Blues Harp (Filmkritik)

Der Yakuza Kenji läuft während seiner Flucht vor einem gegnerischen Clan in den Hinterhof einer Blues-Bar, wo er auf den Barkeeper Chuji trifft. Chuji arbeitet nebenbei als Drogendealer für Kenjis Verfolger. Doch zu Kenjis Erstaunen verrät er ihn nicht an seine Häscher, sondern gewährt ihm Unterschlupf. Am nächsten Morgen wird Kenji von seinem Fahrer abgeholt, und jeder geht wieder seinen eigenen Weg.

Während sich Kenji zielstrebig nach oben arbeitet, lässt sich Chuji vom Leben treiben. Abends arbeitet er in der Bar und Nachts dealt er. Seiner Freundin gelingt es, ihn mit seiner Mundharmonika auf die Bühne zu locken. Und als ein Bandmitglied der Stammtruppe ausfällt, bekommt Chuji seine Chance, sein Leben zu ordnen. Doch seine Vergangenheit holt ihn alsbald wieder ein, und so kreuzen sich die Wege von Chuji und Kenji erneut …

Kritik:

1998 ließ es Takashi Miike etwas ruhiger angehen. Wie auch bei “The Bird People in China“ kommt sein “Blues Harp“ ganz ohne Skandale, Tabubrüche, Abartigkeiten und Skurrilitäten aus. Obwohl man genau das bei einem Miike Film erwartet hätte, überzeugen die beiden Filme, weil sie derartige Szenen eben nicht bieten. Und Miike beweist einmal mehr sein breit gefächertes Repertoire.

“Blues Harp“ erzählt die Geschichte zweier, von Grund auf verschiedener, Männer, die das gleiche Schicksal teilen. Sie sind Außenseiter ihrer Gesellschaft. Und je weiter Chuji in der Gesellschaft aufsteigt, desto tiefer sinkt Kenji, und bald führt sie das Schicksal wieder zusammen.

Kenji ist bei den Yakuza nichts weiter als ein Laufbursche, der von seinen Gangmitgliedern nicht wirklich akzeptiert wird. Nach einigen Rückschlägen fällt er in deren Gunst immer weiter in Ungnade. Einzig sein Chauffeur hält zu ihm, und das auch nur, weil er ihn heimlich liebt. Doch Kenji, der mit der Frau des Chefs schläft, hat einen Plan, um bis an die Spitze des Clans zu steigen. Seine Vergangenheit bleibt im Dunkeln, das macht den Charakter etwas rätselhaft.

Chuji ist der Sohn eines afroamerikanischen Soldaten und einer Hure. Diese Tatsache disqualifizierte ihn schon von Geburt an. Er hat seinen Weg noch nicht gefunden, jobbt in einer Bluesbar und dealt mit Drogen. Der an sich lebenslustige Chuji fühlt sich außerhalb seiner gewohnten Umgebung nicht wohl. Er pendelt ständig zwischen Bar, Straße und Computerspielhalle. Erst als er eine Freundin findet verläuft sein Leben zielstrebiger. Der leidenschaftliche Mundharmonikaspieler bekommt die Chance seines Lebens.

Miike castete für die Hauptrollen zwei relativ unerfahrene Fotomodels und hatte auch hier den richtigen Riecher. Seiichi Tanabe (Kenji) und Hiroyuki Ikeuchi (Chuji) agieren überraschend gut und verleihen ihren Charakteren Tiefe. Und auf genau das legt “Blues Harp“ Wert. Einige kurze Actionszenen stehen im Hintergrund, Miike betont hier die Charakterentwicklung, und diese ist als durchaus gelungen zu bezeichnen.

Chuji wird im Verlauf des Films immer ernster, und beginnt sich um seine Freundin und die gemeinsame Zukunft zu sorgen. Während Kenji sein Ziel von Anfang an kennt, ist der dennoch immer wieder bereit Opfer zu bringen. Und so schwingt auch die Stimmung des Films immer mehr in Richtung Drama, bis es zum unausweichlichen Ende kommt, das sehr gut in Szene gesetzt wurde.

Einen wichtigen Teil zum Erfolg des Films trägt auch die Bildsprache, die in teils langen Kamerafahrten gesprochen wird, bei. Untermalt wird das Ganze von stimmungsvollen Rock- und Bluesklängen, der für den Film gecasteten, in Japan, bekannten Rockgruppen, die in den richtigen Momenten verstummen, und das Hauptaugenmerk aufs Bild lenken. Und da sind ein paar Szenen dabei, die den Film zu einer Perle des Genres werden lassen. Wie zum Beispiel Chujis schwangere Freundin, die nur zu ihren eigenen Mundharmonikaklängen, ihren Bauch streichelt, und dabei melancholisch an die Zukunft denkt. Solche stimmungsvollen Szenen tragen viel zur gelungenen Atmosphäre bei.

Fazit:

Takashi Miike präsentiert mit “Blues Harp“ eine gelungene Charakterstudie, die ohne übertriebene Gewaltorgien auskommt.

4/5

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