Rocketman (Filmkritik)

Wir schreiben das Jahr 1990. Eine Tür geht auf, im Hintergrund sehen wir eine volle Konzerthalle. Elton John geht aber nicht in Richtung Konzert. Er kommt auf uns zu, aufgetakelt in seinem schrillen Konzertoutfit. Je näher er kommt, desto leiser wird die Musik, Er schlägt eine Tür auf, und betritt einen Therapieraum einer Entzugklinik. Nun beginnt er von seinem Leben zu erzählen.

Wie er sich als kleiner Junge (Reginald Kennet Dwight) nach der Liebe seines Vaters gesehnt hat, seine Mutter nie Zeit für ihn hatte und er Dank Oma Klavierunterricht bekommen hat. Er wird älter und gründet mit einer Hand voll Studenten eine Band. Sie begleiten Soul-Künstler. Diese inspirieren ihn zu seiner Namensänderung und so spricht in einem Tonstudio vor. Da er Singen und Klavierspielen kann, aber selbst keine Texte schreibt, gibt ihm der Manager den Kontakt eines Liederschreibers. In Bernie Taupin findet Elton einen Freund fürs Leben.

Bernie schreibt, Elton singt und die beiden feiern erste Erfolge. Und je erfolgreicher Elton wird, desto mehr verfällt er dem Alkohol und den Drogen. Schließlich findet er sich selbst in der Entzugsklinik wieder…

Wie kann ein fetter Junge aus dem Nichts ein Star werden?
Du musst den töten, als der du geboren wurdest, und der werden, der du sein möchtest.

Und genau das zeigt der Film. Elton John persönlich hat darauf bestanden, dass sämtliche Drogen- und Sexexzesse im fertigen Film bleiben, denn das ist sein Leben, er wollte nichts verschönern. Und so frönt er jeder Art von Drogen die es zur damaligen Zeit gab, vögelt seinen Manager und säuft sich den Verstand weg.

Und so setzt der Film genau in dem Moment ein, wo Elton John am Boden war und selbst gemerkt hat, dass es so nicht weiter gehen kann. Im schrillen Outfit kommt er zur Therapie. Zunächst ist er noch verschlossen und reserviert. Doch je mehr er von sich preis gibt, desto mehr lässt er von seinem Outfit, seiner Fassade, fallen, und wird zusehends wieder er selbst.

Er erzählt von seiner schweren Kindheit und den wichtigsten Stationen in seinem Leben. Wie er sich zunächst aufgrund seiner Homosexualität verstecken musste, eine unglückliche Ehe mit einer Frau führte und es ihm dann schließlich egal war und er dazu stand, wer er ist bzw. sein will, was seinem Erfolg dann aber offensichtlich nicht geschadet hat.

Im Film sehen wir Elton bei einigen Auftritten. Doch ist der ganze Film wie ein Musical aufgebaut. Nachdem die Bühneneinsätze ja nur ein paar mal im Film vorkommen, wird die Handlung auch mit einigen seiner Songs erzählt, die dann auch von den anderen Protagonisten vorgetragen werden. Manche Szenen erinnern auch ein wenig an Bollywoodproduktionen, wo sämtliche Statisten mittanzen und im Chor singen, was durchaus Spaß macht und gut in die Szenerie passt.

Besonderes Augenmerk hat Regisseur Dexter Fletcher auf die Darstellung und das Aussehen seines Stars gelegt. Mit Taron Egerton wurde auch der passende Darsteller gefunden. War er bei den Kingsmen noch gut im Training und präsentierte uns seine strammen Muskeln, hat er sich für diese Rolle ganz schön gehen lassen. Überraschenderweise kann Taron auch recht gut singen und so kommt er als Elton John recht authentisch rüber. Es gelingt ihm auch gut, Gefühle mit Mimik und Gestik auszudrücken. Erfahrung mit seiner Rolle konnte er ja schon im Film „Sing“ sammeln, wo er Eltons Hit „I’m still standing“ zum Besten gibt, und beim zweiten Teil der Kingsmen spielt er gemeinsam mit Elton John einige Szenen.

Die übrigen Charaktere wurden allesamt gut ausgearbeitet und überzeugend dargestellt. Jamie Bell als bester Freund Bernie gibt den Ruhepol in Eltons Leben und im Film.

Ein großes Lob gebührt auch den Kostümbildnern, die die Vorlagen zwar nicht exakt kopierten, doch sehr nah ran kamen. Beim Abspann sehen wir dann den direkten Vergleich. Auch die Gestaltung der Sets ist sehr gelungen und sie tragen auch viel zur Atmosphäre des Films bei.

Fazit:

Rocketman erzählt das bewegende Leben Elton Johns von der Kindheit bis zum Entzug. Dabei wird zum Glück nichts verschönt und der Film überzeugt mit gut gewählten und perfekt performten Musikstücken und seinen Darstellern.

5/5

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