Chappie (Filmkritik)

Seit die Johannesburger Polizei Scouts (Roboter) einsetzt, ist die Kriminalitätsrate in der Stadt erheblich gesunken. Nachdem diese Maschinen keine Furcht kennen, fast unzerstörbar sind und unerbittert gegen das Verbrechen vorgehen, agieren die Kriminellen noch viel mehr im Untergrund als je zuvor. Die Polizei ist von ihrer Verstärkung natürlich begeistert und bestellt auch gleich die nächste Tranche Scouts. Deren Erbauer, Deon, plant allerdings schon den nächsten Evolutionsschritt seiner Erfindung, Bewusstsein.

Als Einheit 22 beim Kampfeinsatz schwer beschädigt wird, ergreift Deon die Chance und entwendet den zerlegten Scout aus der Fabrik. Doch es soll anders kommen, als er dachte. Auf dem Nachhauseweg wird Deon von Kleinkriminellen entführt und gezwungen den Roboter zu aktivieren. Die Verbrecher sehen in dem Scout eine tatkräftige Unterstützung für den nächsten großen Überfall. Deon installiert das neue Programm und der Roboter wacht mit dem Geiste eines Kindes auf…

Kritik:

Und wie ein Kind muss Chappie erst lernen und sich in der Welt zurechtfinden. Wir sehen ihn also zunächst als verängstigtes Kind, das sich Zechentrickserien ansieht und sich von Mami Märchen vorlesen lässt. Später als aufmüpfigen Teenager, der seine Vorbilder nachahmt und schließlich als Erwachsenen, der einen Platz gefunden hat. Auch muss er sich erst seiner Selbst bewusst werden, sich mit dem Leben und dem Tod auseinandersetzen und zwischen Gut und Böse unterscheiden.

Nun könnte man leicht in Versuchung geraten sich einen Actionfilm mit einem liebenswerten Roboter anzusehen und sich nicht viel dabei zu denken. Popcornkino vom feinsten. Doch so einfach ist es schlichtweg nicht. Anders als in Neil Blomkams District 9 steckt hier der Teufel im Detail. Und wie Yolandi ihrem Chappie liebevoll erklärt, kommt es drauf an, was unter der Hülle steckt.

Das Leben ist hart. Das muss Chappie schon sehr früh am eigenen Leib erfahren. Gangsterbanden terrorisierten die Stadt, und auch wenn die Kriminalität durch die Scouts gesunken ist, ist die Gewaltbereitschaft nach wie vor sehr hoch. Und Chappie, der sich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht bewusst ist, dass er ein ausrangierter Scout ist, versteht die Welt nicht als die Menschen vor ihm davonlaufen oder auf ihn losgehen. Wurden sie doch unerbittlich von Chappies Kollegen gejagt und in den Untergrund gedrängt. Doch ein weiterer Nebeneffekt wird hier im Film nur nebensächlich genannt. Nachdem die Polizei immer mehr Scouts kauft, verlieren Menschen ihren Arbeitsplatz.

Und dann wären wir schon beim Ausgangspunkt des Filmes. Künstliche Intelligenz. Die Menschen verlassen sich immer mehr auf die perfekt programmierten Maschinen. Wohin das führen kann haben Filme wie Terminator oder I-Robot schon sehr actionreich unter Beweis gestellt. Verständlicherweise weigert sich Michelle Bradley, die Chefin des Rüstungskonzerns, den nächsten Entwicklungsschritt zu erlauben. Sigourney Weaver spielt die Chefin gewohnt gut, allerdings ist ihre Rolle selbst etwas blass. Einen großen Schritt weiter geht ihr engster Mitarbeiter Vincent Moore, Hugh Jackman mal als Bösewicht, der von künstlicher Intelligenz gar nichts hält und stattdessen einen Roboter entwickelt hat, den ein Mensch mit Kraft seiner Gedanken steuern kann, so dass der Mensch stets die Kontrolle behalten kann.

Und diese Kontrolle geht schlichtweg verloren als der Nerd Deon Wilson, Dev Patel, einer Maschine ein eigenes Bewusstsein verleiht. Anders als in oben genannten Beispielen scheint hier die Maschine schlicht der bessere Mensch zu sein. Doch wie beim Menschen muss Chappie sich entwickeln. Er ist ein Kind, das Angst hat, Eltern braucht. Wird dann zum Teenager und sucht nach Vorbildern. Was schon die nächste Sozialkritik birgt, denn wir sehen hier deutlich, wie der Umgang mit verschiedenen Menschen ein Kind prägen kann. Chappie ahmt seinen quasi Vater, der sich selbst Ninja nennt, nach. Sei es nun in der Gestikulation oder der Artikulation. Doch sein Erbauer hat ihn in eine Zwickmühle gebracht, als er ihm erklärt hat, dass man keine Verbrechen begehen darf und dass er sich von niemanden einreden lassen soll, dass er etwas nicht kann. Mancherorts erinnert der Film an den Klassiker Nummer 5 lebt. Doch Blomkamp zieht noch eine weitere Parallele zu einem Klassiker. Chappies Lebenswille und die Frage nach dem Sinn seines Daseins an seinen Erbauer haben ganz klar Blade Runner zum Vorbild.

Obwohl Chappie hier ganz klar der Hauptdarsteller ist, und auch alle Sympathien auf seiner Seite hat, darf man die Nebenrollen nicht außer Acht lassen. Seine Familie zum Beispiel. Ein Gangsterpärchen und deren Freund, die gehörig in der Klemme stecken und in Chappie die Lösung ihrer Probleme sehen. Yolandi entwickelt schon nach der Aktivierung des liebenswerten Roboters Muttergefühle und fühlt sich in der Rolle auch sichtlich wohl. So liest sie ihm auch ein Kinderbuch vor, das Chappies Situation und Platz auf der Welt recht gut zum Ausdruck bringt, und ihm dabei hilft zu verstehen, dass er anders ist, aber wie schon oben erwähnt, zählt ja das Innere.

Ninja hingegen hält an seinem Plan fest, Chappie als Hilfe für einen Überfall einzusetzen. Er ist für ihn nur eine Maschine, die er benutzen will, auch wenn er ihn dabei in höchste Gefahr bringt. Hierbei kommt ein weitere Aspekt zum Vorschein, denn Ninja beweist, dass Chappie zwar sehr intelligent ist, aber auch überlistet werden kann. Denn der Kleine ist anfangs ziemlich naiv und hilflos. Ninja will ihm keine Zeit lassen, sich selbst zu finden, sondern stößt ihn in die Realität.

Aber keine Sorge, die Action kommt hier auf keinen Fall zu kurz. Über die Technik des Films brauch ich nicht viel schreiben, die ist schlichtweg perfekt. Wir dürfen die Scouts natürlich in Aktion sehen und gegen Ende wird die Spannungs- und Actionschraube noch mal erheblich angezogen, wobei auch der Gewaltgrad etwas steigt. Und eben im letzten Abschnitt des Films ist Chappie dann auch erwachsen geworden und wird zum Helden der Geschichte.

Sehr passend ist auch die musikalische Untermalung von Hans Zimmer, welcher aber auch die Musik von Yolandi und Ninja einfließen lässt, die in Südafrika bekannte Rapper sind und als Die Antwoord auftreten.

Fazit:

Näher betrachtet ist Chappie also weit mehr als ein nur Film mit einem liebenswerten Roboter, der hochkarätige Schauspieler eher blass aussehen lässt und neben einer interessanten Geschichte auch jede Menge Action und Spannung bietet. Gesellschafts- und Sozialkritik sind gut unter der Oberfläche versteckt. Auch wirft der Film die Frage in den Raum, wie weit Künstliche Intelligenz gehen darf, denn was als nächstes folgen kann haben andere Filme schon eindrucksvoll zur Schau gestellt. Wobei in dieser Hinsicht Chappie die Zukunft etwas rosiger aussehen lässt, und es dann wieder fragwürdig ist, ob Maschinen Menschen vollends ersetzen können und sollen. In vielerlei Hinsicht tun sie dies ja schon, aber Chappie geht hierbei noch einen Schritt weiter. Und dann bleibt noch zu sagen: Ich will einen Chappie haben. Wobei das dann wieder die Frage aufwirft, ob man einen Roboter, der ein Bewusstsein, quasi eine Seele hat, überhaupt besitzen kann…

4,5/5

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