager. Es beginnt eine grauenvolle Odyssee während des deutschen Vernichtungskrieges…

Kritik:

Altmeister Elem Klimov zeigt uns mit Komm und sieh einen bedrückenden Kriegsfilm. Er erzählt die Geschichte aus Sicht des Jungen Fjora, der von Heldentum träumt, aber stattdessen blankes Entsetzen in der Realität vorfindet. Die Geschichte spielt im Jahr 1943. Die Deutschen sind am Rückzug und richten bei Operation „Verbrannte Erde“ ein Massaker an.

Die Träume des Jungen platzen schon im Lager, da er von der Erwachsenen nicht ernst genommen wird und dann auch derjenige ist, auf den verzichtet werden kann. Auf ihrer Odyssee reifen die Jugendlichen schneller als ihnen lieb ist zu Erwachsenen, was man ihm auch deutlich ansieht. Aleksey Kravchenko und Olga Mironova machen ihre Sache sehr gut, obwohl es für beide der Debütfilm war.

Als Allegorie einer verlorenen Generation lässt Klimov mehrmals einen Storch durchs Bild stapfen, dessen ungeschlüpfte Küken von Fjora zertreten wurden, und er seit dem auf der Suche nach seinem Nachwuchs ist. Und so muss auch der Junge entsetzt feststellen, was der Krieg mit seiner Familie und dem Dorf angerichtet hat.

Klimov schont uns nicht mit Gräuel des Krieges. Helden gibt es nicht, das merkt auch Fjora schneller als ihm lieb ist. Im Krieg sind alle Verlierer. Es geht ums reine Überleben.  Unsägliches Leid kommt über Mensch und Tier. Anfängliche unbeschwerte Szenen weichen schnell dem blanken Entsetzen, unbeschwerte Momente währen nicht sehr lange und gipfeln nur in größerem Grauen. Klimov lässt uns mit seinem Protagonisten mitverzweifeln.

Dabei hält er die Spannung größtenteils eher flach. Ab und zu gibt es Actionszenen. Mit dichter Atmosphäre fängt Klimov die Szenerie ein. Kräftige und Helle Farben begleiten uns bei den wenigen fröhlichen Momenten, Nebel unterlegt die betrübte Stimmung. Auch Musikalisch gelingt Klimov eine bedrückende Harmonie. Er denkt auch daran, den Ton nach dem Bombenangriff zu dämpfen, denn der Junge aus dessen Sicht wir die Geschichte erzählt bekommen, hat ja geschädigte Ohren durch die lauten Explosionen.

Fazit:

Komm und sieh ist ein bedrückender Kriegsfilm mit starken und eindringlichen Bildern, der keinen Funken Hoffnung  zulässt.

Bewertung: 4 von 5.

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