Der Zementgarten (Filmkritik)

Irgendeine Trabantenstadt Anfang der 80er. Eine sechsköpfige Familie wohnt am Stadtrand. Als der Vater beim zementieren des Gartens einen Herzinfarkt erleidet und stirbt, wird die Mutter mit Kindern kaum fertig. Außerdem ist sie selbst schwer krank. Als sie dahinsiecht bittet sie die beiden ältern Geschwister die Elternrolle zu übernehmen und auf die Jüngeren acht zu geben.

Als die Mutter stirbt zementieren sie die Kinder in einer Kiste im Keller ein, da sie fürchten, das Jugendamt würde sie ins Heim stecken. Und so leben sie in den Tag hinein. Als die beiden pubertierenden älteren Kinder Gefühle füreinander entwickeln, und ein Außenstehender auf das Geheimnis kommt, beginnt ihre Fassade zu bröckeln…

Kritik:

Lange galt Ian McEwans Skandalroman als unverfilmbar. Bis sich Produzent Bernd Eichinger des Buches annahm und mit Andrew Birkin auch einen fähigen Regisseur dafür fand. Dieser fängt die Tristesse optisch gut ein. Die Familie wohnt in einem wirklich hässlichen Betonklotz am Stadtrand, inmitten einer Schutthalde abgerissener Häuser. Genauso in Trümmern liegt die Familie. Die Kinder spielen draußen im Müll. Diese triste Grundstimmung zieht sich über den gesamten Film. Obwohl die Sonne scheint, bleiben die Farben blass und kühl.

Der kettenrauchende, mürrische Vater maßregelt ständig seinen ältesten Sohn Jack, kann ihm nicht zeigen, dass er ihn innerlich doch liebt. Mit dem heruntergekommen Garten gibt der Vater auch die letzte Hoffnung für das Aufblühen seiner Familie auf und beschließt schließlich den Garten zu zubetonieren. Dazu verpflichtet er auch Jack, der alles andere als begeistert ist. Und während der 15jährige sich im Bad einen runter holt, erleidet der Vater einen Herzinfarkt und stirbt.

Jack steckt mitten in der Pubertät, erkundet seinen Körper, interessiert sich für Mädchen, sogar seine ältere Schwester geilt ihn auf. Ständig vertieft er sich in ein Buch, welches auch mittels Off-Kommentaren vorgelesen wird, und weigert sich zu baden. Und wie es im Buch um einen einsamen Krieger geht, fühlt sich Jack auch von der Welt verlassen. Seine anscheinend auch angschlaglte Mutter erklärt ihm, dass er durch Masturbation einen Liter Blut verliert und verdummen wird.

Als die Mutter dann stirbt versucht die ältere Tochter Julie die Familie zusammenzuhalten. Sie kümmert sich um die jüngeren Geschwister. Die kleine Schwester verarbeitet ihren Kummer über den Tod der Mutter durch ein Tagebuch, und der kleine Sohn kann nun endlich seinen Wunsch ausleben ein Mädchen zu sein. Er findet sogar einen Freund, mit dem er heile Familie spielt. Anfangs findet Jack dies komisch, doch dann akzeptiert und verteidigt er seinen Bruder. Auch Julies Sexualität erblüht, sie findet sich einen älteren Freund, und als Jack endlich etwas geistige Reife zeigt, sich im Regen wäscht, fühlt sie sich auch zu ihm hingezogen.

Und wie der Beton in der Kiste im Keller Risse bekommt, beginnt auch die Fassade der Geschichte der Kids zu bröckeln. Julies Freund beginnt Fragen zu stellen, und sollte er hinter das Geheimnis kommen, was in der Kiste drin ist, würde das Jugendamt die Kinder ins Heim stecken.

Fazit:

Der Zementgarten porträtiert ein düsteres Inzestdrama, das hinter der Fassade mehr ein Familiendrama ist.

3,5/5

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