Marilyn (Filmkritik)

Marcos wächst als Farmerssohn in einer konservativen Familie irgendwo im argentinischen Hinterland auf. Das Leben ist hart auf der gepachteten Landwirtschaft. Marcos hilft beim Versorgen der Tiere, schreibt gute Noten in der Schule und unterstützt auch seine verwitwete Mutter bei der Hausarbeit. Doch viel lieber würde er mit Jungs flirten, so näht er sich ein Kleid und tritt beim Karneval als Marilyn auf und kann endlich er selbst sein.

Doch sein Umfeld akzeptiert das nicht und so erfährt er bald Ablehnung und Gewalt von seiner Familie und Mitschülern. Als er im feschen Frederico seine erste Liebe findet, scheit er aus dieser Tristesse ausbrechen zu können….

Kritik:

Regieneuling Martin Rodriguez Redondo erzählt uns mit Marilyn die Geschichte eines 17jährigen, der sich an seinem Platz in der konservativen Mann/Frau Gesellschaft nicht wohl fühlt. Seine ärmliche Familie betreibt eine kleine Landwirtschaft. Und als er aus dieser Rolle auszubrechen versucht, erfährt er nur Ablehnung und rohe Gewalt.

Seine Familie behandelt ihn seit dem Vorfall kühler und im Dorf redet man schlecht über sie. Marcos, gut gespielt vom feschen Newcomer Walter Rodriguez, verschließt sich zusehends, spricht fast gar nicht mehr und erträgt seine Situation kaum noch. Walter gelingt es dies gut mit seiner Mimik darzustellen. Sichtlich besser geht es ihm in der Gegenwart seines neuen Freundes, er hofft Normalität in seinem Leben zu finden, doch spielt da seine homophobe Familie nicht mit.

Marilyn ist ein eher ruhiger, bedrückender Film. Es gelingt ihm uns mit dem Hauptprotagonisten mitfiebern zu lassen. Der überaus sympathisch wirkende Walter trägt seinen Teil dazu bei. Marcos traumatisches Erlebnis verarbeitet weder er, noch macht er es weiterhin zum Thema, damit wir es verarbeiten können. Und immer wieder wird der Junge von der Gesellschaft runter gedrückt.

Martin Rodriguez prangert die konservative, homophobe Gesellschaft am argentinischen Land an, doch könnte der Film genau so gut irgendwo anders auf der Welt spielen. Es ist noch ein langer, steiniger Weg um akzeptiert und respektiert zu werden. Jugendliche wie Marcos leiden besonders darunter. Rodriguez zeigt deutlich, wie das der Psyche des Jungen schadet und wohin es schließlich führen kann. Glück ist ihm, wenn überhaupt, nur kurz vergönnt.

Die anderen Charaktere sind ihren Rollen gerecht ausgearbeitet. So zeigt Rodriguez wie die Familie mit dem schweren Leben zu kämpfen hat, lässt sie kein Verständnis für ihren jüngsten Sohn aufbringen. Und außerdem wird ihr gesellschaftliches Ansehen im Ort durch das Outing Marcos extrem belastet, was sie wiederum auf den Kleinen reflektieren.

Die Sets sind gut gewählt und Rodriguez versteht es mit den Farben dem Gezeigten Nachdruck zu verleihen. So erscheinen die Szenen auf der Farm und mit der Familie eher blass und trostlos. Als Marcos ausgeht oder Zeit mit seinem Freund verbringt, erstrahlen die Farben allerdings warm und kräftig.

Fazit:

Marilyn zeigt uns abermals, dass es noch ein langer Weg ist, bis alle Menschen sein können, wer sie sein wollen. Wir begleiten den überaus sympathischen und feschen Marcos durch eine von Ablehnung geprägte konservative Gesellschaft und wünschen ihm ein wenig Glück zu finden.

4/5

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