Jonas – Vergiss mich nicht (Filmkritik)

Jonas ist schon Stammgast bei der örtlichen Polizei. Ständig fängt er Streit und Schlägereien in Diskos an. Tagsüber jobbt er im Krankenhaus und datet seine Grindr Liste auf und ab. Was natürlich seinem Freund gar nicht passt, der ihn daraufhin aus der Wohnung schmeißt.

Als er ziellos mit seinem Motorrad umherfährt, erinnert er sich an die Schulzeit und dem feschen Jungen, der im letzten Jahr neben ihm saß, der der erste war, der Jonas küsste und den er in einer verhängnisvollen Nacht für immer verloren hatte. Geplagt von Schuldgefühlen muss er sich seiner traumatischen Vergangenheit stellen…

Kritik:

Christophe Charrier verknüpft in seinem ersten Langfilm gekonnt zwei Zeitebenen. Zum einen erzählt er die Geschichte eines Jungendlichen, der in den 90er Jahren heranwächst, seine Sexualität erkundet, die erste Liebe findet, und auch Traumatisches erlebt. Zum anderen erzählt Charrier von dem nun erwachsenen Jungen, der mit seinen inneren Dämonen zu kämpfen hat.

So zeigt er uns Jugendliche, die den Schwierigkeiten der Gesellschaft trotzen, sich verlieben und ihre Beziehung mehr oder weniger offen ausleben. Doch dabei begegnen sie Homophobie, Verachtung ihrer Mitschüler. Charrier thematisiert auch Missbrauch durch die katholische Kirche. Nebenbei hören wir im Radio die Nachrichten von Lady Di’s Tod.

In der heutigen zeit begleiten wir den erwachsenen Jonas, der von einem Grindr Date zum nächsten geht, wobei sich Charrier gleich einen kritischen Blick auf die Appdatinggesellschaft wirft. Eindringlicher ist jedoch das unverarbeitete Trauma, das Félix Maritaud sehr gut darstellt. Gut gefilmt und mit passender Musik unterlegt sind die nachdenklichen Szenen, wo sich Jonas in seiner Vergangenheit verliert.

Die Übergänge zum jugendlichen Erzählstrang verlaufen dabei fließend und passen zur fortschreitenden Geschichte. Nach und nach lässt uns Charrier die Zusammenhänge der Charaktere erkennen und offenbart uns den Grund des Traumas. Auch die übrigen Charaktere sind gut ausgearbeitet, werden vorgestellt und entwickeln sich im Verlauf des Films. Auch ihnen wird Zeit für Gefühle gegeben.

Fazit:

Jonas ist ein gelungenes, gesellschaftskritisches Drama, das gekonnt auf zwei Zeitebenen agiert, die zu einem großen Ganzen verschmelzen.

Bewertung: 4.5 von 5.

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