Dear Ex (Filmkritik)

Teenager Song Chengxi hat vor 95 Tagen seinen Vater verloren. Nun findet er sich in einem Stiegenhaus wieder, als seine hysterisch Mutter an die Tür von Vaters Lebensgefährten Jay hämmert. Seit sie raus gefunden hatte, dass ihr Ex seine Mätresse, wie sie den jungen Theaterregisseur nennt, als Begünstigten der Lebensversicherung eingetragen hat, dreht sie komplett durch.

Da sie ihren Frust am Sohn auslässt, ihn gar zu einer Psychotherapie schickt, nistet sich dieser kurzerhand bei Jay ein, der allerdings relativ wenig darüber erfreut ist. Denn er hat seine eigenen Sorgen. Zum einen soll sein Theaterstück fertig werden, zum anderen möchte er lieber im Stillen um seinen Mann trauern, den er bis zuletzt im Kampf gegen den Krebs begleitet hatte.

Doch Liu Sanlian lässt nicht locker, sie will das Geld der Versicherung haben, um ihrem Sohn, wie sie meint, ein besseres Leben zu gewähren. Song Chegxi, der uns die Geschichte erzählt, erfährt nach und nach vom Leben seines Vaters…

Die Erwachsenen sind die dümmsten Kreaturen der Erde.

So eröffnet uns Song Chegxi den Film und berichtet mit grafischer Untermalung von den Geschehnissen der Tage nach dem Tod seines Vaters. Autoren und Regieehepaar Chih-Yen Hsu und Mag Hsu taten gut daran, die Geschichte von einer beteiligten aber auch entfernten Perspektive erzählen zu lassen.

Wir begleiten den Junior im Film „Shei xian ai shang ta de“, was grob übersetzt eigentlich „Ich habe ihn zuerst geliebt“ heißt, wie er mit seinen 14 Jahren mit der Welt hadern muss. Seit sein Vater die Familie verlassen hatte, fokussiert die gluckenhafte Mutter ihre Erwartungen in den Sohn, und ladet dabei auch ihren Frust an dem Teenager ab. Den Liebhaber sieht er einerseits als Feind, weil es ihm die Mutter so vorlebt und andererseits als Chance etwas mehr über seinen Vater zu erfahren.

Die gehörnte Frau hat bis dato nicht verkraftet, dass ihr Ex einen anderen Mann liebt und definiert ihr Glück nun aus materiellen Dingen. So will sie auch nicht einsehen, dass nicht sie die Begünstigte der Lebensversicherung ist. Ying-Hsuan Hsieh überzeugt in dieser Rolle auf ganzer Linie und sorgt mit ihren hysterischen Anfällen einerseits für den ein oder anderen Lacher, andererseits für unser Verständnis dem Sohn gegenüber. In Rückblenden sehen wir ihre und Song Zhengyuans Vergangenheit.

Doch bevor er ihr vormachte sie zu lieben, weil es die Gesellschaft ja von einem Uniprofessor verlangt, war er schon mit Jay liiert. Und schließlich entscheidet er sich, dass er seine letzten Monate oder Jahre als er selbst und glücklich mit dem Mann, den er liebt verbringen will. Auch hier vermitteln uns Rückblenden wie sie sich kennen lernten, und gemeinsam Song Zhengyuans letzte Tage verbrachten, und warum Jay so sehr darauf pocht sein Theaterstück fertig zu stellen. Hier schlägt der Film oft ins Drama um und beschäftigt auch unsere Tränendrüsen.

Roy Chiu macht seine Sache recht gut und die stetigen Dispute mit der Ex seines Mannes sorgen für Auflockerung. Sie jammert ihn an, er soll den Sohn zu ihr zurück schicken, er sagt, sie soll ihn endlich mitnehmen und der Junior scheißt beiden was, was im Endeffekt die gut ausgearbeiteten Charaktere auf ihrer Entwicklung weiter bringt.

Sets und Ausstattung sind sehr gelungen. Die Regisseure führen uns auch durch die taiwanesische Stadt, die einen modernen, aber auch urigen Flair vermittelt. Die musikalische Untermalung passt gut zu den gezeigten Szenen. Drama und Humor sind gut portioniert und zur rechten Zeit eingesetzt.

Fazit:

Dear Ex erzählt eine realitätsnahe, dramatische Geschichte mit einer Prise Humor und überzeugenden Charakteren.

Bewertung: 4 von 5.

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