Dead Man (Filmkritik)

Der Buchhalter William Blake reist in den Westen, um in der Stadt Machine seinen neuen Job anzutreten. Dort angekommen stellt sich allerdings heraus, dass der Posten bereits vergeben ist, weil Blake einen Monat zu spät eintrifft. Verzweifelt begibt sich Blake, der sein ganzes Erspartes für diese Reise ausgegeben hatte, in die nächste Bar. Doch auch dort scheint er nicht willkommen zu sein.

Auf der Straße, vor der Bar, fällt ihm die ehemalige Prostituierte Thel förmlich vor die Füße. Blake hilft ihr wieder auf die Beine, und begleitet sie auf ihr Zimmer. Doch bei einem Disput mit Thels Ex-Freund wird Blake verwundet. Bevor er in den Wald flüchtet, erschießt er den Eifersüchtigen.

Der Indianer “Nobody“ findet den sterbenden Blake, und versucht seine Wunde zu heilen. Bald merken die beiden, dass sie von Kopfgeldjägern, die der Vater des Getöteten auf sie angesetzt hat, verfolgt werden. Auf der Flucht greift Blake nun selbst immer wieder zur Waffe, und wird zu dem, das er Anfangs noch verachtet hat. Ein Gesetzloser ….

Kritik:

Jim Jarmusch präsentiert mit “Dead Man“ einen atypischen Western, der ohne die üblichen Zutaten auskommt, und dennoch ein weitaus besserer Vertreter des Genres ist, als viele Filme der damaligen Massenproduktion. So gibt es in “Dead Man“ weder strahlende Revolverhelden, die sich zur Mittagszeit auf der Hauptstraße duellieren, noch die weite Prärie, die von Vieherden und Banditen besiedelt wird.

Stattdessen verfolgt der Zuseher die letzten Tage des Antihelden William Blake (Johnny Depp), der in eine fremde Welt eintaucht und nichts als Ablehnung erfährt. Jarmusch erzählt diese Geschichte in eindringlichen schwarz/weiß Bildern. Schon in der Eröffnungsszene wird klar, dass dem Protagonisten nichts Gutes am Ende seiner Reise widerfahren wird. Fast endlos lang fährt Blake mit dem Zug gen Westen. Es ist komplett still, einzig bei Außenaufnahmen des Zuges setzt die eindringliche Gitarrenmusik von Neil Young ein, um in der nächsten Einstellung wieder zu verstummen.

Niemand spricht im Zug, Blake nickt ständig ein. Jedes Mal, wenn er aufwacht haben die Passagiere im Zug gewechselt, und je weiter er vorankommt, desto schäbiger, und verkommener werden die Personen. Auch die Landschaft ändert sich ins Dreckige. An der Endstation angekommen, findet sich Blake in einer, ihm fremden, Welt vor. Er erfährt dort nichts als Ablehnung. Auch die Firma, in der er arbeiten möchte, wirkt mehr als ungastlich.

Einzig die ebenfalls von der Gesellschaft Verstoßenen treten mit Blake in Kontakt und vermitteln ihm ein wenig Halt. So ist es ein Indianer, der nicht nur von den rassistischen Weißen verachtet, sondern auch von seinem eigenen Volk verstoßen wurde, der sich um Blake kümmert. Doch der Indianer, der sich selbst Niemand nennt, bemerkt, dass das Metall des weißen Mannes, wie er die Kugel bezeichnet, zu nach bei Blakes Herzen sitzt, und er ihn nicht mehr retten kann.

Das Projektil verkörpert alles Schlechte dieser Welt, das in dem Fall von den Weißen stammt, und Blake driftet nach seiner Verwundung immer mehr in diese schlechte Welt ab. Er wird selbst zum Gesetzlosen. Anfangs noch etwas unsicher, zeigt er im Verlauf des Films nicht mal mehr Reue, er tötet kaltblütig. Oft schickt er seinen Kugeln noch einen sarkastischen Unterton verbal voraus. Auch die Kopfgeldjäger verkörpern diese schlechte Welt perfekt. Sie schrecken nicht mal vor Kannibalismus zurück, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen.

So sind hier die Ausgestoßenen eindeutig die besseren Menschen, wobei sie von Jarmusch gar kitschig dargestellt werden. Nobody hilft Blake, obwohl er ihn gar nicht kennt, oder gar glaubt, in Blake den berühmten Schriftsteller und Maler vor sich zu haben. Er will ihm zu einer würdigen Bestattung verhelfen, denn dass Blake tot ist, erkennt er bereits bei ihrem Aufeinandertreffen. So entwickelt sich zwischen den beiden Männern eine Art Freundschaft, die auf Respekt voreinander gebaut ist.

Unaufhaltsam geht der Film, wie auch Blake seinem Ende zu. Doch hier erwartet den Zuseher kein typisches Westernfinale mit Action und wilden Schießereien. Im Gegenteil, der Film wird gegen Ende ruhiger, das Finale selbst erblickt der Zuseher nur noch durch die Augen des sterbenden Blake.

Fazit:

Jim Jarmusch präsentiert sein Meisterwerk in stilistischen Bildern, begleitet von Neil Youngs eindringlicher Musik. Dass der weiße Mann hier schlecht weg kommt, macht den Film noch interessanter. Dem Genre Western lässt er sich nur bedingt zuordnen, was auf keinen Fall ein Nachteil ist.

4,5/5

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