1922 (Filmkritik)

Nebraska im Jahr 1922. Farmer Wilfred James lebt mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn auf einer Farm. Sie hatte 40 Hektar geerbt, die ihr Mann nun mit seinen 30 Hektar bewirtschaftet. Es ist die Zeit der Prohibition, doch das kümmert die Farmer wenig. Wilfred ist stolz auf sein Land und seinen Sohn Henry. Doch seine Frau Arlette möchte in die Stadt ziehen. Sie ist des Landlebens überdrüssig, will ihren Anteil verkaufen und sich von ihrem Mann scheiden lassen.

Nach und nach werden ihre Pläne konkreter und im gleichen Ausmaß steigt Wilfreds Hass auf seine Frau. Er überzeugt seinen Sohn, der gerade mit der Nachbarstochter zusammengekommen ist, dass es das Beste wäre, wenn sie die Mutter umbringen. Doch damit fangen die Probleme erst richtig an…

Kritik:

Zak Hilditch präsentiert uns mit 1922 eine von Stephen Kings Kurzgeschichten, die er für Netflix produzierte. Den großen Horror dürfen wir uns allerdings hier nicht erwarten, auch wenn die Geschichte im weiteren Sinn Edgar Allen Poes Geschichte um das Verräterische Herz erinnert. Dennoch gibts die ein oder andere Gruseleinlage, die recht gut in die Handlung rein passt und den Geisteszustand unseres Protagonisten veranschaulicht. Schockmomente bleiben uns allerdings erspart.

Bauer Wilfred erzählt uns sein Geständnis. Er ist ein zwiegespaltener Mann, der seine dunkle Seite Überhand nehmen ließ, als die Existenzängste immer stärker wurden. Er verführt seinen Sohn zu einer Bluttat. Der Junge, der nur seine Freundin im Kopf hat und von Verlustängsten getrieben wird, lässt sich leicht dazu hinreißen. In einem Konstrukt aus Lügen gelingt es ihnen die Tat zu vertuschen. Die Ideen und Erklärungen sind logisch und das erste Drittel ist gut in Szene gesetzt.

Dabei kann Thomas Jane als Farmer überzeugen. Er spielt gekonnt einen Mann, der dem Wahnsinn verfällt weil erfürchtet sein Land und seinen Sohn zu verlieren. Er trägt die Ängste gut zur Schau. Eine Zeit lang spielt er alleine und treibt den Film und dessen Handlung voran. Auch Dylan Schmid bemüht sich als sein Sohn, bleibt aber hinter dem erfahrenen Jane eher blass.

Im Mittelteil verliert der Film an Fahrt. Er scheint auf der Stelle zu treten, wir spüren förmlich die Tristesse einer Farm mitten in der Pampa und verstehen warum die Frau das alles aufgeben wollte. Gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse und haben unseren Protagonisten schon in ihrem Sog des Verderbens gefangen. Aber keine Sorge, es wird nicht surreal. King bleibt diesmal fast am Boden der Normalität. Er schließt den Kreis seiner Geschichte mit einer zu späten Einsicht und lässt Farmer James die Konsequenzen spüren.

Fazit:

1922 streckt eine Kurzgeschichte in einen abendfüllenden Film und leidet im Mittelteil an einigen Längen. Dennoch ist die Handlung interessant und die Charaktere können überzeugen.

3,5/5

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