Sophie (Filmkritik)

Sophie Lichtenstein, die sich von ihrem Mann, Clemens, scheiden lassen will, fährt eines schönen Nachmittags aufs Land, um etwas im Wald spazieren zu gehen. Nach einem Telefonat mit Clemens’ Boss beschließt sie, ihren zukünftigen Ex noch mal anzurufen, und zur Unterfertigung der Scheidungspapiere zu drängen.

In Gedanken versunken rutscht Sophie aus, und schlittert direkt in eine Bärenfalle. Dabei fällt ihr zu allem Überdruss auch noch das Handy aus der Hand und liegt nun, für sie unerreichbar, in ihrer Nähe. Sämtliche Bemühungen, sich aus der Falle zu befreien scheitern, und schon bald bricht die Nacht herein …

Kritik:

Selten erfährt ein Kurzfilm eine Fortsetzung. Der österreichische Regisseur Vlado Priborsky knüpft mit “Sophie“ direkt an seinen Vorgänger “Plan B“ an, und erzählt die Geschichte um die Familie Lichtenstein weiter. Allerdings sollte man “Plan B“ auf jeden Fall gesehen haben, da die Handlung der beiden Filme ineinander verschlungen ist.

Um für Abwechslung zu sorgen, schlägt Priborsky hier eine komplett andere Genrerichtung ein, was dem Gesamtkonzept leider etwas schadet. Konnte “Plan B“, noch mit Atmosphäre und Spannung überzeugen, vermisst man diese Stimmung bei “Sophie“. Die Ansätze mit dem dunklen Wald sind offensichtlich, werden aber leider zu wenig ausgebaut. Hier hätte man viel mehr auf die Psyche gehen können.

Stattdessen liegt nun das Hauptaugenmerk auf Horror, der sein Vorbild in einer bekannten “Fallenstellerhorrorreihe“ sieht. Dabei investierte Priborsky sichtlich viel Zeit und Geld in die Gestaltung der Effekte, welche für einen Amateurkurzfilm sehr gut in Szene gesetzt wurden. Erfreulich ist hierbei allerdings, dass mit dem Kunstblut weise umgegangen wurde, und das Ganze nicht im Übertriebenen endet. Besonders positiv ist der Überraschungseffekt am Ende, auf welchen ich hier aber nicht näher eingehen werde.

Etwas übertrieben sind allerdings die Effekte in Sophies Traum. Hier wurde ein bisschen experimentiert, um den Horror zu verstärken, wobei weniger hier mehr gewesen wäre. Dennoch ist diese Traumszene wichtig, da sie das Unterbewusstsein der Protagonistin offenbart, und somit passt der gewählte Stil hier auch rein.

Eine deutliche Steigerung zum Vorgänger merkt man bei der Kameraarbeit. Hier haben sich teureres Equipment und Erfahrungswerte ausgezahlt, so dass man schon fast nicht mehr an einen Amateurfilm erinnert wird. Auch der Einsatz der Filmmusik ist gelungen. Einen Dämpfer geben dem Ganzen dann die Darsteller. Natürlich kann man Hobbyakteure nicht mit Professionisten vergleichen, wobei die beiden hier allerdings etwas lustlos wirken, und leicht zu overacting neigen.

Fazit:

Vlado Priborsky beweist mit seinem neuesten Werk, dass er durchaus Potential hat. “Sophie“ kann bei einigen Punkten überzeugen, und braucht die Konkurrenz nicht zu scheuen, wenn er auch noch ausbaufähig. In Punkto Atmosphäre und Spannung hat der Vorgänger (“Plan B“) jedoch genrebedingt, die Nase vorn. Man sollte sich beide Werke direkt nacheinander ansehen, um einen guten Überblick über das Geschehen zu haben. Interessant wäre natürlich, würden die beiden Werke zu einem abendfüllenden Film zusammengefasst werden. Auf jeden Fall können wir schon mal auf den nächsten Film aus dem Hause Independent Works gespannt sein.

3,5/5

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