Tsotsi (Filmkritik)

Der 19jährige Tsotsi (Presley Chweneyagae) lebt in einer Vorstadt von Johannesburg. Seine Mutter war an Aids gestorben, vom alkoholsüchtigen Vater ist er davongelaufen. So schlägt er sich schon einige Jahre alleine durch. Sein Leben ist trist und hoffnungslos. Er hat keine Schulbildung und auch keine Aussichten aus den Slums raus zu kommen. Sein Alltag wird von Gewalt beherrscht.

Gemeinsam mit seinen Freunden, die ihn als deren Anführer erachten begeht er einen Raub nach dem Anderen. Die Jungs schrecken nicht mal davor zurück, einen Menschen seiner Brieftasche wegen zu erstechen. Auch untereinander regiert Gewalt. Als sein Freund Boston, der einzige mit Schulbildung in der Gruppe, Tsotsi auf Anstand anspricht, und gleichzeitig auf seine Vergangenheit, dreht dieser durch und prügelt ihn halb tot.

Eines Nachts wandert Tsotsi durch die noble Vorstadt, als eine Frau gerade ihr Auto in die Garage fahren will. Er schießt sie an und stielt den BMW. Doch plötzlich hört der Junge auf dem Rücksitz das leise Wimmern eines Babys. Geschockt fährt er gegen ein Verkehrsschild. Tsotsi klettert aus dem Wrack und will abhauen, doch dann überkommt ihn ein Hauch von Menschlichkeit und er nimmt das Kind in einer Papiertüte mit in seine Welt.

Er, der nicht mal selbst erwachsen ist, will sich nun um dieses hilflose Baby kümmern. Der Kleine erinnert Tsotsi an seine eigene Kindheit, und wie er zu dem geworden ist, was er jetzt ist. Als das Kind dann Hunger bekommt, zwingt Tsotsi unter Waffengewalt die junge Mutter Mirijam aus seiner Nachbarschaft, den Kleinen zu stillen. Währenddessen sucht die Polizei nach Tsotsi und dem Kind…

Kritik:

Tsotsi bedeutet in der Übersetzung: Gangster, Verbrecher, Bandenmitglied. Kann man für einen mordenden und raubenden Jungen, der den Abschaum der Gesellschaft darstellt, etwas empfinden? In diesem Fall: Ja. Das wollten die Produzenten der Romanvorlage auch erreichen.

Der Junge, der nichts als Gewalt seinen Alltag nennt entdeckt durch das Kleinkind, das er auch zurücklassen hätte können, ein Gefühl der Fürsorge. Von da an öffnet er sich. Seine Mitmenschen sind ihm nicht mehr egal. Diese anfangs undenkbare Entwicklung macht der Charakter des Tsotsi durch, und so baut man auch langsam ein Gefühl für ihn auf. Zu Beginn ist dieser Teenager jemand, den man lieber nicht im Dunkeln begegnen möchte, doch gegen Ende ist er nicht mehr einer unter vielen. Man erfährt von seiner schweren Kindheit, und sieht wie aussichtslos seine gegenwärtige Situation ist. Dann aber stößt er auf das Baby und die Gewalt lässt Raum für die Fürsorge. Und Schlussendlich bleibt die Frage, ob er seinem eigenen Schicksal entrinnen kann.

Das Stilmittel der Farbe setzte Regisseur Gavin Hood auch gekonnt in Szene, so ist Tsotis Kleidung und Umgebung in dunklen und düsteren Farben gehalten, was die Hoffnungslosigkeit ausdrückt. Mirijams Wohnung hingegen strotzt nur so von bunten Farben. Sie ist der Ruhepol im Film. Bei ihr verspürt Tsotsi zum ersten Mal seit vielen Jahren so etwas wie Geborgenheit.

Um die Authentität des Films zu betonen wurde im Dialekt der Johannesburger Vororte Tsotsi Taal gedreht. Eine Mischung aus diversen afrikanischen Sprachen, auch Bruchteile an Englisch kann man raushören. Da der Regisseur aber zum Glück nicht Mel Gibson heißt, wurde der Film für den internationalen Markt synchronisiert. Auch die Musik (eine Art Süd Afrikanischer Hip Hop) stammt von Künstlern aus der Gegend. Sie verleiht dem Film etwas Tempo, und reißt ihm aus der Tristesse.

So wurden auch die ganzen Darsteller direkt von der Straße weg gecastet. Was für einen Film immer ein gewisses Risiko darstellt. Hier ist es aber durchwegs gelungen, denn alle Darsteller wirken in ihren Rollen sehr natürlich und authentisch. Ein besonderer Glücksgriff war Presley Chweneyagae als Hauptdarsteller. Er lebt anscheinend diese Rolle. Gekonnt agiert er mit Mimik und Gestik. Man kann seine Gefühle direkt im Gesicht ablesen. Aus seinen Augen schimmert die Hoffnungslosigkeit seiner Situation heraus. Ursprünglich wollten die Produzenten einen wesentlich älteren Darsteller für die Hauptrolle casten. Was sie allerdings wieder verworfen hatten, denn das Publikum kann einem jüngeren leichter verzeihen, als einen, der schon 20 Jahre lang als Mörder und Räuber umherzieht.

Fazit:

Dieses Gesellschaftskritische Drama gibt einen interessanten Einblick ins Leben in den Slums von Süd Afrika, und erzählt eine authentische, aber nicht alltägliche Geschichte. Ich kann den Film jedem Dramafan und jedem, der genug vom Mainstream hat empfehlen.

4/5

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