Der verlorene Sohn (Filmkritik)

Jared wächst als Sohn eines Pasters auf. Er geht aufs College und arbeitet mit Papa in einem Autohaus. Eine Freundin hat er auch, obwohl er für Frauen nichts empfindet. Als er nach einer beinah-Vergewaltigung durch einen Mitschüler geoutet wird, bricht für seine konservativen Eltern eine Welt zusammen. Da sein Vater nicht mit einem homosexuellen Sohn unter einem Dach leben kann, stecken sie den Jungen in eine Umerziehungstherapie, die von der Kirche gefördert wird…

Kritik:

Regisseur Joel Edgerton greift ein tragisches Thema auf und prangert die erzkonservative religionsfanatische Gesellschaft an, die wehrlose Jugendliche eine solches Martyrium durchmachen lässt. Und wenn man Charakteren im Film zuhört und mit ansieht, wie sie mit Jared umgehen, quasi sein Gehirn waschen wollen, sitzt man fast zwei Stunden mit einer Aggression im Bauch vorm Fernseher. Dass religiöse Fanatiker einen gröberen Schaden haben ist ja sowieso klar. Edgerton verdeutlicht dies noch um Einiges in seinem Film.

Doch er schafft noch weit mehr als Idioten an den Pranger zu stellen. Wir beobachten wie der junge Jared mit sich selbst rauft, Zweifel hegt, innerlich zerrissen ist. Denn die ganze Gesellschaft um ihn herum versucht ihm einzureden, dass er krank ist und geheilt werden kann. Religionsfanatiker machen ihn runter, erniedrigen ihn. Als würden seine Eltern nicht schon genug angerichtet haben, als sie ihn von Geburt an mit der Bibel aufzogen.

Und als der Junge schließlich seinen Eltern anvertraut, seinen Eltern deren wichtigste Aufgabe es sein sollte auf das Wohl ihres Kindes zu schauen, verstoßen sie ihn, denn ihr Ansehen ist in Gefahr. Die beiden werden recht gut von Russel Crowe und Nicole Kidman gespielt. Man sieht ihnen ihre Routine an und sie waren eine gute Wahl. Crowe verkörpert den herrischen, erzkonservativen Fanatiker und Kedman die ihm untergeordnete Ehefrau, die über den Film hinweg dann doch eine kleine Entwicklung durch macht.

Lucas Hedges überzeugt als Jared, dessen Geschichte Regisseur Edgerton teilweise in Rückblenden erzählt. Dabei gönnt er uns einige starke Bilder die mit passendem Ton unterlegt sind. Jareds Charakter ist gut gezeichnet und lässt sich nicht brechen, er wirkt erwachsen und hat das Herz am rechten Fleck.

Fazit:

Boy Erased ist ein schockierender Film über das Schicksal vieler junger LGBTQ Personen, und zeigt deutlich wie sich das Monster Mensch durch religiösen Fanatismus rechtfertigt.

Bewertung: 4 von 5.

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