Filmserie: Sasori

Anfang der 70er Jahre bescherte uns Shun ‚ya Itô seinen Beitrag zum „Frauen im Gefängnis“ Genre. Anders als die meisten Vertreter legte er den Fokus auf eine gelungene Bild- und Tonkomposition und auf seine Charaktere. Sexueller Missbrauch und Folter wurden nur angedeutet. So wurde der erste Teil zum Überraschungshit und animierte Itô noch weitere zwei Teile zu drehen.

Nach Abschluss seiner Trilogie versuchte sich Yasuharu Hasebe an einer weiteren Fortsetzung. Dies war allerdings mehr oder weniger ein Reinfall. Yutaka Kohira schoss dann noch zwei weitere Teile nach. Welche ich aber leider noch nicht gesehen hab. 2008 wurde dann noch ein Remake gedreht, aber davon erwarte ich mir nicht viel.

Sasori Vol 1 – Scorpion

Nami Matsushima wird von ihrem Liebhaber, einem Drogenfahnder, benutzt, um die Yakuzza zu überführen. Mit gebrochenem Herzen lauert sie ihm vor dem Polizeirevier auf, und will ihn ermorden. Der Versuch scheitert jedoch, und Matsu wird in eines der härtesten Zuchthäuser Japans eingeliefert.

Mit stählerner Mine erträgt sie die Qualen des Gefängnisses, um bei erst bester Gelegenheit, gemeinsam mit ihrer einzigen Freundin, zu fliehen. Aber Matsus Freiheit währt nicht lange, und die Wärter bestrafen nun auch ihre Mithäftlinge. Gedemütigt und gequält hält sie nur eines am Leben: der Durst nach Rache…

Kritik:

Diese Manga-Verfilmung zählt zum Genre der “Woman in Prison“ Filme, jedoch kann sie sich deutlich von anderen Vertretern abheben. In erster Linie überzeugt der Film mit seiner hervorragenden Hauptdarstellerin, in deren Augen man den Hass ihres Charakters direkt ablesen kann.

Regisseur Shunya Ito konzentriert sich in seinem Werk nur auf wenige Charaktere. Alle Anderen bleiben namenlos. Sie sind für den Verlauf des Filmes zwar essentiell, jedoch könnten sie problemlos ausgetauscht werden. Schauspielerisch kann eigentlich nur Meiko Kaji als Matsu überzeugen. Die anderen Darsteller neigen leicht zu overacting.

In einer gut positionierten Rückblende erfährt der Zuseher von den Umständen Matsus Bitterkeit und den Grund ihrer Inhaftierung. Ohne ein Wort zu sagen lässt sie die Qualen und Folter über sich ergehen. Wärter wie auch Häftlinge lassen ihren Zorn auf Matsu aus. Aufgrund der kollektiven Strafen lassen sich die geschundenen Insassinnen leicht aufwiegeln. Doch ein einziger hasserfüllter Blick kann ihren Peiniger vor Erfurcht erzittern lassen. Und Matsu lässt auch keine Gelegenheit aus, es ihren Widersachern heimzuzahlen.

In den ersten beiden Dritteln bemüht sich der Film seinem Genre treu zu bleiben. Jedoch hält Ito in seinem Werk den Sex und die exzessive Gewalt sehr begrenzt. Nackte Haut gibt es für Genrefans vielleicht etwas zu wenig, doch gilt hier klar, weniger ist oft mehr. Und diese Rechnung geht auch auf. Die physische und psychische Gewalt bleibt Matsu aber nicht erspart. Nach ihrer Flucht verbringt sie einige Tage gefesselt in Einzelhaft, wo sie nahezu schutzlos den Perversionen der Wärter und wärternahen Häftlinge ausgesetzt ist.

Erst im letzten Drittel kehr der Film den Genre den Rücken, und Matsu kann sich ihrer Rache widmen. Hierbei kommt auch etwas Blut zum Einsatz. Die Morde wurden aber sehr stimmungsvoll in Szene gesetzt. Die Spannung hat zwischendurch einige kleine Spitzen, baut sich aber erst im letzten Teil des Werkes richtig auf. Die Atmosphäre ist von Beginn an sehr gut, und macht den Genrewechseln mühelos mit.

Dennoch lässt der Film Gewalt und Erotik nur nebensächlich erscheinen. Er überzeugt neben der Hautdarstellerin vor allem mit seinem Stil, der etwas experimentierfreudig wirkt. So wurden verschiedene Mittel in der Bildsprache eingesetzt. Ito lässt zum Beispiel die Kamera mehrmals um 360 Grad drehen, setzt eine Zeitlupe im rechten Moment ein, wodurch die gezeigte Szene eindringlicher wirkt, und lässt mit verschiedener Farbgestaltungen Matsus Stimmung widerspiegeln. Unterlegt wird das Ganze durch eine sehr stimmige Musik, welche auch im passenden Moment aussetzt und allein die Bilder für sich sprechen lässt. Die ohrenberauschende Titelmusik wurde Jahre später von Quentin Tarantino für seinen “Kill Bill 2“ wieder verwendet.

Fazit:

Der besondere Stil des Werkes, sowie seine hervorragende Hauptdarstellerin verwandeln die kurze Handlung in ein abendfüllendes Filmerlebnis.

5/5

Sasori Vol. 2 – Jailhouse 41

Nachdem sie ihre Rache vollzogen hatte, wurde Matsu wieder verhaftet und in Einzelhaft gesteckt. Unter ihren Mithäftlingen wurde sie als Sasori zur Ikone des Widerstandes. Doch viele der Frauen verachten sie, und der Gefängnisdirektor lässt seinen ganzen Zorn an ihr aus, da er sie für den Verlust seines Auges verantwortlich macht.

Nach einem Zwischenfall mit einem Regierungsbeamten, werden die Frauen zur kollektiven Zwangsarbeit verurteilt. Der Direktor will Sasoris Ansehen schaden, und schickt Männer los, die sie vor den Augen der anderen vergewaltigen. Schweigend erträgt sie die Schmach. Doch die Aktion hat die gewünschte Wirkung. Bei der Rückfahrt gehen die Insassinnen auf Matsu los.

Als die Wärter nach dem Rechten sehen wollen, gelingt den Frauen die Flucht. Ihr Weg führt sie durch eine karge Vulkanlandschaft, in deren Einsamkeit sie sich mit ihren Taten auseinandersetzen. Doch die Ruhe währt nicht lange, denn die Wärter sind den sieben Frauen bereits auf den Fersen…

Kritik:

Shunya Ito knüpft seine Fortsetzung direkt an den erfolgreichen ersten Teil an. Der Film ist scheinbar bemüht, die Qualität des Vorgängers zu erreichen, jedoch scheitert dieses Vorhaben, und so kann “Sasori 2 – Jailhouse 41“ nicht überzeugen.

Das Gefängnis selbst ist nur im ersten Drittel des Filmes der Schauplatz des Geschehens. Hier liegt Sasori in Einzelhaft, und der Direktor verspricht ihr, dass sie nie wieder frei kommt. Er ist von seiner Rache an Matsu besessen. Dementsprechend selten sind auch genretypische Qualen, und Erotik.

Der Film entwickelt sich nach der Flucht zu einem Drama, wobei sich die Frauen mit ihrer Vergangenheit und ihren Verfolgern herumschlagen müssen. Doch geschieht die Tatbewältigung nur angedeutet, und wird nicht näher beleuchtet. Die Rädelsführerin erzählt von ihrem Kindsmord, wobei sie die nötige Dramatik in die Szene einbringt. Dann blendet der Film in eine surreale Szenerie über, wo die Taten der Frauen mit Hilfe eines Liedes erzählt werden.

Diese und einige andere Szenen erinnern an die Bildsprache und Symbolik des Vorgängers, die auch Teil 2 etwas hervorheben. Diese Stilmittel wurden gut eingesetzt und kennzeichnen Schlüsselszenen des Films. Die Atmosphäre schwächelt ein wenig im Vergleich zum Vorgänger, denn das Flair des Jailhousefilms ist fast komplett weg, und das Fluchtdrama, an sich, bleibt nur durch die gut dosierten Stilmittel und die Musik auf einem erträglichen Level.

Weniger interessant macht es noch die Tatsache, dass Sasori bereits im Vorgänger ihren Rachedurst gestillt hatte, und hier fast nur eine Statistenrolle einnimmt. Sie spricht im ganzen Film nur zwei Sätze, mehr hat sie auch nicht nötig, ihre Augen erledigen den Rest. So dient zunächst ihre Rolle als Katalysator der Aggressionen der übrigen Protagonisten. Erst am Ende wendet sich der Film wieder Matsu zu.

Die Spannung hält sich bei dem Werk eher in Grenzen, hin und wieder erreicht sie eine kleine Spitze, fällt aber gleich wieder ab. Ein paar Morde stellen weitere Höhepunkte der Handlung dar, und erzwingen oft eine Wendung im Vorgehen der Protagonisten.

Fazit:

Ito versucht mit der Fortsetzung den Level des ersten Teiles zu halten, scheitert aber leider bei der Umsetzung.

3,5/5

Sasori Vo. 3 – Den of the Beast

Matsu, die im Gefängnis als Sasori berüchtigt ist, ist in Tokio untergetaucht. Im Zug wird sie von einem ehrgeizigen Polizisten erkannt, der diese Begegnung mit einem Arm bezahlen muss. Sasori kann ihm entkommen und trifft in der Stadt auf die Prostituierte Yuki, die ohne Erlaubnis der Yakuzza anschaffen geht.

Matsu will ihr damaliges Leben wieder aufnehmen und beginnt als Näherin zu arbeiten. In ihrer Wohnung wird sie von ihrem Nachbarn, einem Yakuzza bedrängt. Nachdem sie dessen Freundin aufgestachelt hat, bringen seine Kollegen Matsu zu ihrem Boss. Dessen Geschäftspartnerin kennt Sasori noch aus dem Gefängnis.

Sie hat die Qualen, die sie wegen Matsu erleiden musste, nicht vergessen, und zahlt es ihr nun mit barer Münze zurück. Sasori, die mittlerweile von der Polizei in ganz Tokio gesucht wird, gelingt die Flucht, und fortan haben die Yakuzza einen Grund zur Furcht, denn sie wird sich an ihren Peinigern rächen…

Kritik:

Mit dem dritten Teil der Reihe beendet Shunya Ito seine “Sasori“ Reihe. Er knüpft die Handlung an den Vorgänger an, schlägt jedoch eine andere Stilrichtung ein, wobei das Konzept diesmal wieder aufgeht. An den grandiosen Erstling des Regisseurs kommt dieser Teil jedoch nicht ran.

Ito konzentriert sich neben Sasori auch auf Yuki, und im späteren Verlauf des Films auf Katsu, die Gangsterbraut. Sasori findet in Yuki wieder eine Freundin. Diese befindet sich nach einem Schicksalsschlag an der untersten Ebene der Gesellschaft. Yukis Bruder ist nach einem Unfall geistig behindert. Sie geht anschaffen, um ihn zu obsorgen. Da sie sich gegen ihn nur schwer zur Wehr setzen kann, duldet sie es, dass ihr Bruder sie schwängert. Ito bringt hier das Thema der Inzucht in seinen Film ein, wodurch sich dieser von seinen Vorgängern unterscheidet.

Katsu tritt erst in der Mitte des Filmes auf die Bildfläche. Sie hat sich nach ihrer Haftentlassung nach oben gearbeitet. Sie kennt Sasori, und erschrickt fast zu Tode als sie sie zu Gesicht bekommt. Der letzte Abschnitt des Filmes ist Katsu und ihrem schizophrenen Verfall gewidmet. Sasori selbst hat eine Entwicklung durchgemacht. Sie spricht mehr und hilft sogar selbstlos den Schwachen.

Ito wechselt bei Teil 3 nicht nur das Genre, sondern verzichtet auch größtenteils auf seine Stilmittel, die seinen Erstling hervorheben konnten. Bild und Farbkompositionen kommen hier nur sehr spärlich vor, und werden im Verlauf des Filmes komplett weg gelassen. Der Film baut dadurch eine komplett andere Atmosphäre auf.

Der Gewaltgrad hat sich im Vergleich zum direkten Vorgänger etwas gesteigert. Diese Szenen sind gut positioniert und teilweise auch blutig in Szene gesetzt. Anders als bei den Vorgängern findet der Rachefeldzug bereits im Mittelteil des Films statt. Das Finale wird Katsus Verfall gewidmet, welcher sehr gut gespielt ist.

Fazit:

Ito gelingt mit “Sasori 3“ ein würdiger Abschluss seiner Trilogie. Jedoch sollten weitere Fortsetzungen folgen.

4/5

Sasori Vol. 4 – Grudge Song

Matsu, wiegt sich in Sicherheit und glaubt, endlich ein neues Leben beginnen zu können. Doch wird die mehrfache Mörderin und Ausbrecherin noch immer von der Polizei gejagt. Matsu wird bei der Flucht verwundet, und von dem Lichttechniker eines Theaters, Kudo, gefunden.

Da Kudo vor einigen Jahren, bei einer Studentendemonstration von der Polizei misshandelt wurde, hilft er Matsu und versorgt ihre Wunden. Matsu verliebt sich in ihren Retter, und glaubt, endlich Beständigkeit gefunden zu haben. Doch die Polizei schläft nicht. Sie verhaften Kudo.

Unter Folter verrät Kudo seine neue Freundin, und wieder wird Matus Herz von einem Mann gebrochen. Doch soll es noch schlimmer kommen. Im Gefängnis wartet der Galgen auf Sasori…

Kritik:

Nachdem Shunya Ito seine “Sasori“ Reihe abgeschlossen hatte, ergriff Yasuharu Hasebe das Regiezepter und erzählte Matsus Geschichte weiter. Dabei versucht er an die Vorgänger anzuschließen, bringt aber auch seinen eigenen Stil mit ein. Er kann sich jedoch nicht völlig verewigen, da einige Szenen doch an Itos Handschrift erinnern.

So wechselt zum Beispiel bei Rückblenden die Farbe, und eine Schlüsselszene gegen Ende des Films erstrahlt im eignen verklärten Licht. Diese wenigen Szenen werten das Werk unheimlich auf, denn ansonsten ist der Film ein normales Drama ohne weitere stilistische Höhepunkte. Hasebe wagt es nicht zu experimentieren, worunter das Sasoriflair etwas leidet. Es gibt auch bei der Musik keinerlei Höhepunkte.

Der Film tümpelt in den ersten beiden Drittel eher spannungsarm dahin, und schafft es hier auch nicht eine Atmosphäre aufzubauen. Matsus Liebe zu Kudo gestaltet sich zu emotionslos. Hasebe kriegt hier nicht die Kurve. Zu sehr beschränkt er sich auf die Anprangerung der gewalttätigen Polizeiverhörmethoden.

Neben dem klassischen Thema Rache, nach welcher hier drei Charaktere verlangen, kommt im letzten Drittel die Thematik Todesstrafe hinzu. Sasori sitzt in der Todeszelle und Regisseur Hasebe möchte mit diversen Aussagen seiner Protagonisten zu Diskussionen anregen. Anders als bei den Vorgängern, wird das Gefängnis von Frauen geleitet. Quälereien kommen seitens der Wärterinnen nur auf psychischer Ebene vor, da die Inhaftierten die Treppen zum Galgen putzen dürfen.

Meiko Kaji spielt auch in Teil 4 die wortkarge Sasori, wirkt aber eher lustlos. Ihr Charakter scheint im Film etwas unterzugehen. Die beiden Männer drängen sich dabei zu sehr in den Vordergrund. Kaji blüht erst am Ende wieder richtig auf.

Fazit:

Sasori ereilte das gleiche Schicksal wie viele andere Serien. Nachdem sie von Regisseur Ito sehr gut abgeschlossen wurde, entschied man sich für eine weitere Fortsetzung, die allerdings nicht mit der Originalserie mithalten kann.

2/5

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s