Handsome Devil (Filmkritik)

Das neue Schuljahr beginnt und der 16jährige Ned wird von seinen Eltern ein weiteres Jahr auf ein Jungeninternat geschickt. Doch da passt der melancholische Nerd gar nicht rein, denn alle anderen Jungen konzentrieren sich rein auf Sport und haben ihn somit ständig am Kicker. Dass er schwul ist, macht die Sache nicht einfacher.

Zu allem Überdruss wird ihm auch noch der neue Mitschüler Conor aufs Zimmer gelegt. Der sportliche Junge wird natürlich sofort ins Rugbyteam aufgenommen und harmoniert so gar nicht mit Ned, welcher sich nun auch in seinem eigenen Zimmer abschottet. Nach einer Weile kommen die Beiden ins Gespräch und merken, dass sie das selbe Interesse in Musik teilen. Als sie der Englischlehrer zu einem Talentwettbewerb anmeldet kommen Gerüchte auf, dass die beiden Jungs mehr als nur die Musik miteinander teilen…

Kritik:

Handsome Devil wirkt auf den ersten Blick ziemlich klischeebeladen. Schwuler Junge auf einem Internat voller konservativer Heteros. Neuer Mitschüler, die beiden kommen sich näher. Die Schule ist auf Sport fokussiert. Zwischen testosterongesteuerten Machos ist kein Platz für Schwule. Und der Sportlehrer unterstreicht diesen Zustand noch mehr.

Regisseur John Butler macht aber mehr aus dem Film als es anfangs den Anschein macht. Teenager Ned erzählt die Geschichte aus seiner Sicht. Wir erleben den aufgestachelten Hass und Vorurteile der Mitschüler. Ned wirkt auf dieser Schule wie ein bunter Hund. Die Haare rot gefärbt, das Zimmer voll mit Postern, die Interessen wesentlich anders als vom Rest der Schüler.

Und dann ist da noch der neue Mitschüler, dessen Hintergrundgeschichte wir erfahren und der auch in den Fokus der Geschichte gerückt wird. Butler geht auf die Gefühle des Sportlers ein, der sich nicht outen will, da es die Gesellschaft nicht zulassen würde. Conor muss sich schließlich entscheiden wohin sein Weg ihn führen soll.

Herausragend ist die Rolle des neuen Englischlehrers. Er versucht den Schülern die richtigen Werte zu vermitteln, die allerdings komplett von den Werten des konservativen Sportlehrers abweichen. Seine Unterrichtseinheiten erinnern an den Club der toten Dichter. Hier zeigt Butler den deutlichen Unterschied und welchen Einflüssen junge Menschen ausgesetzt werden. Der Lyriker motiviert sie, sie selbst zu sein und zu denken. Hingegen der Sportler will sie in ein Klischee rein zwängen.

Fazit:

Handsome Devil ist ein gelungener Film über Vorurteile, Gruppendynamik und Freundschaft. Dabei legt er viel Wert auf seine Charaktere und vermittelt Toleranz und Aufgeschlossenheit, untermalt mit guter Musik und einem starken Finale. Fehlt eigentlich nur noch, dass einer „Oh Captain, mein Captain“ ruft 😉

4,5/5

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