Nevrland (Filmkritik)

Der 17jährige Jakob lebt mit seinem Vater und Großvater in einer kleinen Wohnung. Um sein Studium zu finanzieren, beginnt er einen Aushilfsjob im Schlachthaus, in dem auch sein Vater arbeitet. Eine psychische Angststörung beeinträchtigt seinen Alltag zusehends. Nach einem Zusammenbruch in der Arbeit, empfiehlt ihm ein Arzt, einen Psychiater aufzusuchen.

In einem Webcam Sex Chat lernt er den 26jährigen Kunststudenten Krisjan kennen, der ihn nach ein paar Tagen zu einer Technoparty einlädt, um Jakob persönlich zu treffen. Als er ihn in seine Wohnung folgt, beginnt für Jakob ein Psychotrip ins Nevrland…

Kritik:

Regisseur Gregor Schmidinger schickt in seinem ersten Langfilm einen Jungen auf einen psychedelischen Trip und thematisiert die Angst vor der Angst. Und obwohl unser Protagonist schwul ist, einen Mann über eine Cam Sex Seite dated, wird das nicht zum Thema gemacht. Es ist halt so, und das ist auch gut so, denn wir haben schließlich 2020. Und da die Beziehung der beiden nicht im Mittelpunkt des Films steht, scheint es auch egal zu sein, wo sie sich hinentwickeln wird.

Unser Protagonist, Jakob, sehr gut gespielt von Simon Frühwirth, muss in Nevrland nicht seine Sexualität entdecken und rechtfertigen, sondern mit ganz anderen Problemen klar kommen. Er leidet an einer psychischen Angststörung. Er wohnt mit Papa und Opa in einer kleinen, finsteren Wohnung. Der Vater, Josef Hader, ist ein eher gefühlskalter Mensch, er hat keine wirkliche Bindung zu seinem Sohn. Zu viel hat ihm das Leben anscheinend mitgespielt. Er bringt seinen Sohn in die Firma, ohne zu bedenken, dass die Arbeit in einem Schlachthof für eine psychische Angststörung vielleicht nicht die richtige Wahl sein könnte. Und als Jakob ausfällt, macht sich Papa mehr Sorgen darum jemanden als Ersatz zu finden, als um das Wohlergehen seines Sohnes.

Schmidinger versetzt uns in eine teils surreale, dunkle Welt, die Jakob während seiner Angstschübe erlebt. Generell ist der Film dunkel gehalten, sei es nun die triste Wohnung, oder Aufnahmen von Wien. Wir begleiten den feschen und oft wenig bekleideten Jakob mit lautstarker Technomusik und blitzenden Lichteffekten durch seine eigenen Gedanken in zuvor erlebte Situationen. Fiktion vermag mit Realität zu verschwimmen.

Und so vergehen eineinhalb Stunden ohne viel Geschichte zu erzählen. Mit Dialogen spart Schmidinger, auch überlässt er Jakobs weiteren Weg unserer Fantasie. Der Junge begegnet seiner Angst, erkennt sie, aber wie er mit ihr weiterlebt bleibt im Dunkeln. Als Anstoß zur Selbsterkenntnis bringt Schmidinger den Kunststudenten Kritjan ins Spiel, der Jakob kennen lernen will. Und so stellt Kristjan auch einen kleinen Lichtblick in Jakobs gefühlskalter Welt dar. Der Junge sehnt sich nach Geborgenheit, die er zuhause nie bekommen hatte.

Fazit:

Nevrland ist ein gelungener Trip in die Psyche der Angst. Der sympathische Hauptdarsteller überzeugt in der Herangehensweise an die Thematik.

Bewertung: 4 von 5.

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