Johnny zieht in den Krieg (Filmkritik)

Als die USA in den ersten Weltkrieg eintreten, meldet sich der 17jährige Joe freiwillig, um der Demokratie Willen, an die Front. Bei einem Gefecht wird Johnny von einer Granate zerrissen. Er bleibt am Leben, verliert jedoch Arme, Beine und sämtliche Sinnesorgane. Die Ärzte sind der Meinung, dass Johnnys Gehirn beschädigt ist und er nichts mitbekommt. Und so halten sie ihn als Versuchsobjekt am Leben.

Doch Johnny ist bei vollem Bewusstsein. Schockiert über seinen Zustand, und nicht fähig mit seiner Umwelt Kontakt aufzunehmen, flüchtet er in seine Fantasie. Für die Ärzte ist Johnny ein Versuchsobjekt, nichts weiter. Sie stellen ihn in eine Besenkammer und ordnen den Krankenschwestern an, sich keine Gedanken über den Torso zu machen. Doch eine Schwester empfindet Mitleid mit Johnny. Schließlich gelingt es ihm, mit ihr zu kommunizieren…

Kritik:

Dalton Trumbo verfilmte 1971 seinen eigenen Roman, mit Hilfe des Drehbuches von Altmeister Luis Bunuel. Trumbo schuf so mit seinem einzigen Film einen der besten Antikriegsfilme der Geschichte. Wobei man vom Krieg eigentlich nicht viel zu sehen bekommt. Das Grauen spielt sich allein im Kopf des Zusehers ab. Trumbo gelingt es, mit seinem Meisterwerk aufzurütteln, und die Gesellschaft an den Pranger zu stellen.

Und so begleiten wir, 110 Minuten lang, Johnny bei seinem Martyrium. Damit die Zuseher sich nicht mit den Ärzten im Film gleichsetzen, sondern Mitgefühl für den Protagonisten entwickeln, wird dieser als liebender, junger Soldat vorgestellt, dem eine vorzeitige Hochzeitsnacht mit seiner Liebsten gewährt wird, bevor er einberufen wird. Und so bleibt er einem auch im Gedächtnis. Ein junger Mann, den der Krieg seinen Liebsten entrissen hat.

Unfähig zu kommunizieren flüchtet er in seine Fantasie. Seine Träume entwickeln sich langsam zu Alpträumen. Er hofft, bald aufzuwachen, doch sieht er keinen Ausweg aus seinem Schicksal. In seinen Träumen und Erinnerungen sucht Johnny nach Antworten. Eine wesentliche Rolle spielt, neben seiner Freundin, Gott und Jesus auch Joes Vater, der immer für ihn da war, als er ihn gebraucht hat.

Doch nun ist niemand mehr für Johnny da. Er wird als Versuchsobjekt in die Besenkammer gestellt. Eindringliche Monologe verdeutlichen seine Ängste und Wünsche, doch hört ihn niemand. Er will sich bewegen, stellt aber mit Entsetzen fest, dass ihm Arme und Beine fehlen. Seine wilden Kopfbewegungen werden als Muskelzuckungen abgetan, Johnny wird nieder gespritzt, und befindet sich sogleich im nächsten Traum.

Trumbo bedient sich bei seinem Werk auch einer ausgezeichneten Bildsprache. Die Träume werden färbig dargestellt, und bedienen sich so manch Metapher. Wobei die Realität in einem bedrückenden schwarz/weiß erstrahlt. Johnny liegt im Lazarett ständig zugedeckt. Sein Gesicht ist den ganzen Film über verhüllt. Die Ansicht des verstümmelten Torsos hätte dem Film mehr geschadet als geholfen. So bleibt dem Zuseher mehr Raum für seine eigene Fantasie. Statt visueller muss er sich mit psychischer Gewalt auseinandersetzen.

Fazit:

Trumbo schuf ein Antikriegsfilmmeisterwerk, das fast ohne Krieg auskommt, provoziert, und den Zuseher zum nachdenken anregt.

5/5

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