Ichi the Killer (Filmkritik)

Nachdem der Yakuzaboss Anjo mit einer Prostituierten und 3 Millionen Yen verschwunden ist, macht sich der brutale Kakihara mit dem Rest der Gang auf die Suche, denn ohne das Geld ist die Bande mittellos und muss das Revier räumen. Umso brutaler geht Kakihara bei seiner Suche vor. Er geht jedem Tipp nach, und versucht mittels Folter den Schuldigen zu finden.

Da der masochistisch veranlagte Kakihara dabei zu weit geht, wird er von der Tirade ausgeschlossen. Noch dazu muss er erfahren, dass sein geliebter Boss von einem Killer namens Ichi ermordet wurde. So setzt er alles dran, diesen Ichi zu finden. Und je mehr Gangmitglieder Ichi ermordet, desto gieriger wird Kakiharas Verlangen auf den Killer zu treffen. Doch dann wird alles anders, als er sich erhofft hatte …

Kritik:

Der vielseitige Regisseur Takashi Miike nahm sich Hideo Yamamotos, für seine Brutalität berüchtigten, gleichnamigen Manga an und kreierte eine gelungene Filmadaption. Dabei lässt er auch die Stilmittel des Mangas nicht außer Acht, und so lassen sich im Film einige skurrile Charaktere und Ideen entdecken. Wie zum Beispiel ein Polizist, der sich Plüschhundeohren aufsetzt, um einen Verdächtigen zu finden.

Aber auch bei der Gewaltdarstellung übertreibt es Miike, um einem Manga gerecht zu werden. So spritzen Blutfontänen aus klaffenden Wunden und Körperteile fliegen durchs Bild. Gerade das hat “Ichi the Killer“ seinen Ruf, sowie seine Fangemeinde eingebracht. Aber der Film beschränkt sich nicht auf Blutorgien. Sie dienen eher als Stilmittel.

Miike stößt den Zuschauer mitten ins Geschehen, in eine japanische Großstadt. Der Drogenhandel floriert, die Yakuzatriaden gehen ihren Geschäften nach, und ein Putztrupp beseitigt die sterblichen Überreste eines Gangsterbosses, der sich kurz zuvor noch mit einer Prostituierten vergnügt hatte.

Ebenso verzichtet Miike auf eine Charakterentwicklung. Er zeigt in Rückblenden, wie die Charaktere zu dem geworden sind, was sie jetzt sind. Beim Aussehen und dem Alter seiner Protagonisten entfernt er sich etwas von der Vorlage, dennoch können auch diese voll und ganz überzeugen. Miike geht in seinem Werk auf drei Charaktere näher ein.

Allen voran der sadistische Kakihara (Tadanobu Asano), ein komplett untypischer Yakuza. Mit seinen blond gefärbten Haaren und der bunten Kleidung leuchtet er zwischen den schwarz angezogenen Gangstern heraus. Sein gepirctes und narbenüberzogenes Gesicht spiegelt seinen Charakter wieder. Es erregt ihn, Schmerzen zu erfahren, oder diese jemandem zuzufügen. Umso faszinierter ist Kakihara als er von dem ruchlosen Killer Ichi hört.

Dieser ist allerdings ein geistiges Wrack. Traumatisiert von einem Erlebnis in seiner Kindheit erregt Ichi (Nao Omori) die Gewalt, wie sie ihn anwidert. Im Rausch des Moments kommt, der als Superheld verkleidete, Ichi zum Höhepunkt, mordet kaltblütig, und sackt gleichzeitig weinend zu Boden. Dabei wird der labile Antiheld von einem rätselhaften Mann gelenkt. Er redet Ichi ein, die Opfer hätte ihn in seiner Kindheit Leid zugefügt. Ichi lässt sich zur Rache überreden, seine Zweifel werden immer wieder unterdrückt, und realisiert erst im Nachhinein, was er getan hat. Er sucht Trost bei Prostituierten und entdeckt, dass er das Leid, das ihm zugefügt wurde gerne anderen zufügt, um somit Befriedigung zu erlagen. Nach und nach gibt Miike die Wahrheit um Ichi und dem rätselhaften Mann im Hintergrund preis.

Der dritte im Bunde ist ein ehemaliger Polizist, der nach dem schändlichen Verlust seiner Dienstwaffe die Seiten gewechselt hat. Seine Geschichte wird in einem, mit der Haupthandlung verflochtenen, Nebenstrang erzählt. Er hat auch einen Grund um Ichi zu jagen. Außerdem ist er der einzige Charakter, der nicht komplett in den Sumpf der Hoffnungslosigkeit geraten ist. Er hat einen kleinen Sohn, für den er sorgen muss. Und obwohl er dem Kind klar macht, dass er wahrscheinlich am Abend nicht mehr nachhause kommen wird, gelten seine letzten Gedanken dem Jungen, und nicht der Rache an Ichi.

Takashi Miike drückt durch die dunklen und schwerfälligen Farben diese Hoffnungslosigkeit sehr gut aus. Der masochistische Kakihara stellt dabei ein kontroverses Extrem dar, das sich auch auf seinen Charakter abfärbt. Miike untermalt seine stilistischen Bilder mit leisen Klängen, die auch über längere Zeit ganz verstummen, und Platz für Emotionen und brachiale Gewalt lassen. Ebenso schmal setzt Miike den Grat zwischen Gewalt und sexueller Befriedigung, und geizt dabei nicht mir allerlei Körpersäften.

Fazit:

Durch vermeintliche Blutorgien erlangte “Ichi the Killer“ Weltruhm und eine große Fangemeinde, doch Takashi Miike beweist auch bei diesem Werk, dass unter der Hülle mehr steckt. So überzeugt der Film vor allem durch seine Charakterstudien.

4,5/5

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