Fudoh (Filmkritik)

Als kleines Kind musste Riki Fudoh mit ansehen, wie sein Vater seinen Bruder im Schlaf enthauptet hat, um die Gemüter der gegnerischen Yakuzaclans zu beruhigen, denn der Sohn hätte beinahe einen Bandenkrieg ausgelöst. Traumatisiert von dem Erlebnis schwört der kleine Riki Rache. Rache gegenüber seinem Vater und allen anderen Yakuza.

10 Jahre sind vergangen. Riki ist der Anführer eins Teenagerclans geworden. Er beherrscht nicht nur die Schule, sondern auch kleinere Stadtbezirke. Die Zeit für die Rache ist gekommen. Die Kinder gehen dabei äußerst skrupellos vor, und töten die vier Clanchefs, die damals den Tod von Rikis Bruder forderten. Unwissend über die Taten seines Sohnes steigt Fudoh senior zum Boss über die ganze Stadt auf.

Iwao Fudoh sieht den Höhepunkt seiner Macht gekommen, und möchte nun eine Allianz mit dem benachbarten Clan eingehen. Riki versucht dieses Vorhaben zu unterbinden, doch der Mordversuch seiner Killerkinder misslingt, und so wird sein Vater von den Machenschaften Rikis in Kenntnist gesetzt. Die Yakuza schlagen nun grausam zurück…

Kritik:

“Auf der ganzen Welt gibt es kein grausameres Tier als den Menschen. – Nicht einmal Wölfe jagen sich gegenseitig. Doch Menschen verschlingen andere Menschen bei lebendigem Leib.“

Mit diesen Worten eröffnet Regisseur Takashi Miike seinen Film, und zeigt in den nächsten 100 Minuten die Grausamkeit des Menschen, in teils realistischen aber auch arg übertriebenen Bildern. Die Tatsache, dass hier Kinder zu Mördern werden, und dabei lächelnd den Abzug der schweren Faustfeuerwaffen betätigen, ist zwar nicht neu, aber gut umgesetzt. Und dennoch zeigt Miike zwischen den Zeilen die Realität: Kinder sind grausam. Sie denken nicht, sie handeln. Natürlich wird der Umstand etwas übertrieben dargestellt, so spielen die Kinder zum Beispiel mit einem abgetrennten Kopf Fußball.

Dem gegenüber stehen die Erwachsenen. Berechnend, aber mindestens genau so kaltblütig. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, welche Gruppe für ihn die grausamere ist. Als Paradebeispiel der Alten stellt Miike Iwao Fudoh vor. Ein Clanoberhaupt, für den nur die alten Werte der Yakuza zählen. So schreckt er nicht mal davor zurück seinen ältesten Sohn, zur Begleichung einer Schuld, zu enthaupten. Lachend präsentiert er den Kopf seines eigen Fleisch und Blut den schockierten Bossen.

Jahre später rechnet der jüngere Sohn Riki mit den Yakuza ab. Doch das kann er nur, indem er das geworden ist, das er seit jenem Tag verachtet: ein Bandenführer. Er schart eine Riege Kinder und Jungendlicher um sich, die er in einem Ausbildungslager auf die bevorstehenden Einsätze vorbereitet. Dabei zeigt Miike auf, dass Gewalt nicht die Antwort auf Gewalt sein darf, denn je mehr Blut vergossen wird, desto tiefer zieht es die Protagonisten in den Strudel, aus dem sie nicht wieder heraus kommen.

Bei der Darstellung der Gewalt geizt er nicht mit skurrilen Einfällen und blutigen Effekten. So wird zum Beispiel das Vaginablasrohr zu einem kleinen Höhepunkt der Absurditäten, die einen Miike Film von anderen Werken unterscheiden. Und auch auf diese Aspekte konzentriert sich der Film, wodurch allerdings die Spannung etwas leidet. Besonders im Mittelteil verliert das Werk an Tempo, und die Handlung schreitet kaum voran, da Miike sich hierbei auf die Beziehungen, wenn man es so nennen kann, seiner Protagonisten konzentriert. Diese Szenen erscheinen willenlos aneinandergereiht und dienen lediglich der Erhöhung des Skurrilitätsfaktors des Films.

Im zweiten, sowie im letzen Drittel des Films werden Charaktere hinzugefügt, die sich für die Handlung als wichtig erweisen. Ihre Herkunft und Vorgeschichte bleibt größtenteils im Dunkeln. Ihre Verbindung zu den anderen Charakteren wird nur beiläufig erwähnt. Nichtsdestotrotz beschleunigen sie den Fortschritt des Films wieder und schon schließt sich der Kreis um den Fudohclan. Miike lässt es sich nicht nehmen, seinem Film ein offenes Ende zu verleihen, was zwei Jahre später eine Fortsetzung auf den Plan rief, bei der er seine Finger allerdings nicht mehr im Spiel hatte.

Fazit:

Takashi Miike zeigt in seinem Gangsterfilm, dass Gewalt nur noch mehr Gewalt provoziert, und ergründet, etwas übertrieben, die Kaltblütigkeit der Menschen. Dabei geizt er nicht mit sonderbaren Einfällen. Leider gelingt es ihm nicht, Tempo und Spannung hoch zu halten.

2,5/5

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