Last Samurai (Filmkritik)

1876: Nachdem der Kriegsheld Nathan Algren die Schlacht am Little Big Horn überlebt hat, ist er ein seelisches Wrack. Da er die Gräuel des Krieges nicht verarbeiten kann, versucht er sie im Schnaps zu ertränken. Um seinen Suff zu finanzieren arbeitet Algren für die Firma Winchester, wo er auf Jahrmärkten Werbung für deren Gewehre macht.

Eines Tages bittet ihn eine japanische Delegation, nach Japan zu kommen, um die Armee des Kaisers im Umgang mit Schusswaffen auszubilden, denn der junge Kaiser möchte sein Reich nicht länger vor dem Fortschritt verschließen. So sind auch viele anderer ausländische Spezialisten im Land, die Eisenbahnen bauen, oder die japanische Mode revolutionieren.

Innerpolitisch gibt es aber Widerstand gegen die Neuerungen. Das Volk wird ihrer Rechte beraubt, den Samurai wird verboten, ihre Schwerter zu tragen. Daher gibt es Aufstände in ganz Japan.  Nach und nach wird auch der Kaiser selbst zur Marionette des Hohen Rates, der Verträge zur Waffenlieferung und Ausbildung der Truppen mit den USA abschließen will, um den aufständischen Samurai Einhalt zu gebieten. Dennoch sucht der Kaiser Rat bei seinem Lehrmeister, dem Anführer der Samurai, Katsumoto.

Captain Algren soll diese Aufgabe übernehmen. Er reist nach Japan und beginnt mit der Ausbildung der Truppen. Nach einem Samuraiüberfall auf die Eisenbahn befiehlt Algrens  Vorgesetzter den Vergeltungsschlag. Viel zu früh, wie sich herausstellt. Der Angriff entpuppt sich als Gemetzel, und die überlegenen Samurai nehmen den verwundeten Algren gefangen.

Algren wird von den Samurai aus einem Grund am Leben gelassen. Ihr Anführer, Katsumoto, will seinen Feind kennen lernen. Er verwickelt Algren immer wieder in Gespräche, doch dieser weigert sich vorerst mit seinem Gegenüber zu reden. Auch von den anderen Dorfbewohnern erfährt der Soldat nichts als Ablehnung. Eine Flucht scheint unmöglich, da die Pässe über den Winter unpassierbar werden. Doch nach und nach versucht sich Algren in die Gesellschaft einzugliedern, lernt die Sprache und nimmt Schwertkampfunterricht.

Er findet viele Freunde in dem kleinen Dorf, so fällt ihm der Abschied im Frühling schwer. Die Samurai begleiten Nathan nach Tokio, wo er wieder zur Armee stößt. Katsumoto macht sich auf den Weg, um dem Rat beizuwohnen. Nach einem kurzen Disput wird Katsumoto aber verhaftet. Während er in der Zelle um Harakiri gebeten wird, beschließt der Rat den Angriff auf die Samurai.

Captain Algren erfährt von dem Vorfall und befreit seinen Freund aus dem Gefängnis. Wieder in den Bergen angekommen, bereiten sich die ehemaligen Krieger des Kaisers auf die bevorstehende Schlacht vor. Angeführt von Katsumoto und Captain Algren treten sie dem haushoch überlegenem Feind entgegen …

“Erzählt mir, wie ist er gestorben“ – Geschichtliche Hintergründe

In der Zeit von 1868 bis 1912 befand sich Japan im Wandel. Durch die nach dem amtierenden Kaiser benannte “Meiji Restauration“ wurde aus dem altmodischen Feudalstaat eine moderne Imperiale Großmacht. Die Japaner luden viele ausländische (Europäer und Amerikaner) ein, um sich ihr Wissen über Technik anzueignen.

Nach europäischem Vorbild wurde 1873 de Wehrpflicht in Japan eingeführt, was den Stand der Samurai weitgehend unnütz erscheinen ließ. Nachdem auch per Gesetz das Tragen von Schwertern verboten wurde, fühlten sich die Samurai in ihrer Ehre gekränkt und starteten mehrere Aufstände.

Die Revolte wurde vom hoch geachteten Saigō Takamori angeführt, (Er fungiert als Vorbild für Katsumoto im “Last Samurai“) der Minister im Rat war, sich aber aus Protest von seinen Ämtern zurückgezogen hatte. Im Jänner 1877 griff die japanische Armee Takamoris Hauptstadt an. Dieser Angriff wurde von den Samurai trotz ihrer traditionellen Waffen zurückgeschlagen. Einen Monat später kesselte Takamori die Stadt Kumamoto mit 40.000 Mann ein. Die sollte sich als Fehler herausstellen, denn die kaiserliche Armee hatte somit Zeit an Stärke zu gewinnen.

In den nächsten 6 Wochen kämpften die Samurai gegen eine Übermacht von 300.000 Soldaten, dennoch erlitten sie nur halb so viele Verluste wie die Armee des Kaisers. Im September des Jahres 1877 wurde Saigō Takamori im Kampf verwundet, und bat einen Freund, ihn zu enthaupten, um der Schmach der Gefangennahme zu entgehen.

Der Figur des Captain Nathan Algren diente der französische Hauptmann Jules Brunet teilweise als Vorbild. Brunet kam bereits 1967 nach Japan um die Armee des Shogun Tokugawa Yoshinobu auszubilden. Nach einer Niederlage gegen die kaiserliche Armee zog Brunet sich mit den Resten der shogunischen Armee in den Norden zurück, um einen Vergeltungsschlag zu organisieren. Als auch dieser fehlschlug kehrte Brunet nach Frankreich zurück, wo er sich vorerst vor dem Kriegsgericht verantworten musste, sich aber beim Deutsch-Französischen Krieg rasch rehabilitierte.

“Ich erzähle Euch, wie er gelebt hat.“ – Filmkritik

Die Produzenten und Autoren von “Last Samurai“ arbeiteten eng mit japanischen Historikern zusammen, um den Plot für ihren Film zu kreieren. Sie fanden zwar interessante Vorbilder für ihre Protagonisten, wandten sich dann aber von der Geschichte ab, um ein Aufeinandertreffen der Figuren zu erreichen.

Im Tagebuchstil erzählt der Film von einem, vom Krieg gezeichneten, amerikanischen Captain, der im Leben nichts mehr zu erreichen hofft, seine Ängste mit Alkohol zu lösen versucht, und eigentlich nur noch Sehnsucht nach dem Tod zu haben scheint. Erst in Gefangenschaft lernt er wieder Freude am Leben zu haben. Als er versucht sich in die Gesellschaft einzugliedern wird er auch von den Samurai akzeptiert.

Sein anfänglicher Gegenspieler und späterer bester Freund ist ebenfalls ein recht interessanter Charakter, welcher das komplette Gegenstück zu Algren darstellt. Für Katsumoto zählen Werte wie Ehre und Tradition. Er möchte sein Leben auskosten, Neues lernen, aber doch mit dem Alten nicht brechen. Daher versucht er Algren immer in Gespräche zu verwickeln.

Diese Szenen im Dorf der Samurai bremsen zwar das Tempo gehörig ein, dienen aber der Charakterbildung und Entwicklung. Hierbei lernt man die beiden Hauptdarsteller kennen und erfährt Bruchteile ihrer Geschichte. Die Stille wird laufend durch witzige Duelle oder einen hinterhältigen Angriff gebrochen, die auch die ruhigen Szenen ein wenig antreiben, sodass sich die Geschwindigkeit rasch wieder steigert und der Film nicht zu lange an einem Platz verweilt.

Die gut choreographierte Action teilt sich auf den ersten und den letzen Akt auf. Zu Beginn darf man der Übermacht der Samurai beiwohnen, und Algrens Widerstand gegen seine Gefangennahme bewundern. Im dritten Abschnitt des Films startet das Ganze mit der Befreiung aus dem Gefängnis und gipfelt in der verheerenden, sowie dramatischen Endschlacht, wo die traditionell bewaffneten Samurai gegen eine Übermacht von mit Gewehren und Kanonen ausgestatteten Soldaten antreten. In manchen Kampfszenen wurde mit Zeitlupe gearbeitet, was deren Ästhetik hervorhebt.

Beeindruckend sind vor allem die Landschaftsaufnahmen, die durch die gute Ausstattung der Gebäude, die perfekt in die Umgebung rein passen, noch besser aussehen. Außerdem wurde bei den Kostümen sehr viel Wert aufs Detail gelegt, was positiv ins Auge sticht. Die Rüstungen der Samurai wirken dadurch sehr authentisch.

Die Darsteller agieren auf hohem Niveau. Vor allem Tom Cruise kann als Captain Nathan Algren überzeugen. Er gibt perfekt Algrens Zerrissenheit und Wahnvorstellungen wieder. Cruise meistert sowohl Action- als auch Dramaszenen perfekt. Der Charakterdarsteller Ken Watanabe ist die perfekte Besetzung für den charismatischen Samuraiführer Katsumoto. Er verleiht seiner Rolle die nötige Ruhe und Stärke. Auch die übrigen Darsteller wirken sehr routiniert und verleihen ihren Rollen eine persönliche Note, sodass niemand negativ auffällt.

Fazit:

“Last Samurai“ ist Popcornkino mit geschichtlichem Hintergrund und Tiefgang. Er vereint perfekt Action und Dramatik, auch die Darsteller tragen ihren Teil zum Erfolg bei.

4,5/5

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