Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger (Filmkritik)

Ein gescheiterter Autor trifft sich, auf eine Empfehlung hin, mit Pi Pattel, welcher ihm von seinen Erlebnissen berichtet, die ihm den Glauben an Gott bestärkt haben.

Pi, der eigentlich Piscine heißt und nach einem französischen Schwimmbad benannt wurde, wächst in Indien auf. Seine Eltern betreiben einen Zoo. Doch nicht nur Pis Name ist besonders, wurde er doch in der Schule oft deswegen gehänselt, auch seine Einstellung zur Religion ist besonders, möchte er doch alle gleichzeitig für sich ausüben.

Da der Zoo nicht so gut läuft, beschließt der Vater nach Kanada zu ziehen, und die Tiere dort zu verkaufen. Und gerade als Pi sich verliebt, muss er seine Freundin auch schon verlassen und auf das japanische Frachtschiff gehen, welches seine Familie von Indien wegbringen soll.

Kurz vor Manila gerät das Schiff in einen schweren Sturm und kentert. Pi, der kurz zuvor an Deck gegangen war, kann sich in ein Boot retten. Doch muss er sich das Boot mit einem Zebra, einem Orang-Utan, einer Hyäne und dem bengalischen Tiger namens Richard Parker teilen. Als der Hunger auf Hoher See größer wird, kann nur der Stärkste überleben. Aber der gewiefte Pi weiß sich zu arrangieren und überlebt mehr als 220 Tage mit dem Raubtier auf kleinstem Raum und erlebt ein phantastisches Abenteuer…

Kritik:

Als unverfilmbar galt der Roman von Yann Martell, bis sich Ang Lee, der schon mit seinem „Brokeback Mountain“ überraschte, dem Stoff annahm. Der Film wechselt gekonnt zwischen dem Erzählstrang und der eigentlichen Handlung. Der Zuseher fühlt sich in die Rolle des Autors hineinversetzt, der eine phantastische Geschichte erzählt bekommt, und sieht sich schließlich mit der selben Frage und Antwort konfrontiert, die der gealterte Pi dem Autor stellt und beantwortet.

Lee gelingt es mit dem Zeigen von Pis Kindheit, dass der Zuseher eine Beziehung zu dem Teenager aufbaut, mit ihm mitleidet und ihn gespannt auf seiner Reise begleitet. Auch schon von Kind an hat Pi eine besondere Beziehung zur Religion, kann er sich doch nicht entscheiden, welche für ihn die Richtige ist, und so bleibt das Thema „Gott“ den ganzen Film über präsent. Pi ist kurz davor seinen Glauben zu verlieren, und findet ihn wieder. So wird zweifellos auch der Zuseher dazu angehalten, sich für sich selbst Gedanken zu machen.

Auf der Überfahrt nimmt das Drama dann seinen Lauf. Doch kurz davor darf Gérard Depardieu als fleischverliebter Schiffskoch der vegetarischen Familie seine Interpretation einer vegetarischen Mahlzeit zeigen. In der Nacht kommt es dann zu dem tragischen Unfall, wobei Pi seine ganze Familie verliert. Suraj Sharma brilliert mit seiner schauspielerischen Leistung, weiß er gekonnt die verschiedensten Situationen und Gefühle für seine Rolle zu zeigen. Er überzeugt vom Überlebenskampf, bis zur Aufgabe seines selbst und darüber hinaus.

Fortan darf der Zuschauer mitfiebern, wenn Pi dem Tiger gegenübersteht und ums Überleben kämpft, denn der Tiger sieht in dem abgemagerten Jungen nichts weiter als eine Mahlzeit. Die Spannung erlebt mehrere Kurven, doch ist sie perfekt ausbalanciert. Nach der Action des Unwetters kommt Pi kurz Ruhe, bis zu einem kurzen Schockmoment. Von da an wechselt Hochspannung mit ruhigen, phantastischen Szenen, die noch dazu in perfektem 3d präsentiert werden.

Wie alle anderen Tiere auch, kam Richard Parker aus dem Computer, und das so gut, dass es gar nicht auffällt. Perfekt animiert zieht die Raubkatze ihre Runden auf dem kleinen Boot. Aber auch das Meer wartet mit beeindruckend animierten Szenen auf. Von fliegenden Fischen bis zum Buckelwal kommt der Zuseher aus dem Staunen kaum raus. Und genau diese Szenen verleihen dem Ganzen eine besondere Atmosphäre.

Fazit:

So entführt uns „Life of Pi“ einerseits auf eine dramatische, beeindruckende Reise mit phantastischen Bildern, andererseits zu uns selbst. Ang Lee hat sich hierbei selbst übertroffen, vor allem was seine Wahl des Hauptdarstellers betrifft. Der junge Surai kann auf ganzer Linie überzeugen. So vergehen die zwei Stunden wie im Flug. Man weiß zwar schon im Voraus, dass Pi Festland erreichen wird, jedoch bleibt bis zuletzt die Frage offen, wie er sich mit dem Tiger arrangieren kann, und doch bleibt dieser, was er von Haus aus ist: ein wildes Tier. Zu guter letzt stellt der alte Pi noch eine Parabel auf und sorgt beim Zuseher für einen Denkanstoß.

5/5

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