Strange Circus (Filmkritik)

Die kleine Mitsuko lebt mit ihren Eltern irgendwo in Japan. Sie hat keine schöne Kindheit. Der Vater, der auch der Schuldirektor ist, sperrt die Kleine in einen Chellokoffer und stellt sie ins Schlafzimmer. Hier darf sie durch ein Guckloch den Eltern beim Sex zusehen.

“Ich bin meine Mutter.“

Damit nicht genug, als die Eltern fertig sind, sperrt der Vater die Mutter in den Koffer und vergewaltigt die Tochter. Diese, sichtlich traumatisiert, wird fortan von Alpträumen über einen Rummelplatz und Zirkus geplagt. Auch die Mutter bietet ihr keinen Halt. Im Gegenteil, sie ist eifersüchtig auf ihre Tochter, da der Vater jetzt mehr Sex mit der kleinen hat, als mit ihr. Bei einem Streit stürzt die Mutter die Treppe runter.

<Schnitt>

Die erfolgreiche Schriftstellerin Taeko verfasst eben diese Geschichte in ihrem neuen Roman. Ihre Werke sind andauernd von diesem Thema geprägt. Aber auch sie hat es nicht leicht. Sie ist an den Rollstuhl gefesselt. Dennoch hat sie etwas zu verbergen.

Der Verleger beauftragt seinen jüngsten Mitarbeiter, den Taeko liebevoll Robo nennt, das Geheimnis zu lüften. Dieser verbringt etwas Zeit mit der Autorin, gewinnt ihr Vertrauen, weiß aber längst über ihr Geheimnis bescheid. Auch er hat etwas zu verbergen.

Und so überschlagen sich die Ereignisse, und die Rätsel werden gelüftet, was in einem blutigen Symposium endet…

“Ich wurde auf dem Schafott geboren.“

Der Film eröffnet mit dem Beginn der Zirkusvorstellung, und stellt den Zuschauer sogleich vor die Tatsache, dass die 12jährige Mitsuko von ihren Eltern missbraucht wird. Man darf das Martyrium aus Schicht des Guckloches im Chellokoffer betrachten. Äußerst intensiv gestalten sich diese und die darauf folgenden Bilder. Gekonnt spielt der Regisseur Sion Sono mit den Farben. So sind sämtliche Räume nach der Vergewaltigung blutrot gefärbt.

Der Film bezieht aber keinerlei Stellung zum Thema Kindsmissbrauch. Er zeigt hingegen den weiteren Verlauf nach dem Vorfall. Wie die Mutter plötzlich auf ihre Tochter eifersüchtig ist. Ihr die Schuld für ihr unbefriedigtes Sexualleben gibt.

Plötzlich der Schnitt, und es stellt sich heraus, dass das Ganze bloß eine Geschichte ist. Schnell wird klar, dass die Story autobiografisch ist, und die Schriftstellerin aus ihrem Leben erzählt. Sie konnte die Vorfälle nie verarbeiten. Ihre Persönlichkeit ist gespalten. Sie ist auch nicht behindert. Sie steht auf und geht am Abend einkaufen. Aber hinter einer Tür ihn ihrem Haus verbirgt sie noch ein viel schrecklicheres Geheimnis.

Immer wieder blendet Sono auf die Vergangenheit um, lässt Farben zum Einsatz kommen, um seine Bilder noch zu intensivieren. Dabei verwirrt er den Zuschauer auch ein wenig. Es stellt sich oft die Frage, ob man nun die Tochter oder die Mutter sieht. Aber die Mutter ist doch die Treppe runter gefallen. Oder ist etwa die Tochter gestürzt? Was ist Traum, was Realität? Und so wird auch die gespaltene Persönlichkeit der Schriftstellerin verdeutlicht, die das Trauma bei ihr ausgelöst hat. Als sie bei einem Sparziergang einen Chellokoffer sieht, verfällt sie in Panik.

Ein weiterer interessanter Charakter ist der junge Assistent des Verlegers. Seine Interessen werden erst gegen Ende aufgeklärt, denn auch er verbirgt etwas. So sieht man ihn einmal bei der Selbsthilfegruppe für Selbstverstümmelung. Dennoch ist er der Schlüssel zur Auflösung der Verwirrung. Am Ende erklärt er die Vorfälle.

Durch die Thematik, verstärkt durch die Optik weiß der Film zu schockieren. Da er noch dazu keine Stellung zum Thema bezieht, bleibt es dem Zuschauer überlassen, wie er damit umgehen soll.

Die beiden Hauptdarsteller tragen ihren Teil dazu bei. Sie geben ihren Rollen die nötige Authentität, und Intensität. Beide agieren gekonnt, und wissen zu überzeugen. Sei es jetzt der Panikanfall der Schriftstellerin oder die euphorische Auflösung durch Robo am Ende.

Fazit:

“Strange Circus“ hat die Absicht zu schockieren, ist daher sicher nicht jedermanns Sache. Mir hat er allerdings recht gut gefallen, darum kann ich ihn Fans von kontroversen Filmen empfehlen.

4/5

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