Pulse – Schlag gegen die Freiheit (Filmkritik)

Drei Geschichten, die verschiedener nicht sein könnten. Und doch haben sie etwas Furchtbares gemeinsam.

Orlando:
Ricky lebt mit seinem jungen Freund Raul in einem großen Haus. Er verdient gut und möchte das Leben mit dem viel Jüngeren genießen. Doch Raul, der eine schwere Kindheit hatte und viel in seiner Jugend versäumt hatte, möchte viel lieber an den Wochenenden im Nachtclub Pulse feiern, als zuhause vor dem Fernseher zu sitzen…

Paris:
Adele und Mathilde haben eine heiße Affäre, doch Adele ist verheiratet und die Situation ist für sie nicht einfach. Um die Wogen zu glätten und raus zu finden wo es beziehungstechnisch hingehen soll, beschließen sie im Bataclan ein Konzert zu besuchen, ein wenig gemeinsam zu feiern und den Alltag zu vergessen…

Binghampton:

Elena ist Englischlehrerin und unterrichtet Migranten, die in die USA eingebürgert werden wollen. Teilweise gibt sie zuhause Nachhilfe. Sehr zum Missfallen ihres rassistischen und gewalttätigen Ehemanns…

Kritik:

Immer wieder kommt es zu schrecklichen Terrorangriffen und Amokläufen. Immer wieder hören wir davon, oft ist es weit weg, doch wie wir 2020 erleben mussten, kann es auch direkt vor unserer Haustür passieren, als in Wien so ein Wahnsinniger um sich geschossen hat, was von einem Anrainer treffend mit „Schleich di, du Oaschloch“ kommentiert wurde.

Ich möchte her auch gar nicht auf Hintergründe usw. eingehen, denn das macht Autor und Regisseur Anthony Meindl auch nicht. Er hat sich drei, damals medial sehr präsente, Schreckenstaten herausgenommen und erzählt die Geschichten von fiktiven Personen, deren Leben in jenen verhängnisvollen Nächten aus den Fugen gerät.

Dabei springt Meindl den ganzen Film über zwischen den drei Erzählsträngen hin und her, was ein wenig konfus wirkt, aber er bringt sie dann alle drei gemeinsam zum fatalen Höhepunkt. Dabei beginnt er zum einen ruhig oder humorvoll, ein wenig erotisch. Im Verlauf des Films wird der Tenor aber ernster und gegen Ende steigt die Spannung.

Die Charaktere bleiben keinesfalls oberflächlich, wir erfahren von ihrer Vergangenheit und Beziehung zueinander. Meindl spricht auch unverblümt einige gesellschaftliche Probleme und Vorurteile an. Die drei Episoden sind auch ohne die traurigen Höhepunkte sehr gelungene und realitätsnahe Dramen. Es ist schon gut, dass er nicht jede für sich auf Spielfilmlänge zieht. Weniger ist in dem Fall mehr und so bauen die kompakten Geschichten ihre eigene interessante Dynamik auf. Leider verzichtet Meindl dabei nicht auf gängige Klischees

Die Darsteller können allesamt überzeugen und verleihen ihren Charakteren die nötige Tiefe. Auch die Nebenrollen werden kurz in den Fokus gerückt. So gelingt es Meindl, dass wir Zuschauer eine kleine Beziehung zu den Protagonisten aufbauen, und um so mehr schockiert uns ihr Schicksal.

Im Original heißt der Film übrigens „Where we go from here“ was den kritischen Ton Meindls in Richtung Politik verstärkt. So platziert er auch am Ende einen Aufruf gegen die Waffenlobbys.

Fazit:

Meindl erzählt ganz alltägliche Geschichten, die in schrecklichen Vorfällen enden. Er vermeidet es, auf die Täter einzugehen. Viel mehr zeigt er uns Ausschnitte aus dem Leben einiger Opfer, deren Entscheidungen sie schließlich unglücklich ins Zentrum des jeweiligen Geschehens bringt.

Bewertung: 3.5 von 5.

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