Ein Bruder (Filmkritik)

Der 15jährige Tom verbringt einen weiteren langweiligen Sommer mit seinen Eltern und der kleinen Schwester im Ferienhaus. Unerwartet verbringen Freunde der Eltern auch ihren Urlaub in dem Haus. Deren 17jähriger Sohn Felix ist davon allerdings wenig begeistert. Und da es dort für ihn eh nix Interessantes gibt, begleitet er Tom und die kleine Schwester halt zum nahe liegenden See.

Und ehe sichs Tom versieht, hat der Ältere schon schlechten Einfluss auf ihn und überredet ihn zum nachmittäglichen Besäufnis. Kurze Zeit später landen die beiden Betrunkenen schon gemeinsam unter der Dusche, denn der Rausch soll ja verfliegen bis die Eltern wieder kommen. Als sich die Burschen dabei näher kommen, weiß Tom nicht so recht wie er mit den neu aufkeimenden Gefühlen umgehen soll…

Kritik:

Regisseur Victor Habchy stellte sein und Co-Regisseur Martin Escoffiers Werk für alle zugänglich auf Youtube. Obwohl er den Film ohne großartige finanzielle Mittel gedreht hat, braucht er sich hinter anderen Independentfilmen nicht zu verstecken. Denn auch mit wenig Budget kann man Qualität erreichen und so hebt sich das Werk auch etwas vom Mainstreamallerlei ab.

Habchy konzentriert sich auf die Jugendlichen im Film, dabei sind die Eltern zwar da, werden aber aktiv nicht im Bild gezeigt, und huschen sie doch durchs Bild, sehen wir ihre Gesichter nicht. Sie sprechen und interagieren mit den Kids, doch werden sie nur als Nebensächlich behandelt.

Der Fokus liegt auf den Jugendlichen, die auf dem Sprung zum Erwachsenwerden sind. Wobei Felix als reiferer den jüngeren Tom in die Welt der Partys, des Alkohols und der leichten Drogen einführt. Der Junge ist von all dem fasziniert. Beide scheinen sich nicht wirklich darüber klar zu sein, ob sie nun auf Mädchen oder auf Jungs stehen und experimentieren ein wenig miteinander. So verbringen sie einen unbeschwerten Sommer, hegen Gefühle füreinander und doch wird es nur ein Sommer bleiben.

Habchy bleibt bei den Zärtlichkeiten jugendfrei, auch wenn es durchaus manchmal heiß her geht. Er verzichtet auch darauf ein Coming out zu thematisieren. Da die Eltern eh nur am Rande da sind, kriegen sie auch nix mit und den beiden Burschen geht es mit ihren Gefühlen gut. Ein wenig zeigt Habchy die Zerrissenheit von Felix, der auch zu Frauen tendiert. Die jungen Darsteller machen ihre Sache recht gut. Sie überzeugen in ihren Rollen und ihre Charaktere sind gut ausgearbeitet.

Die Sets sind stimmungsvoll in Szene gesetzt. Das alte Dorf an Frankreichs Küste verströmt schon irgendwie Urlaubsfeeling. Habchy setzt ab und an auch Musik passend ein. Und obwohl die Protagonisten im Film eigentlich nicht viel machen, kommt keine Langweile auf.

Fazit:

Gelungener Indyfilm über die erste Liebe mit durchwegs bemühten Jungdarstellern. Das geringe Budget merkt man dem Film nicht an.

Bewertung: 4 von 5.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s