Aladdin (Filmkritik)

Nach dem Tod seiner Eltern wuchs Aladdin auf den Straßen Agrabahs auf und schlägt sich seit dem mit kleineren Diebstählen durchs Leben. Auch wenn sein Leben hart und seine Träume unerreichbar sind, hat er sich stets sein gutes Herz und sein Lächeln bewahrt. Eines Tages trifft er eine junge Frau auf dem Markt, die in Schwierigkeiten geraten ist, nachdem sie zwei hungernden Kindern Brot von einem Marktstand gegeben hat. Aladdin rettet sie aus dieser missligen Lage und erfährt, dass sie am Hof des Sultans als Kammerzofe der Prinzessin arbeitet.

Der altersschwache Sultan, der immer mehr von seinem Großvisier beeinflusst wird, möchte seine Tochter unter den Hut bringen, da er einen Thronfolger braucht. Natürlich möchte Jafar, der Großvisier, gerne diesen Posten übernehmen, doch der Sultan ermahnt ihn immer wieder, wo sein Platz ist. Die Prinzessin, seit dem Tod ihrer Mutter quasi im Palast gefangen, damit ihr ja nix passieren kann, hat bisher jeden Prinzen verschmäht. Hat sie sich doch bei ihren unerlaubten Ausflügen in die Stadt in einen Straßenjungen verschossen, der natürlich nicht weiß, wer sie ist und ihrer Kammerzofe den gestohlenen Armreif wieder bringen will.

Dem geschickten Aladdin gelingt es auch sich an den Wachen vorbei zu schleichen und in das Schlafgemach der Prinzessin einzudringen. Doch beim Weg nach draußen wird er geschnappt und von der Palastwache in die Wüste, zu einer Wunderhöhle gebracht, wo bereits Jafar auf ihn wartet und von ihm verlangt eine alte Öllampe aus der Höhle zu holen. Denn Jafar weiß um die Wunderlampe bescheid und möchte mit Hilfe des darin gefangenen Genie die Macht in Agrabah an sich reißen und die Nachbarländer kriegerisch unterwerfen.

Dumm nur, dass Aladdins Äffchen Apu sich nicht an die Abmachung halten kann, nichts anderes als die Lampe in der Höhle anzufassen, und so werden sie darin gefangen. Aladdin befreit einen in der Höhle gefangenen fliegenden Teppich und schließlich auch den Genie, der ihm dank seiner drei Wünsche helfen wird, als Prinz an den Hof des Sultans zu gelangen und um die Hand der Prinzessin anzuhalten. Doch so bringt er auch die Wunderlampe in die Nähe des machtgierigen Jafar…

Kritik:

Die Geschichte Aladins geht bis in den Anfang des 18. Jahrhunderts zurück. Ein französischer Schriftsteller verfasste die Erzählung und fügte sie der Sammlung aus 1001 Nacht hinzu. Im Original war Aladin Chinese und Sohn eines armen Schneiders. Ein Zauberer bittet ihn eine Lampe aus einer Höhle zu holen, doch er hilft dem armen Jungen nicht mehr aus der Höhle raus, und so wir dieser mit der Lampe darin eingesperrt. Mit Hilfe des Djinns kommt Aladin wieder nachhause und will die Lampe verkaufen um für seine Familie was zu Essen kaufen zu können. Seine Mutter will die Lampe noch putzen und der Djinn erscheint. Aladin wünscht sich vom Djinn was zu Essen für seine Familie und fortan müssen sie nicht mehr Hunger leiden. Außerdem gibt die Familie auch anderen armen Leuten in der Nachbarschaft was von ihrem Essen ab.

Hollywood holte Aladin dann in den Nahen Osten, wo er in mehreren Verfilmungen die Lampe in der Höhle finden durfte. Unter anderem gab es eine Abwandlung im Dieb von Bagdad. 1992 schuf Disney eine Zeichentrickadaption des Stoffes und kreierte das Land Agrabah, irgendwo in Arabien, das zweifellos Einflüsse islamischer und indischer Kultur hatte. Aladdin bekam ein zweites D im Namen, eine Prinzessin und aus dem Djinn wurde der witzige Genie, der herrlich von Robin Williams vertont wurde.

Und so stellte sich 2019 Guy Ritchie der Herausforderung aus dem Zeichentrickfilm eine Realverfilmung zu machen. Sein wichtigstes Anlieben war es, den Film authentisch der Vorlage zu machen und dem berüchtigtem „Whitewashing“ entgegenzuwirken. So war es für das Casting eine Herausforderung, geeignete Darsteller mit arabischen Wurzeln zu finden und auch Robin Williams war leider nicht mehr am Leben.

Und so fand man mit Mena Massoud einen passenden Darsteller für die Rolle des Aladdin. Der gebürtige Ägypter vermag es die „Straßenratte“ charismatisch und liebenswürdig zu verkörpern. Er verleiht seinem Charakter die nötige Tiefe und entwickelt sich im Verlauf des Films vom Straßendieb über den patscherten Prinzenverschnitt bis hin zum selbstsüchtigen, von der Lampe geblendeten jungen Mann, der dann doch sehr schnell erkennt, was seine wahren Werte sind.

Besonderes Augenmerk legte Ritchie auf Prinzessin Jasmin, Naomi Scott, die hier nicht als blasse Sultanstochter auf den richtigen Prinzen wartet, sondern als starke und selbstsichere junge Frau dargestellt wird, die sich nicht den Mund verbieten lässt und für ihre Werte und ihr Volk einsteht. Für die Realverfilmung wurde ihr eigens ein neuer Song geschrieben, der mitunter zu den besten Szenen im Film zählt.

Jafar wird vom Niederlänger mit tunesischen Wurzeln, Marwan Kenzari verkörpert. Er scheint für diese Rolle mit seinen 36 Jahren noch etwas zu jung zu sein. Auch gelingt es ihm nicht die fiese Verschlagenheit seines Zeichentrickvorbildes zum Besten zu geben. Er bleibt dramaturgisch eher blass, macht aber dafür optisch was her.

Einen passenden Genie zu finden war auch eine große Herausforderung, denn die Lücke, die Robin Williams hinterlassen hatte, war sehr groß. Will Smith gibt sein Bestes und das gelingt ihm auch recht gut. Mit seiner Ausstrahlung hat er hier auch die meisten Lacher auf seiner Seite und gibt dem Flaschengeist auch durchaus menschliche Züge.

Nicht vergessen sollten wir auch die digitalen Tiere, die wir schon im Zeichentrickfilm lieb gewonnen hatten. Affe, Tiger und Papagei sind sehr gut dargestellt und tragen auch hier zum guten Gelingen des Films bei. Natürlich ist auch der fliegende Teppich gut aus dem Original übernommen worden.

Guy Ritchie hat sich größtenteils and die Vorlage gehalten und bringt auch ein wenig seinen Stil mit ein. So wirkt die gestaltete Stadt durchaus authentisch, wobei der Palast optisch von der Vorlage abweicht, hier fehlt der indische Touch, denn im Zeichentrickfilm hat das Schloss an das Taj Mahal erinnert. Sehr gelungen ist auch die opulente Ausstattung der Sets und Kostüme der Komparsen und Protagonisten. Grundlegend verändert wurde Aladdins Straßenoutfit, er trägt jetzt mehr der Umgebung angepasste Sachen und erinnert nicht mehr an Tom Cruise in Pluderhosen. All das trägt positiv zur gelungenen Atmosphäre des Films bei und lässt uns in eine magische Welt aus 1001 Nacht eintauchen.

Tricktechnisch spielt der Film bei den ganz Großen mit. Die Effekte sind überaus gelungen und Genies Zaubertricks sind hervorragend in Szene gesetzt. Action und Spannung gibt es auch in stets richtigen Dosen und so büßt der Film nie etwas von seinem Tempo ein. Ein wesentlicher Bestandteil der Disneyfilme sind die Lieder, die bei uns leider wieder ins Deutsche übersetzt wurde, aber durchaus flott und passend inszeniert wurden. Und es gelingt dem Film auch stets die richtige Portion Humor einzusetzen.

Fazit:

Guy Ritchie gelingt es einen Klassiker aus unserer Kindheit als Realfilm wieder auf die Leinwand zu zaubern und uns in eine Welt voller Magie und liebenswerter Charaktere mitzunehmen. Werte wie Freundschaft und Loyalität werden auch hier groß geschrieben und gemeinsam gelingt es unseren Helden den etwas blass geratenen Bösewicht zu besiegen. Dafür macht der Film aber durchwegs Spaß, was an gut gewählter Situationskomik und den gut performten Songs liegt.

4,5/5

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