The Lawyer (Filmkritik)

Marius ist ein erfolgreicher Unternehmensanwalt in Litauens Hauptstadt. Er hangelt sich von Kundentermin zu Kundentermin, abends trifft er sich mit Freunden zu Dinnerpartys und datet Grindr rauf und runter, doch irgendwas fehlt in seinem Leben. Dies realisiert er erst so richtig als sein Vater stirbt.

Also sucht er online nach etwas Zuneigung und lernt den Sex Cam Arbeiter Ali kennen. Ali ist syrischer Flüchtling, der in einem Lager in Belgrad lebt. Fasziniert von dem jungen Mann, reist Marius nach Belgrad um ihn zu treffen. Die Beiden kommen sich, aber die Chance für Ali in ein anderes Land umziehen zu können sind gleich Null…

Kritik:

Durch Unruhen und Kriege waren in den vergangenen Jahren viele Menschen gezwungen aus ihrer Heimat zu fliehen. Sie enden meist in Flüchtlingsauffanglagern. Dort hängen sie meist ohne Rechte, ohne Arbeit, ohne Perspektive. Noch viel schlimmer trifft es LGBTQ Flüchtlinge, die Gewalt und Hass ausgesetzt sind.

Roman Zabarauskas greift dieses Thema auf und erzählt in einfühlsamen Momenten von diesen Schicksalen. Ja, er erzählt, denn er geht nicht so weit eben dieses seine Protagonisten erfahren zu lassen. Er wollte nicht mit Gewalt schockieren, sondern lässt diese in unseren Köpfen ablaufen.

Doch auch unser Protagonist gehört als Bisexueller der Gemeinschaft an. Er ist im Camp nicht geoutet, so bekommt Zabarauskas die erzähltechnische Kurve sich auf die eher unüberwindbaren bürokratischen Hürden zu konzentrieren. Und vor allem stehen ja unsere beiden Hauptrollen im Mittelpunkt, die sich ja schließlich näher kommen.

Zabarauskas gelingt es romantische wie auch dramatische Momente gut einzufangen. Die Musik oder das ausbleiben der Gleichen passt stets zu den gezeigten Szenen. Die Darsteller tragen ihren Teil dazu bei und überzeugen mit Mimik und Gestik. Die beiden Charaktere sind gut ausgearbeitet. Wir erfahren von ihrer Vergangenheit und ihren Träumen.

Doch wagen wir noch einen kleinen Blick auf die Situation der LGBTQ Personen in Litauen. Die konservative rechte Regierung hat sich leider Einiges beim russischen Vorbild abgeschaut und so ist die Thematisierung der Homosexualität an öffentlichen Orten und Schulen verboten. Eingetragene Partnerschaften und Ehe gibts leider auch nicht. Um so erfreulicher ist es, dass wir hier nun einen filmischen Beitrag aus Litauen haben.

Fazit:

The Lawyer verschenkt zwar Einiges an Potential, macht dies aber auf der anderen Seite mit seiner eigenen Herangehensweise an das Thema wieder wett.

Bewertung: 3 von 5.

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