Der Nebel (Filmkritik)

Wie schlimm kann ein Tag eigentlich werden, der mit einer Katastrophe beginnt?

Nachdem ein nächtlicher Sturm einige Bäume in Familie Draytons Garten entwurzelt, und das Haus beschädigt hatte, beschließt David mit seinem kleinen Sohn in die nahe gelegene Stadt zu fahren, um das Notwendigste einzukaufen. Sie nehmen auch Davids Nachbarn, den New Yorker Rechtsanwalt Norton mit, dessen Auto unter einem Baum begraben wurde. Eigentlich verstehen sich die beiden Männer nicht, nachdem Norton David verklagt hatte, aber in dieser Situation ist die damalige Streiterei nicht mehr wichtig.

Beim Supermarkt angekommen, erfahren sie, dass die Stadt ohne Strom sei, und auch die Telefonleitungen tot sind. Jedoch machen sich die Menschen darüber keine Sorgen, denn der Sturm hatte so einiges angerichtet, bis dichter Nebel in die Stadt fällt. Plötzlich rennt ein Mann, völlig aufgebracht, Richtung Supermarkt, und berichtet, dass irgendwas im Nebel seinen Begleiter weggerissen hatte.

Nun werden die Menschen doch etwas nervös, und schließen die Türen des Marktes. Noch wissen sie nicht, ob in Nebel wirklich was auf sie lauert, und als eine religiös fanatsiche Frau vom Weltuntergang zu predigen beginnt, werden sie noch mehr verunsichert. Und schon bald bricht die Nacht herein. Die Nerven aller liegen blank…

Kritik:

Stephen Kings Kurzgeschichte aus dem “Im Morgengrauen“ Band diente als Vorlage für diesen Film. Bei King-Verfilmungen gibt es eigentlich nur zwei Gruppen. Gelungene und verhaute Werke. “The Mist“ beginnt wie die meisten dieser Verfilmungen. Eine beschauliche Kleinstadt, irgendwo an der Küste, wird vom Bösen heimgesucht.

In diesem Fall kommt das Böse in Form eines Nebels, wobei der Zuseher die erste halbe Stunde im Ungewissen gelassen wird, was es nun mit dem Nebel auf sich hat. So konzentriert sich der Film anfangs auf seine Charaktere, die bunt zusammengewürfelt in einem Supermarkt sind, und Angst vor dem Unbekannten haben. Jeder ist sich selbst der Nächste, und verwehrt seinen Mitmenschen Hilfe. Auch der Hauptdarsteller weist eine Hilfesuchende zurück, da er sich um seinen Sohn kümmern muss.

Hierbei stellt sich schon mal heraus, dass der Film von der Norm abweicht, wo der Hauptdarsteller die Führung übernimmt, und somit seine Mitmenschen sicher aus der misslichen Lage befreit. David verhält sich wie jeder andere Mensch auch. Er hat Angst, und versucht seinen kleinen Sohn zu beruhigen, was dem Film Anfangs etwas Dramaturgie verleiht, aber noch im erträglichen Maße bleibt.

Erst als der Nebel sein wahres Gesicht zeigt, die Atmosphäre sich lichtet, kristallisiert sich David als einer der Wenigen heraus, die einen kühlen Kopf bewahren. Die Lage beginnt sich zuzuspitzen, David muss die Leute überzeugen, dass sie in Gefahr sind, denn schon bald wird es Nacht, und der Film schwenkt von Mystery in Horror, wobei auch das Tempo gesteigert wird.

Doch anstatt in Blutorgien und Heldentaten auszuarten, konzentriert sich der Film weiterhin auf die Entwicklung der Charaktere. So hat David nun ein weiteres Problem. Die fanatische Mrs. Carmody überzeugt mit ihren religiösen Reden immer mehr Menschen im Supermarkt, und schließlich laufen auch Davids Helfer zu ihr über. Dem Zuseher ist schon von Anfang an klar, was die Verrückte damit bezwecken will, und sie würde über Leichen gehen, um die Menschen für sich gefügig zu machen. Näher betrachtet stellen sich Parallelen zur Realität her, denn nur die “ungebildeten“ Stadtbewohner folgen Carmody und ihrer Hetze. Die Intelligenten, wie Lehrer und Künstler bleiben auf Davids Seite. Somit wird das Lager gespalten, und Davids Gruppe bald von zwei Seiten bedroht.

Nach und nach wird der Film intensiver. Dem Zuseher wird förmlich in den Magen getreten, und vor Augen geführt, dass keine Bedrohung so schlimm sein kann wie die Bestie Mensch. Aus der Angst heraus suchen die Menschen Halt in der Religion, was die selbsternannte geistige Führerin natürlich ausnützt. Da ihnen auch die Weitsichtigkeit fehlt, werden sie zu schier grauenvollen Taten getrieben. Unschuldige werden Opfer dieses Fanatismus’ und die blinde Gruppe wird immer euphorischer.

Die übrigen vernünftigen Menschen versuchen indes ihr Glück beim kleineren Übel, und schon steuert der Film in Richtung Ende zu. Nach einer kurzen Actionszene gehts im Schritttempo der Hoffnungslosigkeit entgegen. Der bedrohliche Nebel scheint kein Ende zu finden, aber schön langsam wird der Tank leer. Doch anstatt der Vorlage treu zu bleiben, zielt das Ende in eine Richtung, lässt den Zuseher einerseits fassungslos zurück, andererseits nimmt es ihm aber auch den Raum für seine Fantasie.

Fazit:

Wie anfangs erwähnt, gibt es bei King-Verfilmungen nur 2 Gruppen. Diese hier gehört eindeutig zu den Besseren. Ich bin bewusst nicht auf das eingegangen, das im Nebel auf die Menschen lauert, denn der eigentliche Film spielt sich im Kaufhaus ab, und lässt den Zuseher über einiges nachdenken. Und dabei ist es völlig gleichgültig, wer oder was vor den Türen des Ladens umherstreift. Doch soviel sei verraten: Horrorfans kommen ebenfalls auf ihre Kosten, denn mit Effekten und Blut wurde nicht gespart.

4/5

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