Atmen (Filmkritik)

Der 19jährige Roman sitzt wegen Totschlags in einer Wiener Jugendstrafanstalt. Da sich seine Haft dem Ende neigt, darf er als Freigänger draußen einem Job nachgehen. Doch mit dem Job will es für den verschlossenen Teenager genauso wenig klappen, wie mit seinem Leben. In Heimen aufgewachsen, ohne Bezugsperson und schließlich im Gefängnis gelandet. Der Bewährungshelfer tut sein Bestes, doch die letzte Anhörung war leider nicht von Erfolg gekrönt.

Aus der Not heraus findet er einen Job beim Wiener Bestatter. Doch auch dort hat es der verschlossene Junge nicht einfach. Die Kollegen behandeln ihn herablassend und abweisend. Und während er in seinem neuen Job ständig von Toten umgeben ist, reflektiert er sein Leben und seine Tat, die ihn in diese Lage gebracht hat…

Kritik:

Karl Markovics porträtiert in seiner ruhigen Charakterstudie einen jungen Mann, der nicht viel Glück in seinem kurzen Leben hatte. In sich verschlossen zeigt der von Thomas Schubert gespielte Roman selten Gefühle. Doch erahnen wir stets was in ihm vor geht. Ein kurzer Moment der Freude scheint ihm dann doch gegönnt und dient als einziger Lichtblick in der Tristesse.

So zeigt uns Markovics Einblicke in den Gefängnisalltag, wo der junge Eigenbrötler seine Mithäftlinge eher meidet und lieber für sich bleibt. Mit den Wärtern ist er natürlich auf Distanz und lässt die täglichen Leibesvisitationen beim Zurückkehren von der Arbeit stoisch über sich ergehen. Schüchtern ist Schubert dabei nicht.

Während seiner Freigänge sehen wir Bilder aus dem schönen Wien, doch zeigt uns Markovics nur die eher faden und tristen Orte, was halt gut zur Grundstimmung und Romans Gefühlswelt passt. Ein Treffen mit seiner leiblichen Mutter erklärt ein Wenig und lässt uns diese Frau, die es scheinbar auch nie leicht in ihrem Leben hatte, noch mehr hassen als zuvor. Eine Vaterfigur hatte der Junge nie in seinem Leben.

Und so hat ihn sein Leben bisher so geprägt, dass er stets Distanz wahrt. Nach dem Treffen mit seiner Mutter bekräftigt ihn diese Einstellung wieder. Dass dem Jungen psychisch schon sein ganzes Leben die Luft zum Filmtitel gebenden Atmen fehlt, bekräftigt Markovics durch Symbolik in mehreren Szenen. Sei es beim Tauchen im Gefängnispool, oder bei einem Mann der auf der Straße beatmet wird.

So begleiten wir den jungen Mann an einem festgefahrenen, hoffnungslosen Punkt in seinem Leben, wo er nach und nach über seine Vergangenheit sinniert, aber sich nicht wirklich von der Stelle bewegt. Seine elternlose Kindheit hat ihn geprägt. Ein Fehler aus dem Affekt heraus hat sein Leben gefährlich abdriften lassen, und obwohl er noch kaum Luft hat, dümpelt er auf seinen Weg weiter dahin. Wohin die Richtung gehen wird, dürfen wir uns in unseren Gedanken weiterspinnen.

Fazit:

Atmen ist eine interessante Charakterstudie mit einem überzeugendem Hauptdarsteller. Auch wenn die Geschichte nur auf der Stelle tritt, erfahren wir viel über unseren Protagonisten.

Bewertung: 3.5 von 5.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s