Apocalypto (Filmkritik)

Südamerika zur Blütezeit der Mayahochkultur: In den Städten regiert Dekadenz, der Adel lässt riesige Pyramiden bauen. Doch viele Kriege haben das Land zerstört, auch der Regen blieb aus. Das Volk hungert, es grassieren Krankheit und Tod. Die Hohepriester versprechen ihren abergläubischen Landsleuten Besserung. Aber ihr Gott will Blut sehen, Menschenblut.

Weit ab von der Hauptstadt lebt der junge Jäger Pranke des Jaguars mit seiner hochschwangeren Frau, seinem kleinen Sohn und seinen Freunden in einem kleinen Dorf. Sie führen ein glückliches Leben, finden alles, was sie brauchen im Dschungel. Doch die Idylle wird bald getrübt, als die Soldaten der Stadt das Dorf überfallen, und die Erwachsenen verschleppen. Pranke des Jaguars kann seine Frau samt Kind noch in einem Brunnen verstecken. Nur kann er nicht mehr verhindern, dass des Generals Advokat seinen Vater tötet.

So machen sich die Soldaten mit den Gefangenen Richtung Stadt auf. Dort angekommen werden die Frauen am Sklavenmarkt verkauft und die Männer blau angemalt, und zur großen Pyramide gebracht. Dort wird schon im Akkord geopfert. Wobei ihnen bei lebendigem Leibe das Herz herausgeschnitten wird, sie anschließend geköpft werden und der Kopf dann die Stufen hinuntergeworfen wird, bis die Menge jubelt.

Pranke des Jaguars kann fliehen und schlägt sich Richtung Wald durch. Aber er ist verletzt, und die Schergen des Mayakönigs sind ihm bereits auf den Fersen. Zu seinem Vorteil kennt Pranke des Jaguars den Wald wie seine Westentasche…

Kritik:

Mel Gibson löste mit „Der Passion Christi“ heftige Diskussionen aus. Und das nicht nur wegen der Gewaltdarstellung. Auch mit seinem zweiten in Originalsprache gedrehten Film erging es ihm im Vorfeld nicht wesentlich besser. So beschwerten sich z.B. die Nachfahren der Maya über die verfremdete Darstellung ihrer Kultur. Doch laut Wissenschaftlern und Anthropologen ist Gibson mit seiner Version der Geschichte gar nicht so weit von der Realität entfernt.

So begann die Blüte der Maya schon vor der Ankunft der Spanier zu bröckeln. Umweltzerstörung, Ressourcenausbeutung und politische Korruption besiegelten schon vorzeitig den Untergang des Reiches. Mel Gibson wollte hier aber keine Dokumentation drehen, sondern die Geschichte eines Mannes erzählen, der vom System zum Menschenopfer auserkoren wurde, um den abergläubischen Pöbel des Reiches eine Show zu bieten.

Gibson verzichtet dabei gänzlich eine umfangreiche Geschichte zu erzählen, dafür konzentriert er sich mehr auf die Action, und Spezialeffekte. Und dabei gibt es einige wenige wirklich gute, teils blutige Szenen zu bewundern, die jedoch nichts Neues bieten. Ich möchte hier gleich vorweg nehmen, dass die Opferszene nicht wirklich aufregend ist. Aber das Tempo mit dem die Männer getötet werden ist beachtlich. Die Verletzungen und das Blut sehen sehr realistisch aus.

Der Film beginnt recht ruhig. Hier wird die Zeit zur Einführung der Charaktere genutzt. Man lernt die Dorfbewohner kennen und es entwickelt sich eine gewisse Sympathie. Tempo kommt erst ab der Flucht des Hauptcharakters auf. Ab und zu wird’s auch mal spannend, aber nie wirklich fesselnd. Teilweise ist der Film aber auch zu schnell geschnitten.

Kleidung uns Ausstattung wirken einen Laien recht authentisch. Auch die Landschaftsaufnahmen wissen zu gefallen. Je weiter die Reise Richtung Stadt geht, desto bedrohlicher schaut die Landschaft aus. Auch die gerodete Fläche mit der toten Frau und dem kranken Mädchen verbreitet eine Stimmung des Unbehagens und bereitet die Charaktere auf ihr Schicksal vor. Leider wurde an dieser Stelle ein mysteriöser Aspekt beigesteuert, was man getrost hätte lassen können.

Der Film wurde komplett in der alten Mayasprache Yucatec gedreht und untertitelt. Leider ist die Schrift weiß, und bei manchen Szenen kann man sie nicht sehen. Durch das Mitlesen versäumt man unter Umständen die ein oder andere Szene. Die Sprache selbst stört nicht, es wird sowieso nicht viel gesprochen.

Auch der Großteil der Darsteller stammt aus der Gegend rund um den Urwald. Dafür wirken sie auch so natürlich. Der Hauptdarsteller, Rudy Youngblood, gebürtiger Komantsche, macht seinen Job ordentlich. Er bringt die Gefühle seines Charakters glaubwürdig rüber. Man sieht ihm die Angst am Opferaltar richtig an.

Fazit:

Ein im Endeffekt gesehen eher durchschnittlicher Film mit einigen guten Actionszenen etwas Dramatik, aber leider zu dünner Handlung und fehlender Einführung, die die Beweggründe der Entführung und Opferung erläutert, der weder schockiert noch so richtig zu begeistern weiß. Erfreulich ist allerdings, dass das Werk weit ab vom Mainstream angesiedelt ist.

3,5/5

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