Gozu (Filmkritik)

Da der Yakuza Ozaki immer mehr seinen Verstand verliert, beauftragt der Boss Ozakis Untergebenen Manimi den Verrückten auf einer Müllhalde außerhalb Tokios zu beseitigen. So ganz ohne Probleme verläuft Ozakis und Manimis letzte gemeinsame Fahrt nicht ab, denn Ozaki verstirbt schon bevor die Beiden den Zielort erreichen.

Auf der Suche nach einem Telefon fährt Manimi in die nächste Stadt, und beschließt, auch gleich einen Kaffee zu trinken. Als er wieder zum Auto kommt, ist der tote Ozaki verschwunden. Nun beginnt für Manimi eine surrealistische Reise durch die Kleinstadt, bei der ihm so einige skurrile Gestalten unterkommen. Jeder Schritt, der ihn näher zu Ozaki führt, lässt ihn mehr an seinem Verstand zweifeln…

Kritik:

Takashi Miike wandert bei seinem “Gozu“ auf David Lynchs Spuren, und führt seinen Protagonisten von einer Skurrilität zur nächsten. Die Handlung ist dabei nebensächlich, umso mehr werden die Charaktere in den Vordergrund gerückt. Und bei denen tobt sich Miike nach allen Regeln der Kunst aus. Sei es nun eine Herbergswirtin, die ihre Muttermilch in Flaschen abfüllt, und sie an Schulkinder verkauft, oder ein Yakzuaboss, der sich zur sexuellen Stimulanz einen Schopflöffel in den Hintern steckt.

Dabei beginnt “Gozu“ doch wie ein normaler Yakzua Film. Zumindest die ersten zwei Minuten, denn dann wird schon klar, dass Ozaki etwas durchgeknallt ist, nachdem er einen kleinen Hund verdächtigt ein Yakuzakillerhund zu sein, und ihn daraufhin erschlägt. Während Ozakis Ausbrüchen setzt Miike eine verstörende, quietschend Hintergrundmusik ein. Ansonsten kommt der Film fast ohne Musik aus, und lässt Raum für visuelle Stilmittel, wie zum Beispiel Gelbfilter.

Aus Angst vor seinen unkontrollierbaren Ausbrüchen beauftragt der Boss gerade den Mann, der Ozaki am Nächsten steht, um ihn zu beseitigen. Manini, der Ozaki als Vaterfigur ansieht und ihn Bruder nennt, erfährt erst während der Fahrt von seinem Auftrag. Doch bevor er Zweifel hegen kann, geschieht ein Unfall und Ozaki stirbt. Die Straße endet an einem Fluss, den man symbolträchtig mit dem Fluss Styx aus der griechischen Mythologie gleichsetzen kann. Von da an gehts in Richtung Unterwelt.

Als dann noch die Leiche verschwindet, beginnt für Manini eine abenteuerliche Suche, wobei es zunächst scheint, als wäre er der einzig Normale in einer Stadt voller Verrückter, die ihn einerseits komplett ignorieren, während sie übers Wetter reden, oder ihm gegenüber überfreundlich sind. Manini kann mit keiner der beiden Gruppen umgehen. Und dennoch verhelfen diese Menschen Maninis Charakter darzustellen.

Diese Darstellung ist vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennbar, doch kann man die Symbole deuten. Das Gesicht von Maninis Begleiter ist zur Hälfte weiß. Auch Maninis Persönlichkeit ist gespalten. Er lebt hinter einer Fassade, unterdrückt seine Homosexualität und begehrt im Geheimen seinen “Bruder“. Die, sich melkende, Wirtin, die eine Anspielung auf Miikes Visitor Q ist, assoziiert die Figur der Mutter, die als Ersatz für den verlorenen Vater, in Mainis Fall Ozaki, dient. Maini lehnt sie jedoch ab, und sucht weiter nach Ozaki.

Als er schließlich glaubt, seinen Bruder gefunden zu haben, merkt er, dass er die ganze Zeit auf der Suche nach sich selbst war. Er möchte das Yakuzakostüm ablegen, und sich Ozaki hingeben, der ihm kurz darauf als Frau erscheint. Doch dies soll nicht Ozakis letzte Wiedergeburt bleiben. Dabei geizt Miike natürlich nicht mit allerlei Körperflüssigkeiten, wobei er dabei weniger auf Blut setzt.

Miike drehte diesen Film in nur drei Wochen. Die Darsteller wussten oft nur Grundlegendes über ihre Rollen, und mussten bei den Dialogen improvisieren, und können dabei auf ganzer Linie überzeugen. Auch die schlechten Japanischkenntnisse der Amerikanerin löste Miike auf witzige Art und Weise.

Fazit:

Miike präsentiert mit “Gozu“ einen surrealistischen Film mit jeder Menge Symbolik, und beweist, dass er auch in kurzer Zeit einen guten, um nicht zu sagen, genialen Film drehen kann.

4,5/5

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s