Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter (Filmkritik)

Lang, lang wars her. Im fernen Land Alagaesia sorgten einst die mächtigen Drachenreiter für Recht und Ordnung. Ihre Drachen verliehen ihnen magische Kräfte. Doch einer unter ihnen wollte die ganze Macht an sich reißen. Der Drachenreiter Galbatorix (John Malkovich) tötete fast alle seine Gefährten. Und mit ihnen starben auch die Drachen. Außerdem stürzte er den König und krönte sich selbst zum neuen Herrscher des Landes. Und das einst so friedliche und idyllische Land wurde von Galbatorix’ strenger Hand unterdrückt. An seiner Seite steht der einst von mächtigen Dämonen erschaffene Schatten (Robert Carlyle), der selbst ein fast allmächtiger Magier ist. Das Volk leidet unter dieser Militärherrschaft, die Bauern werden enteignet, ihre Söhne vom Heer eingezogen, wo sie keine allzu lange Lebenserwartung haben.

Fern ab von diesem Land leben die Varden, die als Freiheitskämpfer der Unterdrückung standhalten. Sie sehnen Erlösung durch die Rückkehr der Drachenreiter herbei. Ihr Warten sollte bald ein Ende haben, denn die Elfe Arya (Sienna Guillory) stielt das letzte Drachenei aus dem Schloss Galbatorix’ damit der junge Drache nicht in die Hände des Bösen fällt. Doch Arya wird vom Schatten festgenommen. Im letzten Moment kann sie das Ei verschwinden lassen.

Zur gleichen Zeit geht der junge Bauernsohn Eragon (Ed Speleers) auf die Jagd. Durch Zufall findet er das Drachenei, das er vorerst für einen Stein hält. Es dauert nicht lange, und die Drachendame Safira (gesprochen von Nena) schlüpft. Die beiden verbindet unter anderem, dass sie ohne Eltern aufwachsen, denn Eragon wurde auch adoptiert. Auch ein magisches Band verbindet Drache und Reiter. Sie können über ihre Gedanken kommunizieren. In der Ortschaft sucht Eragon den alten Brom (Jeremy Irons) auf, von dem er von den Drachenreitern hört. Eragon bittet Brom um Hilfe, doch der Drachenreiter im Ruhestand lehnt vorerst ab.

Zur gleichen Zeit schickt der Schatten seine grausamsten Krieger los, um den Jungen zu töten, die aber treffen nur auf dessen Ziehvater. Der Gefahr bewusst, fasst Brom schließlich doch den Entschluss sich um den Jungen zu kümmern, doch Eragon erweist sich als ziemlich dickköpfiger Schüler. Brom drängt Eragon dazu, zu den Varden zu reisen, um sie um Hilfe zu bitten. Der macht aber lieber einen Abstecher in die Gefilden des Bösen, um die Elfe Arya, die ihm im Traum erschienen ist, zu retten. Dort trifft er auch auf einen zwielichtigen Verbündeten. Bei der Flucht werden sie von der ganzen Armee Galbatorix’ verfolgt, die sie direkt zu den misstrauischen Varden führen. Ein alles entscheidender Kampf steht bevor…

Kritik:

Nach der “Herr der Ringe“ Trilogie erlebt das Fantasyfilmgenre einen regelrechten Aufschwung. Auch dieser Beitrag entstammt einer Buchvorlage, die in diesem Fall allerdings ein erst 16 jähriger geschrieben hat, und die bei weitem nicht so umfangreich und ausführlich ist, wie Tolkins Werke sind. Nichtsdestotrotz hat die Handlung Potential. Einzig an der Umsetzung kränkelts.

Vorweg einmal: Der Film ist mit seinen rund 100 Minuten zu kurz geraten. Ein Erzähler versucht zu Beginn die Rahmenhandlung zu erläutern, leider aber nicht so ausführlich wie es nötig wäre. Wobei der Kampf mit den Drachen am Anfang recht beeindruckend ist. Auch bleibt kaum Zeit, um die Charaktere vorzustellen. Sie sind einfach da und gehen ihrer Rolle nach. Von den Hauptfiguren erfährt man zwar nach und nach ihre Geschichte, aber viele interessante Nebenrollen bleiben im Dunkeln. Eine ausführliche Einführung wäre wünschenswert gewesen.

Der 18jährige Engländer Ed Speleers verkörpert den jungen Drachenreiter Eragon, der nachdem ihn seine Mutter aus unerklärten Gründen verlassen hat, bei seinem Onkel aufgewachsen ist. Auf ihm lastet die Bürde des lang ersehnten Erlösers. Dies ist Eds erster Film. Er wurde bei einem riesigen Casting auserwählt, und erwies sich als richtiger Glücksgriff. Er wirkt, als wär er schon einige Jahre im Geschäft, so kommt er auch mit seiner Mimik und Gestik glaubwürdig rüber. Für einen Anfänger ist seine Darbietung überdurchschnittlich gut.

Jeremy Irons kennt sich im Fantasygenre bestens aus und verkörpert so den Meister Brom routiniert und sympathisch. Brom konnte einst Galbatorix entkommen und lebt nun unerkannt in einer kleinen Ortschaft, wo er im Allgemeinen als Spinner angesehen wird. Nur zögerlich fasst er Vertrauen zu Eragon und erzählt ihm seine Geschichte.

Die Elfe Arya ist eine tapfere Kriegerin und für den Schutz des Dracheneis verantwortlich. Sie ist mental mit Eragon verbunden, und erscheint ihm in seinen Träumen. Das ehemalige Hugo Boss Model Sienna Guillory spielt diese leider zu klein geratene Rolle anständig.

Eragons späterer Gefährte Murtagh verbirgt eine dunkle Vergangenheit, die ihm fast zum Verhängnis wird. Dennoch erweist er sich als treuer Begleiter, der Eragon mehrmals das Leben rettet. Garrett Hedlud verleiht dem Charakter etwas Witz und bringt so frischen Wind in den Film.

Djimon Hounsou spielt Ajihad, den Anführer der Varden, die die letzte Bastion gegen den grausamen König stellen. Seine Rolle kommt in dem Film viel zu kurz. Er darf wenns hochkommt, gerade Mal zwei Sätze reden und ein bisschen kämpfen.

Der grausame König und ehemaliger Drachenreiter Galbatorix wird vom alten Routine John Malkovich gespielt. Er agiert im Hintergrund, gibt dem Schatten Befehle. Dabei wirkt er nicht allzu bedrohlich. Er kann mit seiner Darstellung nicht überzeugen.

Robert Carlyle spielt den mächtigen Schatten Durza, der einst von Dämonen erschaffen wurde, und nun die rechte Hand des Königs ist. Er ist fast unverwundbar, nur ein Stoß in sein Herz kann ihn töten. Die Idee endlich mal in einem Fantasyfilm einen richtigen Zauberer auftreten zu lassen, der mehr kann als nur reden und weißes Licht erzeugen, ist großartig. Robert Carlyle wirkt als böser Schatten wirklich bedrohlich. Auch seine Zauber sind größtenteils ein Augenschmaus.

Wo wir auch schon bei den Effekten wären. Die sind wirklich gut in Szene gesetzt. Nicht ganz unschuldig daran ist die Firma WETA Digital, die schon für Jacksons Ring Trilogie arbeitete. Die Computereffekte sind perfekt in die Landschaft eingepasst. Es gibt auch ein paar beeindruckende Landschafts- und Luftaufnahmen. Auch die Landschaft aus Sicht des Drachen zu zeigen ist eine gute Idee, die relativ anständig umgesetzt wurde. Eragons Augen schauen in der einen Szene genial aus.

Der Drache selbst ist einwandfrei animiert, Hautunebenheiten und Schuppen sind deutlich erkennbar. Dennoch kommt er nicht an die Qualität des “Dragonheart“ Drachen ran. Das Drachenbaby wirkt wie ein kleiner Hund, den man gerne als Haustier halten möchte.

Die Action kommt im Film auch nicht zu kurz. Nach hin und wieder leider vorkommenden Längen folgen kleine Auseinandersetzungen, die dann im Schlusskampf gipfeln, der bei weitem nicht so dramatisch und gut in Szene gesetzt wurde wie die Schlacht um „Helms Klamm“. Dennoch ist der Kampf ordentlich gemacht, und der Drache darf auch endlich Feuer speien.

Zwischendurch gibt’s ein wenig Kitsch, der aber erträglich ist, eine halbfertige Liebesgeschichte und fantastische Bilder. Auch die Musik wurde gut gewählt, und passt zum Thema.

Zu hoffen wär jetzt noch auf einen um eine Stunde längeren Directors Cut, wo mehr auf die vielen verschiednen Charaktere eingegangen wird, und die Kämpfe eventuell länger sind. Auch auf eine Fortsetzung warten wir schon zu lange.

Fazit:

Leider wurde die doch recht umfangreiche und interessante Handlung zusammengepresst. Die guten Effekte und die Darsteller retten dennoch den Filmabend. Bleibt nur auf eine längere DVD Fassung zu hoffen.

4/5

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