God’s own Country (Filmkritik)

Frustriert verrichtet Bauernsohn Johnny die täglichen Arbeiten auf der Farm im nordenglischen Yorkshire. Die meisten seiner Freunde sind zum Studieren weg gezogen, doch seit sein Vater einen Schlaganfall hatte, lastet der Familienbetrieb auf Johnny. Und da er seinem alten Herren eh nichts recht machen kann, ersäuft er seinen Frust im örtlichen Pub.

Da unter den verkaterten Tagen die Arbeit extrem leidet, heuert Papa einen Hilfsarbeiter an, der eine Woche lang auf die Schafe acht geben soll, während diese ihre Jungen bekommen. Johnny ist von der Idee wenig begeistert und behandelt den rumänischen Arbeiter Gheorghe rassistisch herablassend. Als die beiden einige Tage auf den Weiden verbringen, um die Zäune instand zu setzen und die Schafe zu versorgen, kommen sie sich näher…

Kritik:

Francis Lees Film wurde oftmals als europäisches Brokeback Montain gefeiert. Doch ist der Film viel mehr als das. Anhand von Johnny erzählt er uns die Geschichte einer Jugend, deren Zukunft von den Eltern gelenkt und gesteuert wird. Der Sohn soll den verstaubten Bauernhof übernehmen, seine Wünsche und Träume hat er spätestens nach der Hauptschule aufzugeben. Auch wenn all seine Freunde in die große Stadt ziehen, bleibt ihm nichts Anderes übrig als Haus und Hof zu umsorgen.

Das Schicksal schlägt erbarmungslos zu und Johnnys Vater erleidet einen Schlaganfall. Und so befinden sich die beiden in einem psychischen Abwärtsstrudel, zwidern sich gegenseitig an. Vater kann nicht mehr so wie früher, und der Sohn kanns ihm nicht recht machen. Die Oma steht zwischen den beiden und versucht etwas Harmonie rein zu bringen. Johnny ist frustriert, demotiviert, säuft seinen Verstand weg und vögelt Gelegenheitsbekanntschaften bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Und dann kommt ein Fremder auf den Hof. Johnny sieht in ihm einen Konkurrenten, und doch steht er irgendwie auf Gheorghe. Doch er lässt dem Arbeiter lieber Hass und Missgunst spüren, wie er es wahrscheinlich von seinem Vater gelernt hatte. Bis sich dieser wehrt und dem Bauern Paroli bietet. Und plötzlich ist alles heiter Wonne Sonnenschein. Nun ja. den Übergang hat Lee irgendwie verschissen. Zuerst spüren wir Johnnys Hass und Vorurteile, Gheorghe erhebt sich, und schon wälzen sie sich im Dreck und haben Sex.

Mit Johnnys Stimmung schlägt auch der Film neue Töne an. Lee zeigt uns beeindruckende Landschaften und lässt eine zerbrechliche Liebe erblühen, die noch die ein oder andere Probe vor sich hat. Auf das schöne hoch folgen ein paar Tiefs. Dabei bleibt Lee der Realität nahe, verzichtet zum Glück auf das ewig ausgeleierte Thema des Outings. Dafür konzentriert er sich auf die zuvor angesprochenen Themen und baut diese Stärken gut aus.

Seine Charaktere sind einfach gestrickt und doch überzeugend ausgearbeitet. Im Verlauf des Films entwickeln sie sich weiter und tragen die Geschichte. Die Darsteller machen dabei ihre Sache gut und gehen in ihren Rollen auf. Schüchtern sind sie auch nicht. Am Ende verzettelt sich Lee wieder mit einer ausschlaggebenden Wendung, viel zu einfach und fernab der Realität läuft hier wieder alles ab, doch das stört uns im Endeffekt nur bedingt.

Fazit:

Gelungenes Drama, das bei den Wendungen schwächelt aber uns im Gegenzug wieder entlohnt.

Bewertung: 3.5 von 5.

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