Dracula (Serienkritik)

Wir schreiben das Jahr 1897. In einem ungarischen Kloster erholt sich Jonathan Harker von seinem Martyrium. Im ist die Flucht vom Schloss des Grafen Dracula gelungen, und so interessiert sich auch eine Nonne, die sich mit Okkultem befasst, für seine Geschichte.

Harker reiste als Angestellter einer englische Anwaltskanzlei nach Transsylvanien, um Kaufverträge von Graf Dracula unterschreiben zu lassen. Der alte Graf heißt ihn als Gast willkommen, lässt ihn aber nicht mehr gehen. Nach und nach erkundet Jonathan das verwinkelte Gemäuer und stößt auf Verstörendes. Nur der Gedanke an seine Verlobte Mina lässt ihn die Hoffnung nicht aufgeben und so gelingt ihm schließlich die Flucht.

Und während er der Nonne alles bis ins kleinste Detail berichtet, klopft der Graf höchstpersönlich ans Tor des Klosters und erbittet Einlass. Doch hat er die Rechnung ohne die resolute Schwester Agatha gemacht, die sich ihm forsch und wissbegierig in den Weg stellt…

Kritik:

Gleich zu Jahresbeginn beschert uns Netflix eine dreiteilige Miniserie über Bram Stokers weltberühmte Romanfigur Graf Dracula. Nachdem das wirklich sehr zu empfehlende Buch eh schon hunderte Male verfilmt wurde, versuchten die Macher der Sherlock Serie hier neue Wege zu beschreiten, die uns interessante Wendungen und eine herbe Enttäuschung bringen. Dabei versuchen sie auch Mythen rund um den blutrünstigen Grafen zu erklären. Warum er zum Beispiel Angst vor dem Kreuz hat, nicht gern in die Sonne geht und warum er Spiegel gar nicht leiden kann. Aber lasst uns das Ganze mal der Reihe nach betrachten. Ich versuche es soweit es geht auch spoilerfrei zu halten.

Der Auftakt ist stark und man freut sich schon fast ein literaturgetreues Werk vor sich zu haben. Im Roman erzählt Stoker seine Geschichte in Form von Tagebucheintragungen und Briefen. Und so beginnt auch die Serie mit einem Monolog eines Briefes. Doch  nach wenigen Augenblicken schlägt die Erzählform schon ins Klassische um. Dabei halten sich die beiden Produzenten Mark Gatiss und Steven Moffat auch noch an die Vorlage. Man ist als Zuschauer fast geneigt zu glauben Francis Ford Coppolas Dracula Film in Serienform vor sich zu haben. Die Sets sind dabei äußerst stimmungsvoll und einige Szenen wirken 1:1 nachgedreht.

Dann allerdings gehen die beiden von Netflix beauftragten Produzenten einige Schritte weiter und bringen nun endlich ihren eigenen Stil ein. So steigert sich hier auch gleich die Spannung und Jonathan macht gar grausige Entdeckungen, die sehr förderlich für die Atmosphäre sind und es wird auch nicht mit Blut gespart. Wir erfahren, dass Dracula nicht nur zum Leben Blut trinkt, sondern ein richtiger Gourmet über den Lauf der Jahrhunderte geworden ist.  Claes Bang erinnert mit seiner Darstellung ein wenig an Christopher Lee, er spielt nicht einen tragischen Romantiker, sein Dracula ist verschlagen und berechnend. Und doch hat er seine Schwächen, wobei Bang auch überzeugen kann.

Keine Sorge, auch die anderen Figuren des Romans sind in der Serie irgendwo, irgendwie eingebaut. Sie spielen ihre ihnen zugedachte Rollen den Umständen entsprechend angepasst. Einen großen Schnitt machen die Produzenten bei Draculas Gegenspieler. Van Helsing ist hier kein vor der Pension stehender Gelehrter. Hier steht Dracula einer Frau gegenüber, die ihn mit ihrer Kühnheit und ihrem Intellekt in den Bann zieht. Nachdem sie eine zwar unkonventionelle aber doch Nonne ist, bleibt der erotische Aspekt hier außen vor und Dracula darf sich vorlagengetreu mit Lucy austoben. Wobei er auch schönen Jünglingen nicht abgeneigt zu sein scheint.

Agatha, sehr gut gespielt von Dolly Wells, bietet dem Monster Paroli. Sie studiert und fasziniert ihn. Sind die beiden Frauen der Vorlage eher schwache Randpersonen, steht hier Van Helsing felsenfest vor der Bestie und zuckt nicht mal mit einer Wimper. Dracula lässt sich auf ihr Spiel ein und übernimmt ungemerkt die Kontrolle über dessen Ausgang, was in Form einer Partie Schach untermalt wird.

In der zweiten Folge befinden wir uns auf der Demeter, welche Dracula nach England bringen soll. Sitzt er in der Vorlage tagsüber noch gelangweilt in einer Kiste, mischt er sich in dieser Adaption unter die illustren und von Grund auf verschiedenen Gäste des Schiffes. Dabei wird auch interessant erklärt, warum gerade diese Personen sich am Schiff befinden und die zweite Folge erinnert entfernt an „Mord im Orient Express“, denn nach und nach fallen Dracula Menschen zu Opfer und die verbleibenden rätseln, wer nun der Mörder sein kann. Wieder kommt schön Spannung und Atmosphäre auf, mit Blut wird auch nicht gespart.

Doch dann schlägt uns Folge drei die Faust ins Gesicht. Dracula kommt in England an und trifft auf die anderen im Buch erwähnten Charaktere. Ich möcht hier nicht zu viel verraten, die Serie scheint sich nicht mehr ernst zu nehmen. Ja gut ein wenig Humor hat noch niemanden geschadet. Allerdings ist auch die Spannung dahin und Blut gibts auch keins mehr. Als Zuschauer denkt man sich die nächsten eineinhalb Stunden, ob man sich eppa im falschen Film befindet, so kontrovers unterscheidet sich die finale Folge vom zuvor gezeigtem. Aber gut, schauts euch selbst an, ich will nicht zu viel verraten.

Fazit:

Dracula beginnt stark und erfreut mit Atmosphäre, Spannung und überaus gut ausgearbeiteten Charakteren. Dass sich die Miniserie von der Vorlage abhebt ist durchaus ok, denn es finden sich auch alle wichtigen Personen wieder. Doch mit der abschließenden Folge haben sies verschissen.

2,5/5

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