Blade Runner – Final Cut (Filmkritik)

Los Angeles im Jahr 2019. Tiere sind entweder vom Aussterben bedroht, oder bereits ausgestorben. Die Technik hat sich jedoch dahingehend entwickelt, dass künstliche Tiere geschaffen werden können. Aber die Menschen hörten dabei nicht auf. So wurden auch künstliche Menschen, Replikanten genannt, geschaffen. Mittlerweile in der 6. Generation verrichten die Replikanten Arbeiten, die für Menschen zu schwierig sein würden. Daher werden sie oft auf den Nachbarplaneten eingesetzt. Als es zu einem Aufstand der Replikanten kommt, wird ihnen die Rückreise zur Erde bei Todesstrafe verboten.

Eine Hand voll Replikanten, unter Führung von Roy Batty, kehrt jedoch zur Heimat zurück. Sie sind so weit entwickelt, dass sie ein eigenes Bewusstsein und den Willen zum Leben haben. Da ihre Lebensdauer aber mit 4 Jahren beschränkt ist, sind sie auf der Suche nach einem Weg ihr Dasein zu verlängern. Das ruft die Spezialeinheit der Polizei auf den Plan, die Blade Runner.

Der gerade wieder in den Dienst gerufene Agent Deckard bekommt den Auftrag, die abtrünnigen Replikanten zu deaktivieren. Seine Spur führt Deckard zunächst zur Tyrell Corporation, wo er auf die Replikantin Rachel trifft, die nicht weiß, dass sie ein Replikant ist. Während Deckard mit seiner Fahndung vorankommt, tritt Roy vor seinen Schöpfer, Tyrell…

Kritik:

“Blade Runner“ hatte es vor 35 Jahren nicht leicht. Für die Kinoauswertung mussten Off-Kommentare eingefügt werden, damit das Publikum den Film versteht. Dennoch floppte das Werk anfangs. Jahre später lieferte Ridley Scott einen Directors Cut ab, und mittlerweile hatte sich der, für die damalige Zeit anscheinend zu früh erschienene, Science-Fiction Film zum Kultfilm entwickelt. Ein viertel Jahrhundert nach Kinostart präsentiert Scott seine endgültige Fassung des Filmes, welche das Meisterwerk meiner Meinung nach noch besser macht.

Der Film beginnt mit einer kurzen Erklärung der Replikanten und ihrer Geschichte. Gleich darauf fährt die Kamera über die dystopische Stadt Los Angeles. Von Anfang an weiß Scott eine dichte Atmosphäre zu schaffen. Die Stadt selbst ist sehr detailliert und einfallsreich gestaltet. Die Farben sind dabei sehr dunkel gehalten, wodurch der Film einen düsteren Beigeschmack erhält. Ein stimmungsvoller Effekt stellt dazu der ständige Regen dar. Dadurch erscheinen die Stimmung sehr trostlos, und die Zukunft der Charaktere hoffnungslos. Es gibt nur einen kleinen Lichtblick, welcher durch eine aufsteigende weiße Taube dargestellt wird.

Mitten in den Wirren der Großstatt treffen wir auf Agent Deckard, der für einen neuen Auftrag zurück in den aktiven Dienst gerufen wird. Er soll einige abtrünnige “Hau Jobs“ erledigen. Bei seinen Nachforschungen durchstreift er sowohl den verruchten Stadtteil von LA mit seinen Bars und Märkten, als auch die dekadente Ebene der reichen Geschäftsleute, wobei sich Deckard beim gewöhnlichen Volk wohler fühlt.

In der Tyrell Corporation trifft er auf die Assistentin des Firmengründers. Mit Hilfe eines Tests stellt Deckard fest, dass Rachel ein Replikant ist. Jedoch weiß sie nichts davon, hat sie doch eine eigene Erinnerung, und ein Bewusstsein. Deckard öffnet ihr aber die Augen, kann aber seine Gefühle für sie nicht überwinden, und so verliebt er sich in die Maschine. Mittlerweile kommen ihm aber selber Zweifel, ob er selbst nicht auch ein Replikant ist. Mehrere Indizien würden dafür sprechen. Diese Theorie hat ganze Fanlager gespalten. Ridley Scott bringt beim Bonusmaterial des Final Cuts nun endlich Klarheit. Harrison Ford kann mit seiner Darstellung auf ganzer Linie überzeugen.

Eine sehr wichtige und tragische Rolle wurde aber auch den Replikanten selbst zugedacht. Sie sind nicht einfach willenlose Maschinen, die Deckard beseitigen muss, sondern besitzen, wie Rachel, ein Bewusstsein und den Willen zum Leben. Jedoch wurde ihnen nur das Recht auf ein sehr kurzes Leben gewährt. So deaktivieren sie sich nach 4 Jahren selbstständig. Roy will sich mit seinem Schicksal nicht abfinden, und sucht seinen Schöpfer auf. Wobei auch etwas Sozialkritik aufkommt. Die Frage, ob Menschen künstliches Leben erschaffen dürfen, ist seit der Möglichkeit des Klonens umstrittener denn je. Und bei den Replikanten handelt es sich um Maschinen, die mehr Mensch sind, als viele Menschen. Somit kann man auch darüber diskutieren, ob etwas lebt, wenn es ein Bewusstsein hat, und damit selbst glaubt, dass es lebt, im theologischen Sinn eine Seele besitzt. Oder aber auch ob Androiden von elektrischen Schafen träumen.

Der Replikant Roy ist dieser Auffassung, und möchte sein Recht auf Leben auch einfordern. Er sieht ein, dass er schreckliche Dinge getan hat, fürchtet sich jedoch auch vor seinem eigenen Tod. Mit Hilfe des genetischen Konstrukteurs JF Sebastian, der ebenfalls das Problem der zu schnellen Alterung hat, kann Roy schließlich bei Tyrell vorsprechen. Sebastian selbst lebt alleine in einem großen Zinshaus. Da er keine Freunde hat, hat er diverse Puppen entworfen, die mit ihm interagieren. Da begrüßt er es natürlich, als Pris vor seiner Tür hockt. Er glaubt, in den Replikanten Freunde gefunden zu haben, sieht jedoch die Gefahr nicht, die von ihnen ausgeht.

In Sebastians Haus soll es dann auch zum spannungsgeladenen Showdown kommen. Die Spannungskurve wird den Film über langsam aufgebaut, entlädt sich hin und wieder in einer Actionszene, und steigt gegen Ende noch etwas mehr an. Die Actionszenen selbst sind gut dosiert und lassen auch etwas Raum für die Romantik zwischen Deckard und Rachel. Bemerkenswert sind auch die Effekte. Kein einziger Effekt stammt aus dem Computer. “Blade Runner“ ist somit einer der letzten vollständig handgemachten Science-Fiction Filme. Und diese Effekte können sich durchaus ansehen lassen. Scotts Team holte aus dem relativ geringen Budget das Beste raus. So beeindruckt das Set mit einer stimmungsvollen und detaillierten Architektur. Die Filmmusik von Vangelis trägt ebenfalls sehr viel Positives zur dichten Atmosphäre bei.

Fazit:

Nach über 35 Jahren hat “Blade Runner“ nichts von seinem Flair eingebüßt. Die Sozialkritik ist heute noch aktueller als zum damaligen Kinostart. Ridley Scott gelang es, ein Meisterwerk zu schaffen, welches erst einige Jahre nach Kinostart Kultstatus erlang und mittlerweile auch eine Fortsetzung bekam.

5/5

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