Schlimmer geht’s nimmer! (Filmkritik)

Michael lebt bei seinen Eltern auf einem Bauernhof. Früher oder später soll er die Landwirtschaft übernehmen, doch der schüchterne Romantiker hat ganz andere Pläne. Er möchte Regisseur werden. Inspiriert von seiner Angebeteten hat er ein Drehbuch eines Liebesfilms geschrieben. Jetzt muss er es nur noch verfilmen und zu einem Filmfestival anmelden.

Durch Zufall trifft er seinen alten Schulfreund Bobby, der sich bereit erklärt das Projekt zu finanzieren. Aber nur unter einer Bedingung: es muss ein Porno werden. Wenig begeistert von dieser Idee, lässt sich Michael doch überzeugen. Und so schickt er kurzerhand die Eltern auf eine Reise, um ungestört drehen zu können.

Bobby, der hauptberuflich Besitzer einer Rotlichtbar ist, schleppt echte Pornodarsteller zum Dreh an, und schon kanns los gehen. Abgesehen davon, dass die Dreharbeiten nicht ganz nach Michaels Vorstellungen verlaufen, kommen auch noch seine Eltern verfrüht aus dem Urlaub zurück…

Kritik:

David Unger wählt für sein Debüt als Regisseur gleich eines der schwierigsten Genres aus: die Komödie. Schwierig daher, da es nicht einfach ist, jeden Zuschauer gleichermaßen zu unterhalten. Humor ist, wie Geschmack, verschieden. Doch gelingt es Herrn Unger durchaus eine halbwegs ausgewogene Mischung aus diversen Unterarten der Komödie zu generieren.

Die Handlung ist im Grunde recht einfach, aber interessant. Ein schüchterner Junge möchte Ansehen als Regisseur erlangen, und so seine Angebetete erobern. Der Aspekt mit dem Pornodreh zielt dann schon mehr in Richtung „American Pie – Generation“, auf die auch ein Teil des Humors ausgelegt ist. Leider bedient sich David Unger hier des niveaulosen Fäkalhumors, indem sich der Hauptdarsteller nach jedem Kuss übergeben muss. Auch so manche Nebencharaktere wie der vom Torret-Syndrom geplagte Videothekar, der mit Kraftausdrücken nur so um sich wirft, oder der von Grund auf perverse Gangsterboss, der anscheinend jede Frau haben kann, sich aber viel lieber mit dem Staubsauger oder Kuchen begnügt, fügen sich in diese untere Nische des Humors perfekt ein.

Die Handlung nimmt eine erwartete Wende, indem Michaels Eltern plötzlich heim kommen. Überraschenderweise bleibt ein größeres Chaos aus, und der Film kann vollendet werden. Was allerdings noch nicht das Ende der Geschichte um Michael und seine Angebetete sein soll. Wie es mit den Beiden weitergeht, wird hier nicht verraten.

Fest steht, dass die beiden, Patrick Jahns und Verena Leitner, ihren Charakteren die nötige Sympathie verleihen und somit positiv zum Film beitragen. Abgesehen von Michaels Kotzszenen wissen die beiden niveauvoll zu unterhalten, und bringen auch etwas Dramaturgie ein, die durchaus hätte weiter ausgebaut werden können. Ihnen ist es auch gegönnt, sich im Film weiter zu entwickeln.

Die anderen Charaktere bleiben ihrer vorgegebenen Rolle treu. Auch hier gibt es ein paar herausragende Figuren. Wie zum Beispiel den etwas verrückten Kameramann, Raimund Knoll, der einige Lacher auf seiner Seite hat und dabei zum Slapstick neigt. Thomas Nash als schwuler Tontechniker verhält sich relativ ruhig, und agiert in seinen wenigen Auftritten hautsächlich über Mimik und Gestik. Dabei weiß er zu überzeugen. Positiv aufgefallen ist auch, die vom Schönheitswahn getriebene, Julia Henkel. Philipp Stix, der Bobby, Michaels Freund und Barbesitzer spielt überagiert gelegentlich. Die drei Pornodarsteller punkten vor allem mit ihrem Aussehen, wobei Mick Blue auch das Potential für konservative Filme hat. Alles in Allem merkt man den Darstellen an, dass sie noch relativ unerfahren mit größeren Filmprojekten sind. Dennoch ist deren Potential zu erkennen, und sie wirken sehr bemüht.

Von der Optik her versucht David Unger etwas zu experimentieren, was sehr gut zu gefallen weiß. Manche Aufnahmen (Umgebung, Himmel) sind perfekt in Szene gesetzt, und hätten ruhig etwas öfter einen Platz im Film finden können. Auch die kurze schwarz/weiß-Montage, die eigentlich zu Michaels Film gehört, ist technisch gelungen. Hervorragend passt vor allem die gewählte Musik zum Film. Sie wirkt dynamisch und passt zu den gezeigten Szenen.

Fazit:

David Ungers Debütfilm ist besser als der Titel erahnen lässt, und hat durchaus Potential. Leider wurde dieses nicht ganz ausgeschöpft, die Ansätze sind vorhanden, und die sympathischen Darsteller tragen ihren Teil dazu bei. Leider bleibt der Film nicht von Fäkalhumor verschont, wobei eine Komödie besser ohne diese Untersparte auskommt. Auf jeden Fall darf man schon auf David Ungers nächstes Werk gespannt sein.

2/5

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